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Reisetipp für 2020: Nightjet nach Hamburg:Entspannt zu den Möwen

Für Kinder ist die Reise mit dem Nachtzug ein Erlebnis.

(Foto: Stephan Rumpf)

Tipp für einen Urlaub ohne Flug: Im Nachtzug kommt man ausgeruht von München nach Hamburg.

Wer einmal quer durch Deutschland will, tut gut daran, sich in österreichische Hände zu begeben. Beziehungsweise in ungarische. Nachdem die Deutsche Bahn in ihrem Bestreben, von einem Dienstleister an der Allgemeinheit zu einer privatisierungswütigen Aktiengesellschaft zu mutieren, ihr Nachtzug-Angebot längst aufgegeben hat, genießt Österreichs Bahn (ÖBB) nun nächtens freie Fahrt auf dem deutschen Schienennetz. An Bord sind häufig charmante, erfreulich altmodisch livrierte ungarische Schaffner, die behände Liegen auf- und wieder zuklappen, bei Bedarf mit einem Fläschchen Wein zur Hand sind und überhaupt Behaglichkeit verbreiten.

Nichts pressiert, die Reisenden haben die ganze Nacht vor sich. Ohnehin kehrt schnell Ruhe ein, es ist spät, nicht nur die Kinder an Bord des Nightjet sind müde. Die Lichter Münchens ziehen an den Waggonfenstern vorbei, der Zug hält noch in Augsburg, Nürnberg und Würzburg, davon kriegt man aber nichts mehr mit in seinem separaten (und bei rechtzeitiger Buchung sehr erschwinglichen) Familienabteil.

Klar, nichts kann das eigene Bett ersetzen. Und doch kommt man gegen neun Uhr recht entspannt an in Hamburg. Entspannter jedenfalls als nach einer 800 Kilometer langen Autofahrt. Das Kind hat geschlafen statt gequengelt. Die Koffer lassen sich für kleines Geld vorausschicken. Und wieder drängt nichts zur Eile. In zwei, drei Stunden ist man an Nord- oder Ostsee, also am Urlaubsziel. Erst einmal frühstücken, dann den Mietwagen abholen oder eine Regionalbahn nehmen. Oder man bleibt noch für einen oder zwei Tage in der Hansestadt, verknüpft den Strand- mit einem Städteurlaub.

Besonders hübsch ist es in Angeln an der Flensburger Förde. Es gibt etliche Ferienhäuser, aber keine Anlagen und großen Hotels. Urlauber sind in der Minderzahl, sie mischen sich unter die Einheimischen. Etwa in einem Strandkorb auf der geräumigen Dachterrasse des Fährhauses in Langballigau. Von dort blickt man über den kleinen Segelhafen hinweg in den Sonnenuntergang, bei einem Aperol Spritz oder Pils, wartet auf sein Fischgericht. Es ist viel los, doch man findet einen Platz. Sommers ist es lange hell. Möwen kreischen, letzte Boote kehren zurück. Glücksburg mit dem Wasserschloss, das unterschätzte Flensburg, das quirlige Kappeln: alles in der Nähe, auch mit dem Bus gut zu erreichen. Erst einmal bringt einen aber nichts weg von hier. (www.nightjet.com; www.langballig.de)

© SZ vom 16.01.2020/ihe
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