Süddeutsche Zeitung

Reiseziel für 2020: Belgien:Die Trasse der Soldaten

Tipp für einen Urlaub ohne Flug: auf dem Vennbahnradweg durch die Ardennen.

Es muss unmenschlich gewesen sein, in den Tagen kurz vor Weihnachten 1944. Der Schnee lag hüfthoch, gekämpft wurde zum Teil Mann gegen Mann. Als Nazi-Deutschland zur letzten großen Offensive des Krieges ansetzte, hatten Hitlers Armeegeneräle noch einmal alles aufgeboten, auch wenn das Ansinnen, die Alliierten zurückzuwerfen, von Anfang an aussichtslos war. Die Ardennenoffensive der Deutschen - sie endete in einem großen Gemetzel.

Heute erinnern überall in den kleinen Dörfern nahe der deutsch-belgischen Grenze Denkmäler an die Schlacht. Kaum ein Ortskern, an dem nicht blumengeschmückte Ehrenmale aus Stein den Gefallenen gewidmet sind, hin und wieder steht irgendwo neben einer Kirche auch ein alter Sherman-Panzer, ebenfalls in der Regel von Blumen umkränzt. Die Gegend ist nach wie vor geprägt von den Tagen des Krieges. Man kann sich berühren lassen von der Geschichte des Ortes - und hier zugleich auch anderes erleben.

Sportliche Herausforderungen zum Beispiel, wenn man die Region mit dem Fahrrad erkunden möchte. Dazu bietet sich der 125 Kilometer lange Vennbahnradweg an, der sich von Aachen über das belgische Städtchen St. Vith bis nach Troisvierges (Ulflingen) in Luxemburg zieht, einmal quer durch das Dreiländereck. Errichtet wurde die Eisenbahnstrecke einst, um Kohle, Stahl und Arbeitskräfte zu transportieren, später wurden auch über diese Trasse Soldaten und Waffen in den Kampf geschickt. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel die von Preußen errichtete Bahntrasse an Belgien, später zurück an Deutschland, ein ewiges Hin und Her. Schmuggler profitierten bis in die Sechzigerjahre hinein von der verwinkelten Grenzziehung sowie der zerklüfteten, für Zöllner eher unübersichtlichen Landschaft.

Von alldem berichten Infotafeln entlang des Radwegs, der nach dem Abbau der Gleise in den Achtzigerjahren auf dem Bahndamm errichtet wurde. Auf dem rollt man dank relativ moderater Steigungen locker dahin. Wer sich aber von den Hinweisschildern und Wegweisern zu einem Abstecher in die Ortschaften abseits der Strecke hinreißen lässt, sollte Schmackes in den Beinen haben: Die Anstiege in der hügeligen Grenzregion können knackig sein (www.vennbahn.eu).

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Quelle:
SZ vom 16.01.2020/ihe
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