Rheinland-Pfalz:"Fort Knox" an der Mosel

Der Bundesbank glaubte man. Und doch gab es Gerüchte. Sie könnte ja Gold in dieser Bunkeranlage lagern, erzählte man sich damals an der Mosel, nachdem 1965 die ersten Laster unter Polizeischutz angerollt waren. "Fort Knox", nannte manch einer die Anlage, in Anspielung auf das weltweit größte Golddepot in Kentucky. Ein knappes Vierteljahrhundert später war Schluss, und mit der Geheimhaltung war es bald darauf vorbei: Bundesbank-Mitarbeiter zählten den Bestand noch vor Ort, Lastwagen transportierten den Schatz nach Frankfurt. Dort ließ man ihn unter Aufsicht schreddern. Die Bundesbank gab Schulungsheim und Bunkeranlage auf.

Obwohl damals ein Bericht in der Rhein-Zeitung die wahre Funktion der Anlage enthüllte, sprach sich im Ort nicht herum, welchen Teil der deutschen Geschichte Cochem beherbergt hatte. Das wurde erst allen klar, als die Volksbank Cochem im Jahr 1994 die Anlage kaufte, Schließfächer in einen Tresorraum einbauen ließ und bis 2008 in den Tarnhäusern Büros unterhielt.

In den Jahren vor dem Aus hatte sich der Notfallplan der Bundesbank längst überholt. Die Geldscheine ähnelten in der Gestaltung jenen der ersten Banknotenserie der Bundesbank, sie galten nicht mehr als fälschungssicher, in den Achtzigerjahren war längst die neue Geldscheinserie in Arbeit. Die Geldmenge und damit der Bedarf an Bargeld waren so gestiegen, dass man sehr viele neue Banknoten der "BBk II" gebraucht hätte, etwa 40 Milliarden Mark zusätzlich. Weil das als kaum machbar galt, fiel schon 1981 der Beschluss, die Reservewährung nicht mehr nachzudrucken.

Heute gibt es wieder neue Scheine, man kann sie sogar kaufen, als Andenken. Es dauerte lange, bis das möglich war. Und ohne Petra und Manfred Reuter wäre der Bunker womöglich heute noch in dem Zustand, den sie im Herbst 2014 vorgefunden hatten. Damals kauften die beiden das Areal, es stand längst unter Denkmalschutz, aber der Bunker verfiel zusehends. Einen Zentimeter hoch habe das Wasser damals im Zugangsstollen gestanden, sagt Petra Reuter, Türen und Anlagen verrosteten, "alles war am Verschimmeln". 15 Monate renovierten sie den Stollen, gemeinsam mit einem Bunkerexperten, im März 2016 ließen sie die ersten Gäste herein. Alles ohne öffentliche Gelder oder Spenden.

Bislang kamen jedes Jahr mehr Gäste, im vergangenen Jahr waren es 27 000. Fast alle bringt der Shuttlebus - die Reuters sind ursprünglich Busunternehmer und wussten gleich dem Problem zu begegnen, dass es oben im Wohngebiet keine Parkplätze gibt. Mit der Eröffnung des Bunkers sind sie auch Hoteliers geworden: In den ebenfalls denkmalgeschützten Tarnhäusern, die jahrzehntelang als Schulungsheim dienten und von außen den angestaubten Charme der Sechzigerjahre ausstrahlen, haben sie 17 moderne Zimmer eingerichtet. Echtholzparkett, Hochglanzmöbel, Boxspringbetten, dreieinhalb Sterne, gelebte Geschichte. Den Bewertungen auf einschlägigen Hotelportalen nach zu urteilen, macht es ziemlich viel Freude, an der Gedenkstätte zu übernachten.

So wie es offensichtlich Freude macht, diesen Ort weiterzuentwickeln. Eine Lebensaufgabe sei das, sagt Petra Reuter, mit der man nie wirklich fertig werde. Nicht zuletzt, weil der Bunker sie ständig auf neue Ideen bringt - und weil es noch einiges mehr zu erzählen gibt: Ein paar Akten von damals sind in der Bundesbank wahrscheinlich noch unter Verschluss.

Reiseinformationen

Gedenkstätte Bundesbank-Bunker: Täglich geöffnet von April bis Oktober. Offene Führungen zwischen 11 und 15 Uhr zu jeder vollen Stunde. Führungen für Gruppen ab 12 Personen nach vorheriger Anmeldung. Eintritt: Erwachsene 10 Euro, Familien mit bis zu fünf Kinder pauschal 23 Euro.

Anreise nur mit dem Shuttlebus aus Cochem (Endertplatz), 02671/9153540, bundesbank-bunker.de

Übernachten: Hotel Vintage: Pro Nacht inkl. Frühstück im DZ ab 85 Euro, hotel-vintage.de

© SZ vom 01.08.2019/edi
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