Schlitten fahren Wo die Gewinner rodeln

Im Gebiet der Seiser Alm, die rund 20 Kilometer nordöstlich von Bozen liegt, gibt es elf Rodelstrecken - mit Aussicht auf die Dolomiten.

(Foto: imago/Südtirolfoto)

Schnelle Schlittenabfahrten für Jedermann rund um Berchtesgaden, im Stubaital und in Südtirol: Sechs Weltmeister und Olympiasieger stellen ihre liebsten Strecken vor.

Oberbayerisches Postkartenidyll

Natalie Geisenberger, 31, aus Miesbach, ist zweifache Olympiasiegerin und vierfache Weltmeisterin im Einzel: "Meine Hausstrecke? Logisch, der Wallberg, mit mehr als sechs Kilometern eine der längsten Rodelbahnen in ganz Deutschland und für mich auch die allerschönste. Die ersten Jahre meines Lebens habe ich ja als Kind in München gelebt, schon damals bin ich mit meinen Eltern immer wieder dorthin, und natürlich auch, als wir dann rauszogen nach Miesbach. Vor einigen Jahren waren wir auch mit der ganzen Nationalmannschaft dort, war ein Mordsspaß. Start ist oben gleich neben der Bergstation der Kabinenbahn, die erste Hälfte geht es teilweise schon recht steil dahin, unten raus wird es dann etwas flacher. Insgesamt eine doch recht sportliche Strecke, die man auf keinen Fall unterschätzen sollte. Absoluter Hammer ist natürlich das Gipfelpanorama. Das flache Plateau, am Ende das Wallbergkircherl, dahinter die Breitseite der Alpen, der Wahnsinn. Oberbayerisches Postkartenidyll. Deswegen rate ich auch zur Einkehr ins Panoramarestaurant. Ob draußen auf der Terrasse oder drinnen mit der 270-Grad-Glasfassade, den Blick kann man ewig genießen."

Natalie Geisenberger.

(Foto: imago/Future Image)

Windbeutel mit Ausblick

Felix Loch, 29, aus Berchtesgaden ist zweifacher Olympiasieger und sechsfacher Weltmeister im Einsitzer: "Sehr zu empfehlen ist die Strecke am Obersalzberg, da sind wir als Kinder schon gern runtergesaust, und da fahre ich auch heute noch gern mit alten Freunden. Wer's sportlich mag, geht zu Fuß hoch, ansonsten nimmt man die Obersalzbergbahn oder gleich die Buslinie 838 bis zur Haltestelle Rodelbahn. Da ist dann auch der Start. Die meiste Zeit führt die Strecke durch den Wald. An manchen Stellen geht es recht eng um die Kurve, ansonsten ist es vom Gelände und auch vom Gefälle nicht allzu anspruchsvoll. Ein bisserl Kondition sollte man aber mitbringen, es sind doch fast fünf Kilometer und rund 500 Höhenmeter. Zur Einkehr kann ich jedem nur den Windbeutelbaron empfehlen. Direkt am Hang mit einem gewaltigen Ausblick."

Felix Loch.

(Foto: Tobias Hase/picture alliance)

Bahn frei für Kinder

Markus Prock, 54, aus Mieders in Tirol ist zweifacher Weltmeister und zehnfacher Gesamt-Weltcupsieger im Einsitzer: "Wer ins schöne Stubaital kommt, sollte auf keinen Fall die mehr als sechs Kilometer lange Rodelbahn in meinem Heimatort Mieders verpassen. Ein Muss für alle Winterurlauber, direkt unterhalb der Serles, diesem markanten Berggipfel. Ich bin hier oft gefahren. Am bequemsten ist die Auffahrt mit der Bahn zum Koppeneck auf 1600 Meter, dadurch erspart man sich den 90-minütigen Aufstieg zu Fuß. Die Piste selbst ist ganz problemlos zu meistern und darum auch für Kinder absolut geeignet. Übrigens ist die Bahn dank Flutlicht auch bei Dunkelheit befahrbar. Zur Einkehr nahe der Bergstation in die kleine Ochsenhütte oder ins Panoramarestaurant Koppeneck mit allen Köstlichkeiten, die man sich wünscht: vom Wiener Schnitzel über die Speckknödel bis zum Kaiserschmarrn. Ein Traum."

Markus Prock.

(Foto: imago/Eibner Europa)

Was fürs Herz

Georg Hackl, 52, aus Berchtesgaden, ist dreifacher Olympiasieger und dreifacher Weltmeister im Einzel: "Bei uns gibt's viele schöne Strecken, zwei kann ich aber besonders empfehlen. Wer einen langen Anstieg nicht scheut, geht von der Wimbachbrücke knapp 800 Höhenmeter hoch zur Kührointalm, direkt unterhalb vom Watzmann. Zweieinhalb Stunden Aufstieg sollte man da schon einplanen. Dafür hat man hier wirklich seine Ruhe und wird mit einer mehr als sieben Kilometer langen Abfahrt mit grandioser Aussicht belohnt. Leichter zu erreichen und auch deutlich kürzer ist die Rodelbahn am Spinnerwinklweg. Parkmöglichkeiten gibt es direkt an der Scharitzkehlstraße, von da geht es dann gleich los, etwa anderthalb Kilometer ohne größere Schwierigkeiten. Am Rand der Rodelbahn spaziert man dann wieder nach oben. Zum Einkehren bietet sich das Gasthaus Vorderbrand an, feines bayerisches Essen, warme Gerichte, zünftige Brotzeiten, dazu ein sagenhafter Bergblick. Herz, was willst du mehr."

Georg Hackl.

(Foto: imago/Eibner)

Knödel bei Vollmond

Armin Zöggeler, 45, aus Völlan in Südtirol ist zweifacher Olympiasieger und sechsfacher Weltmeister im Einsitzer: "Ein Paradies für alle Rodler ist die Seiser Alm, mit elf herrlichen Rodelstrecken und einer Gesamtlänge von 23 Kilometern. Als Kind war ich mit meinen Eltern oft da oben, auch jetzt fahre ich mit meiner Familie und den Kindern gerne auf die Alm. Eine der allerschönsten und mit knapp drei Kilometern auch eine der längsten ist die Rodelbahn vom Berggasthof Zallinger aus. Startpunkt für den Aufstieg ist das Hotel Tirler, in einer Stunde ist man oben. Wer nicht gehen mag, der kann sich von der Schneekatze komfortabel hochbringen lassen. Die Schlittenstrecke ist immer bestens präpariert, spektakulär ist eine Abfahrt im Licht des Vollmonds. Nicht entgehen lassen sollte man sich im Zallinger die hausgemachten Knödel in den verschiedensten Varianten."

Armin Zöggeler.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Kurven vor der Haustür

Alexander Resch, 39, stammt aus Berchtesgaden und war 2002 Olympiasieger und überdies vierfacher Weltmeister mit Patric Leitner im Doppelsitzer: "Für mich gibt es nur einen Favoriten, und das ist die Strecke am Mäuslgraben in Oberau direkt an der wunderbaren Rossfeld-Panoramastraße. Eine wunderschöne Gegend, in der ich als Bub aufgewachsen bin und auch heute noch wohne. Die Strecke ist etwa zweieinhalb Kilometer lang und ohne große Schwierigkeiten. Der 45-minütige Aufstieg beginnt in Oberau selbst, entlang der Rodelbahn, man folgt einfach den Schildern Richtung Gmerk. Im oberen Teil hat es einige engere Kurven, danach geht's recht gemütlich und mit einem phänomenalen Ausblick runter. Eine Strecke, die man samt Aufstieg auch gut und gern zweimal oder dreimal hintereinander bewältigen kann. Weil man sich spätestens dann eine Stärkung verdient hat, empfehle ich danach einen Abstecher ins Restaurant Neuhäusl in Wildmoos in Oberau. Der richtige Ort, um sich wieder aufzuwärmen und Energie zu tanken. Vielleicht für noch eine Fahrt im Anschluss."

Alexander Resch.

(Foto: Marc Müller/dpa)
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