Im Restaurant

Die Preisunterschiede zwischen verschiedenen Gaststätten können in Russland gewaltig sein, ein vorausschauender Blick in das "Minju" ("Die Speisekarte") empfiehlt sich daher auf jeden Fall. Nicht alle Restaurants bieten allerdings englische Speisekarten an, was es ausländischen Gästen mitunter schwer macht, ihre Wünsche zu artikulieren. Denn auch die Kellner beherrschen meist kein Englisch. Allerdings stellen viele Restaurants die Gerichte in ihren Speisekarten mit einem Foto dar.

Ein "Abjed" (Mittag-) oder "Uschin" ("Abendessen") beinhaltet klassischerweise als ersten Gang einen "Borschtsch", eine "Saljanka" oder einen "Rassolnik", also eine der vielen Suppen der russischen Küche, gefolgt von einem Hauptgericht mit Beilage. Dazu kann wahlweise einer der vielen Salate bestellt werden, die anders als in Westeuropa meist mit Mayonnaise angemacht sind.

Die in Deutschland üblichen Getränke haben sich inzwischen auch in Russland etabliert, also Wasser, Cola, Saft, Bier. Wein wird meistens auch gereicht, ist aber oft teuer. Spirituosen sind nach wie vor relativ günstig, obwohl sie in den vergangenen Jahren zur Bekämpfung des Alkoholismus stärker besteuert wurden. Sie werden begleitend zum Essen immer noch bestellt, doch längst nicht mehr so oft wie etwa noch in den Neunzigerjahren. Die Wettbewerbsgesellschaft, zu der Russland inzwischen geworden ist, erlaubt den Konsum von hartem Alkohol nicht mehr in den Mengen wie in alten Tagen.

Wer bezahlen will, äußert seinen Wunsch mit den Worten "Schot, paschalusta!" (Die Rechnung, bitte!). Der Kellner rechnet nie am Tisch ab, sondern bringt die Rechnung in einem Korb oder in einer Mappe, in die der Gast das Geld hineinlegt. Fast überall ist es möglich, mit Kreditkarte zu bezahlen. Die Regeln für das "Tschewi" ("Trinkgeld") sind nicht sehr strikt, ähnlich wie in Deutschland kann der Gast aufrunden. Wer sich korrekt verhalten will, gibt ein Trinkgeld von zehn Prozent.

Eine kostengünstige Alternative zum "Restoran" ("Restaurant") oder "Kafe" ("Café") besteht in der "Stalówaja" ("Cafeteria"), einem Überbleibsel aus dem Kommunismus. Wie in einer Kantine holt sich der Gast dort das Essen mit einem Tablett am Tresen ab und zahlt vorne an der Kasse. Die vorgekochte Kost schmeckt meistens so, wie warmgehaltenes Essen eben schmeckt, ist aber durchaus vielfältig, sättigend und sehr preiswert. Die "Stalówajas" sind eine sentimentale Referenz an die "gute alte Zeit". Das demonstrieren sie auch dadurch, dass auf Bildschirmen im Hintergrund häufig B-Movies sowjetischer Herkunft laufen.

Bild: AFP 19. Juni 2018, 05:262018-06-19 05:26:52 © SZ.de/kaeb/ihe/liv