Rundumbetreuung Russische Fatamorgana

Für den sozialen Status täuschen viele junge Russen ihre Urlaube nur vor. Professionelle Agenturen helfen bei der Präsentation perfekter Reiseerlebnisse -Sonnenteint inklusive.

Irina lernte für ihren Urlaub die Adressen der angesagten Diskos und Restaurants von Buenos Aires auswendig. Die Moskauerin büffelte auch die Sitten des südamerikanischen Landes. Und natürlich prägte sie sich alle kleinen Vorzüge ihres Vier-Sterne-Hotels ein - denn sehen sollte sie ihre Unterkunft nie. Die Russin nutzte das, was im geltungssüchtigen Moskau als letzter Schrei gilt, wenn es darum geht, seinen sozialen Status aufzupolieren: Sie buchte eine "falsche Reise", Solarium und Souvenir-Paket inklusive.

"Mein Chef ist ein Fan von Extrem-Urlauben, er fährt nach Südamerika und war auch schon im Irak", sagt Irina, die im Moskauer Büro einer westlichen Firma arbeitet. "Um ihn zu beeindrucken, habe ich beschlossen, nach Argentinien zu fahren", sagt sie. Kleiner Haken: Eine solche Reise könnte sich die junge Russin niemals leisten.

Die 23-Jährige träumt davon, einen Posten im oberen Management zu bekommen. "Sich in Russland durch seine Arbeit von der Masse abzuheben, ist schwierig", sagt sie. "Bei uns arbeiten ja alle wie die Verrückten." Und so landete sie bei Perseus-Tours, einem Unternehmen, das der 28-jährige Dmitri Popow im Mai 2005 gründete.

Alibi für einen Seitensprung

Popows Firma war nach eigenen Angaben der erste Anbieter von "virtuellen Reisen", inzwischen gibt es bereits Nachahmer. Für 400 Dollar (rund 330 Euro) ist bei ihm eine vorgestellte Reise nach Brasilien, Argentinien oder Indien zu haben. Nicht billig, aber im Vergleich zu den fast 3000 Euro für die reale Reise doch ein Schnäppchen. Jeden Monat werden rund dreißig Fantasie-Urlaube bei Perseus-Tours gebucht. Ein 28-jähriger Moskauer habe sich für eine virtuelle Piranha-Jagd auf dem Amazonas sogar die Hand verletzt.

Doch nicht nur der falsche Glanz der weiten Welt zieht die Kunden zu Perseus-Tours. Viele nutzten das Angebot schlicht als todsicheres Alibi für einen Seitensprung, erklärt Popow. 80 Prozent von ihnen seien Männer, viele von ihnen nähmen sich mit Hilfe der Agentur eine letzte Auszeit vor der Hochzeit. So wie Andrej, 27 Jahre alter Jurist aus St. Petersburg. Weil er einen Kongress in Ägypten buchte, konnte er vor seiner Heirat noch fünf Tage mit einer alten Bekannten verbringen, die er nach eigenen Angaben "unbedingt wiedersehen musste".