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Schweiz:Der Schlitten ist kaum zu bändigen

Bleibt nur die verkürzte Variante. Kaiser stapft vom Berggasthaus First steil am Rand der Skipiste bergauf und biegt dann auf den gewalzten Weg links ab. Man fühlt sich leicht deplatziert im Gegenverkehr der Skifahrer, zumal aus Adi's Bar schon am Vormittag die Après-Ski-Bässe stampfen. Aber nach ein paar Minuten ist der Skizirkus passé, man geht allein mit Blick auf weiße Bergflanken und Felszacken über dem Wolkenmeer. Unterhalb des Bachalpsees endet an diesem Tag der planierte Weg. Doch oben auf dem Kamm des Faulhorns sieht man ameisenhafte Gestalten, kurz keimt Hoffnung auf. "Das sind alles Skitourengeher", erklärt Kaiser. "Den Schlitten durch den tiefen Schnee dort hinaufzuziehen, wäre extrem mühsam."

Anfang des 20. Jahrhunderts, in der Zeit vor den Liften, stiegen Skifahrer regelmäßig zum Faulhorn hinauf. Eine Schlittenbahn über die Bussalp ins Tal gab es auch schon, markiert mit "Steinmannli". Gewalzt war sie freilich noch nicht, nur niedergetreten von den vielen Gästen und den Haflingern, mit denen der Pintenfritz Vorräte in sein Berghotel schaffte.

Rodeln

Zwischendurch kann man in der Bussalp einkehren.

(Foto: Florian Sanktjohanser)

Als die Lifte auf anderen Bergen anliefen, blieben die Skifahrer am Faulhorn aus. Es lohnte sich nicht mehr, das Hotel im Winter zu öffnen. Jahrzehntelang wurde die Schlittenbahn nicht präpariert. Bis die Firstbahn vor rund 30 Jahren wieder den Wanderweg zum Faulhorn walzte.

Sandra Kaiser setzt sich auf den Schlitten, um auf einem abzweigenden Weg hinüber zur Bussalp zu queren. "Mit den beiden Seilen vorne kannst du lenken", ruft sie. Klingt simpel. Doch anfangs ist der Schlitten kaum zu bändigen, schert nach rechts aus, zieht nach links. Und als man in einer scharfen Kurve das innere Bein in den Schnee stemmt, übersteuert er, und beide Hörner graben sich in die weiße Seitenwand. Es dauert, aber langsam tastet man sich in die Technik: Beine ausstrecken, zurücklehnen und mit sanftem Sohleneinsatz die Richtung korrigieren. So geht es, teils rodelnd, teils zu Fuß, zwischen dick verschneiten Fichten hinüber zum Restaurant Rasthysi und zur Straße.

Von hier ist es nur noch ein kurzer Anstieg zur Bussalp, die so etwas wie die Mittelstation des Big Pintenfritz ist. Zwischen den vielen Hütten ist ein Gewusel wie auf der Kirmes. Eltern ziehen ihre Kinder auf Schlitten umher, Gruppen von Freunden stürzen sich jauchzend die Schlittelbahn hinab - manche auf einem Velogemel, einer Art Fahrradschlitten, die nur in Grindelwald gebaut wird.

Vor dem Gasthaus stecken die Schlitten in langen Reihen im Schnee, im Wintergarten spielen Männer unter Heizpilzen Karten, in der Stube riecht es nach dem Käse vieler Fonduetöpfe. "Früher gab es auch einen Speed-Run", erzählt Kaiser. Er begann gleich unterhalb der Terrasse und führte schnurstracks bergab, durch Wald und über Hügelchen. Auf Dauer wurde das Präparieren mit dem Schneemobil allerdings zu aufwendig. Für mäßig erfahrene Rodler ist die Normalroute ohnehin abenteuerlich genug. Vor allem, wenn gerade fünf Busse voller Ausflügler ankommen, die gleichzeitig starten. Nun gilt es auch noch auszuweichen. Und regelmäßig die Sohlen in den Schnee zu pressen, um scharf zu bremsen. Langsam gelingen, mit Handschuheinsatz und Reißen am Seil, sogar scharfe Kurven, vor hellblau leuchtenden Bergen und orange-grauen Wolken. Man kommt in fast hessehafte Stimmung.

Doch als der Schlitten unten an der Weidlibar ausläuft, schmerzen Oberschenkel, Bauch und Rücken. Und es ist undenkbar, alles wieder hochzusteigen. Schon gar nicht übernächtigt und betrunken.

Beim Faulhorn Classic, in diesem Jahr am 25. Februar, stürzen sich die Teilnehmer auf Rennrodeln den Big Pintenfritz hinunter. Noch steiler ist der 3,5 Kilometer lange Eiger Run von Alpiglen nach Brandegg. Donnerstags bis samstags kann man ihn auch unter Flutlicht rodeln. Wer den Aufstieg zum Faulhorn scheut, kann das Postauto zur Bussalp nehmen. Der Bus startet stündlich am Bahnhof. Weitere Auskünfte: Grindelwald Tourismus, Telefon: 0041/33 854 12 12, www.grindelwald.swiss

© SZ vom 07.02.2019/edi
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