Reiseziele Im Konflikt mit den eigenen Nachbarn

Bekanntlich suchen alle Touristen Orte ohne Touristen, so Oskam: "Hotels können da deshalb niemals mithalten - denn wer in ein Hotel geht, ist per Definition ein Tourist. Aber das bedeutet doch nicht, dass Airbnb-Nutzer keine Massentouristen sind."

Noch extremer stand es einmal im Magazin Vice mit Blick auf New York: "Wenn man es wirtschaftlich betrachtet, ruiniert Airbnb dein Leben. Oder zumindest deine Chancen, dauerhaft in der Stadt zu leben." Airbnb bestreitet dagegen negative Effekte und weist regelmäßig darauf hin, dass die Vermietung von Privatwohnungen über das Portal vielen Stadtbewohnern dringend benötigte Einnahmen verschafft.

Tourismus Wie viel können Sehnsuchtsorte aushalten?
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Wie viel können Sehnsuchtsorte aushalten?

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"Ciutat per a qui l'habita" beklagt dagegen das Vorgehen von Spekulanten und Investoren. In kleinem Maßstab genutzt, biete die "Sharing Economy" durchaus mögliche Vorteile für die Einwohner, nicht jedoch in dem großen Stil, wie sie vielerorts von Unternehmen betrieben und zweckentfremdet werde. Man wende sich deshalb nicht gegen einzelne Reisende oder Eigentümer von Ferienwohnungen, sondern gegen die Entwicklungen, die dahinterstünden.

"Der Anteil der Spekulation variiert zwischen den Städten je nach der örtlichen Kontrolle", ist Oskams Beobachtung. "Sowohl Hotels wie auch Airbnb tragen zur Überlastung von Städten bei", sagt er. Der Unterschied sei jedoch, "dass Städte Hotels bis zu einem gewissen Punkt regulieren können, bei Vermietungen wie über Airbnb ist das noch nicht gelungen".

Genau diese Beschränkungen aber fordern Bürger in Städten weltweit; in New York, Amsterdam, Barcelona und Berlin mit ersten Ergebnissen. Sie befinden sich dabei aber teils in Konflikt mit den eigenen Nachbarn, denn die Kosten-Nutzen-Rechnung fällt durchaus verschieden aus. Der Schrecken der einen ist der Lebensunterhalt der anderen, auch was Souvenirshops und Touristenkneipen betrifft. "Es gibt eben auch die, die ihre Augen verschließen vor dem Verfall, weil man an dieser Art Tourismus viel verdienen kann", so die Venezianerin Crepaldi.

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Auf den Balearen läuft mittlerweile eine offizielle Kampagne für nachhaltigen Tourismus, doch das geht vielen nicht weit genug. Aktivisten wie Pere Perelló fordern, dass nicht nur die Vermietung von Ferienwohnungen in Mehrfamilienhäusern verboten bleibt, sondern überhaupt keine neuen Hotels oder andere Unterbringungen in Palma mehr entstehen dürfen. Ein ähnliches Moratorium wurde unter Bürgermeisterin Ada Colau in Barcelona bereits durchgesetzt. Venedig debattiert indes immer wieder über Maßnahmen wie Rollkofferverbote. Ende April wurde angekündigt, Personenzähler zum Beispiel an einzelnen Brücken einzusetzen. Wie dies genau ablaufen soll und mit welchen Konsequenzen, blieb zunächst jedoch unklar.

Verbote, ja oder nein?

Ein Problem ist die Lebensqualität, die unter zu viel Tourismus leidet, andere sind der Denkmal- und Naturschutz. Und die Grenzen sind fließend. Viele Orte auf der Welt haben Kontingente und Einschränkungen eingeführt, mit genau definierten Obergrenzen pro Tag oder eine Saison. Manchmal werden Menschen gezählt, manchmal Autos. Zum Beispiel am markanten Berg Half Dome im US-Nationalpark Yosemite, in den Habitaten der Berggorillas in Ruanda oder in der Ruinenstadt Machu Picchu in Peru, wo künftig nur noch vormittags und nachmittags 3600 beziehungsweise 2700 Menschen an Touren teilnehmen dürfen. Norwegen will bald einige Fjorde für veraltete, besonders umweltschädliche Kreuzfahrtschiffe sperren lassen. In Island fällt ein für Juli geplantes Festival der Band The XX kurzfristig aus, nachdem die Location am Wasserfall Skógafoss auf eine Naturschutzliste gesetzt wurde.

Der Spagat zwischen Profit und Nachhaltigkeit fällt aber vielerorts schwer. Aus Thailand war zuletzt von einem Hin und Her auf der Insel Ko Phi Phi zu hören. Die Maya Bay dort ist seit dem Film "The Beach" extrem begehrt und leidet vor allem unter den Hunderten stinkenden Ausflugsbooten, die die Bucht täglich ansteuern. Experten fordern eine lange Schließung für Besucher, damit sich die Korallen erholen können - diese wurde nun einmal mehr verschoben.

Geldmacherei auf Kosten von Natur und Einheimischen bleibt also das große Thema. Und das Totschlagargument mit den Arbeitsplätzen, die gerade in Spanien dringend gebraucht werden - dort wird der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt auf 16 Prozent geschätzt? Die Aktivisten von Palma prangern an, dass auch da viel im Argen liegt. Viele Jobs seien prekär, weil viele Mitarbeiter in der Nebensaison entlassen würden oder Putzfrauen für schlechten Lohn in immer weniger Zeit immer mehr Zimmer machen müssten: "Wenn der Tourismus schon so wichtig ist, dann soll er doch wenigstens ein gutes Leben ermöglichen, oder?"

Touristenmassen und die Folgen

Es gibt Urlaubsorte, die von ihrer eigenen Beliebtheit geradezu überrollt werden. Reportagen und Geschichten über das, was dann passiert:

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