Afrika: São Tomé und Príncipe, Inseln für Entdecker

Es wäre eine geeignete Quizfrage - und bei "Wer wird Millionär?" vielleicht 500 000 Euro wert: Wie heißt das zweitkleinste Land Afrikas? Die richtige Antwort kennen wenige, dort gewesen sind noch weniger: Die Inseln São Tomé (einsam) und Príncipe (noch einsamer) liegen etwa 200 Kilometer vor der Westküste Gabuns am Äquator.

Wer Kuba zu überlaufen findet, aber dem morbiden Charme bröckelnder Kolonialbauten verfallen ist, hat mit den Vulkaninseln ein neues Ziel - vorausgesetzt, er ist entdeckungsfreudig und ein wenig abenteuerlustig. Denn die ehemalige portugiesische Kolonie ist weder mit Reichtum noch mit allzu üppiger touristischer Infrastruktur gesegnet. Noch. Unter dem Inselreich sollen gewaltige Ölschätze darauf warten, gehoben zu werden. Bis dahin schlägt sich die Bevölkerung entlang der Armutsgrenze durch.

Während Europäer aus dem Dschungelparadies mit Kakao- und Kaffeeplantagen und weißen Sandstränden gar nicht mehr weg wollen, haben die Jugendlichen hier einen anderen Traum: als Profi-Surfer der Armut entkommen. Geld für die Renovierung der Kolonialvillen haben die wenigsten, manche der überwucherten Häuser scheinen von Pflanzenwurzeln regelrecht in den Dschungel gezogen zu werden. Bewunderer dieser verwunschenen Atmosphäre müssen kein schlechtes Gewissen haben: Touristen tragen zu fast zwei Dritteln des Landeseinkommens bei. Da kann man sich beruhigt eine Luxusschokolade von der Insel gönnen.

Beste Reisezeit: Warm bis heiß ist es am Äquator das ganze Jahr über. Die beste Reisezeit ist in den etwas trockeneren und kühleren Monaten zwischen Juni und August; dann beträgt die Durchschnittstemperatur 27 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit "nur" etwa 70 Prozent.

Nicht verpassen: Die 18 Kilometer lange und zehn Kilometer breite Insel Príncipe wird von den wenigsten Touristen aufgesucht - trotz des traumhaften Strandes Praia Banana, an dem schon ein Werbespot für Rum gedreht wurde.

Katja Schnitzler

Bild: imago/robertharding 4. Januar 2017, 19:012017-01-04 19:01:13 © SZ vom 05.01.2017/kaeb