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Urlaub im Coronasommer:Vorsichtig reisen - auch ohne Warnung

Strand von Arenal: Mallorca als Risikogebiet wegen hoher Corona-Zahlen

Abstand, Desinfizieren und ja nicht die Liegen verrücken: Regeln für den Strand von Arenal auf Mallorca. Auch für die Balearen gilt gerade eine Reisewarnung.

(Foto: dpa)

Es ist gut, dass die Bundesregierung gegen die Interessen von Urlaubsländern und -konzernen von Reisen abrät, wenn die Infektionszahlen steigen. Das entlässt Touristen nicht aus ihrer Verantwortung.

Kommentar von Monika Maier-Albang

Man hatte das ja schon einmal, im Juni: Da musste an Österreichs Grenze eine Selbsterklärung ausfüllen, wer von Italien aus kommend nach Deutschland wollte. Durchreise erlaubt, jemanden treffen in Österreich: keinesfalls. Und momentan? Sind die Österreicher zwar in Teilen lax, was die Maskenpflicht im eigenen Land anbelangt, an Tankstellen und in Restaurants in Tirol beispielsweise wird kein Mundschutz aufgesetzt. Aber an ihren Grenzen sind die Nachbarn hellwach. Für Kroatien, wo die Fallzahlen gerade steigen, hat Österreich von Montag an wieder eine Reisewarnung ausgesprochen.

Und wie soll Deutschland umgehen mit seinen Grenzen und Heimkehrern, die möglicherweise das Virus mitbringen - aus ihrem Urlaub, vor allem wohl aber von Verwandtenbesuchen in Bulgarien, Rumänien, dem Kosovo oder der Türkei? Die Grenzen wieder dichtmachen? Auf keinen Fall.

Es wäre schlecht für die Wirtschaft, wenn sich wieder Gütertransporte stauten, wenn die zurückerlangte Teil-Normalität zurückgeschraubt würde. Verheerend wäre eine neuerliche Grenzschließung aber vor allem für den Zusammenhalt Europas und seiner Bürger. Man hat das im Elsass gesehen: Angst und Anfeindung drohten an der so abrupt geschlossenen deutsch-französischen Grenze zu zerstören, was jahrzehntelange Partnerschaftsarbeit aufgebaut hatte.

Man muss eine umsichtige Lösung finden. Aber: Man muss auch klare Zeichen setzen in Richtung jener Länder, in denen die Infektionszahlen steigen. Mit der Reisewarnung, die eben warnt, gleichzeitig aber auf Eigenverantwortung setzt, hat die Bundesregierung ein ausreichendes Instrumentarium zur Hand. Und es ist gut, wenn sie es wie jetzt, im Falle Spaniens, auch gegen die Einwände der betroffenen Regierung und die Interessen mächtiger Tourismuskonzerne tut.

Stark kann eine Regierung aber nur dann sein, wenn ihr Handeln von den Bürgern mitgetragen wird. Deshalb ist - nach wie vor - die Achtsamkeit jedes einzelnen gefragt. Urlaub ist von seinem Wesen her mit Entspannung verbunden, mit Abwechslung vom Alltag. Aber Nachlässigkeit beim Abstandhalten und beim Tragen des Mundschutzes darf es momentan nicht geben, nicht in München, nicht auf Mallorca.

Und schon gar keinen ungehemmten Partyurlaub; unter ausgelassener Urlaubsstimmung zu verstehen, sich einfach nur zu betrinken, war schon immer ungehörig den Einheimischen gegenüber; heutzutage ist es gefährlich - für einen selbst, für die Daheimgebliebenen, für die Gastgeber.

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Italien hat das verstanden. Dort wird gerade das Nachtleben wieder eingeschränkt, auf belebten Plätzen wird nachts eine Maskenpflicht eingeführt. Es ist dort eine Notmaßnahme, wo Bürger sich in einer trügerischen Sicherheit wähnen. Am Ende macht sie das Land sicherer für die eigenen Bürger - und für Urlauber. Das Reisen soll ja weitergehen.

Aber es wird nur weitergehen können, wenn die Reisenden sich umsichtig verhalten: sich testen lassen vor dem Flug, nach der Rückkehr, Abstand halten im Urlaub wie auch daheim. Und nicht im Flieger oder in der Bahn sofort und sooft es geht auf den Mundschutz verzichten, weil man ja nochmal was trinken und essen muss, weil das Ding ja so lästig ist. Ein solches Verhalten ist unsozial.

© SZ/kaeb
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