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Reiserecht bei Umbuchungen:Darf die Reederei die Route einer Kreuzfahrt einfach ändern?

Wenn das Kreuzfahrtschiff eine andere Route einschlägt und die Passagiere die Häfen, die sie eigentlich besichtigen wollten, nur weit entfernt am Horizont sehen, stehen die Aussichten auf eine Entschädigung gut. Denn dann ist eine vertraglich zugesicherte Leistung nicht erbracht worden - und das ist ein Reisemangel. Das Amtsgericht München beispielsweise gestand einem Urlauberpaar eine Erstattung von 30 Prozent des Reisepreises zu, weil das Kreuzfahrtschiff nicht wie gebucht im Schwarzen Meer, sondern im Mittelmeer unterwegs war. Dadurch habe sich der "Gesamtcharakter der Kreuzfahrt" wesentlich geändert. Dass die Route wegen der politischen Situation an den ursprünglichen Zielorten geändert wurde, spielte keine Rolle (Az. 275 C 27977/14).

Können die Urlauber die Kreuzfahrt dann auch ganz absagen?

Dafür muss ein "erheblicher" Reisemangel vorliegen - bei einer Abweichung vom geplanten Kurs ist das nicht automatisch der Fall. So entschied das Landgericht Frankfurt, dass ein Kläger, dessen Expeditionskreuzfahrt durch das Nordmeer nicht der gebuchten Route folgte, zwar den Reisepreis mindern, nicht jedoch von der Reise zurücktreten dürfe. Denn die Kreuzfahrt habe ja stattgefunden und Flora und Fauna der angefahrenen "Ersatz-Inseln" habe durchaus den ursprünglich geplanten Zielen entsprochen - auch wenn der Reisende nicht, wie erhofft, Eisbären und Walrosse zu Gesicht bekam (Az.: 2-24 O 298/15).

Anders sieht es aus, wenn die Reise komplett abgesagt wird, etwa weil das Schiff anderweitig verchartert wurde. Der Kunde muss dann nicht in eine Umbuchung einwilligen, sondern erhält den schon gezahlten Reisepreis zurück, außerdem kann er Schadenersatz fordern, weil er auf Urlaubsfreuden verzichten musste.

Das gebuchte Hotel am Strand ist voll. Der Reiseveranstalter bietet eine andere Unterkunft an und verspricht gleichwertigen Standard. Müssen Reisende das andere Quartier akzeptieren?

Ist die Ersatzunterkunft tatsächlich genauso gut wie das ursprünglich gebuchte Hotel? Dann stehen die Chancen auf Ausgleichzahlungen eher schlecht. Laut Kemptener Reisemängeltabelle gilt das in der Regel als Unannehmlichkeit, mit der sich Urlauber arrangieren müssen. Nur wenige Gerichte gestatteten bislang eine Preisminderung von fünf bis zehn Prozent.

Landen Urlauber dagegen statt in der Fünf-Sterne-Anlage in einer Drei-Sterne-Pension, lohnen sich Widerspruch und der Gang vor ein Gericht. Das Landgericht Frankfurt am Main hielt in einem solchen Fall eine Preisminderung von 45 Prozent für gerechtfertigt. Eine Urlauberin hatte geklagt, weil das Ersatzhotel nicht den direkten Strandzugang des ursprünglich gebuchten Hotels bieten konnte. Auch Animation und Sportprogramm fielen flach (Az. 2-24 S 139/07).

Bei wem können sich Kunden beschweren?

Kein Reiseveranstalter, keine Airline zahlt dem Kunden gern Geld zurück. Wer Mängel geltend machen will, sollte schnell reagieren, Beweise sammeln - und sich auf Widerstand einstellen. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) setzt eine Frist von einem Monat ab Ende der Reise, um Ansprüche anzumelden. Reisende sollten sich möglichst umgehend beschweren, dem Veranstalter oder Reiseleiter mitteilen, wenn sie mit einer Umbuchung bei Flug, Hotel oder Kreuzfahrtroute nicht einverstanden sind, und eine Frist für ein neues Angebot setzen, rät der Verbraucherzentrale Bundesverband. Auch Beweise sind wichtig, zum Beispiel Fotos, die belegen, dass der Pool im Ersatzhotel nicht benutzbar war und das Frühstücksbuffet nur eine Sorte Marmelade bot. Wer nur einen Flug gekauft hat und von Umbuchung oder Flugverlegung betroffen ist, wendet sich direkt an die Airline. "Egal, was im Kleingedruckten steht. Die Einhaltung der Flugzeiten ist eine Hauptpflicht der Airline, die nicht einfach einseitig geändert werden kann", sagt Reiserechtsanwalt Rodegra.

Schweigend zu leiden und erst zu Hause Ansprüche geltend zu machen, ist übrigens keine gute Idee: Das könnte vor Gericht als stillschweigendes Einverständnis ausgelegt werden.

© SZ.de/ihe
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