bedeckt München 10°
vgwortpixel

Rudas-Bad in Budapest:Nackte Freude

Ein Besuch beim Damenbadetag im türkischen Rudas-Bad.

Die einen haben sich gleich allen Stoffs entledigt: "Wozu einen Bikini, wir sind doch unter uns", sagt die Palästinenserin aus Nazareth, die neben einem im gerade noch erträglich warmen Wasser sitzt, von ihrem jüdischen Freund erzählt und davon, wie sie es genießt, für ein paar Tage der Enge der Heimat entflohen zu sein.

Die russischen Matronen haben ihre Banja-Filzhüte mitgebracht, ansonsten sind auch sie nackt. Die zierlichen Südkoreanerinnen haben sich "Köteny" geben lassen, Schürzen, die Brust und Schambereich bedecken, den Po allerdings frei lassen. Der Sinn dieser traditionellen Badebekleidung erschließt sich nicht: Das Baumwolltuch klebt nass am Körper und zeichnet jede Kontur nicht unbedingt vorteilhaft nach.

Der Damentag im Rudas ist, zumindest ab dem Nachmittag, ein internationales Beisammensein im dampfenden Oktogon. Über dem Becken Dunstschwaden, die Gesprächsfetzen babylonisch verworren. Man wandert durch die vier seitlich liegenden kleinen Becken, vom wärmeren ins kältere und umgekehrt. Zwischen 28 und 42 Grad beträgt deren Temperatur. Der alte, türkische Bereich des Bades ist behutsam restauriert.

Zwischendurch einen Abstecher ins Panoramabecken, das auf dem Dach des neuen Trakts gebaut wurde: Vor allem nachts ist der Blick auf die erleuchteten Donaubrücken spektakulär. Dann wieder zurück ins Damenbecken. Das Wasser enthält Kalzium, Magnesium, Sulfate, Fluorid-Ionen, ist leicht radioaktiv und riecht es ein bisschen schwefelig. Und der Silberschmuck, den man besser vorher abgelegt hätte, hat am Ende Patina. Das war's aber wert.

www.rudasfurdo.hu, Schwimmbad geöffnet 6 bis 22 Uhr. Frauentag: Dienstag, gemeinsame Frauen- und Männertage: Samstag, Sonntag, Nachtbaden (gemischt): Freitag auf Samstag von 22 bis 4 Uhr. Eintritt ab 13 Euro.

Städtereise In der Stadt der Quellen

Thermen in Budapest

In der Stadt der Quellen

In Budapests Thermen gibt es Partys im Pool und Bier im Zuber, um jüngere Gäste zu gewinnen. Dabei sind die historischen Bäder für sich schon eine Schau.   Von Monika Maier-Albang