Reiserecht Diese Rechte haben Reisende bei Wetterchaos

Ja, wo fährt er denn? Ein Zug am Münchner Hauptbahnhof trotzt dem Wetter.

(Foto: dpa)
  • Endlich ist der Schnee da, nur leider zu viel. Daher warnt die Deutsche Bahn vor allem Reisende in Bayern vor "Beeinträchtigungen aufgrund von Wintereinbruch".
  • Bahnkunden sollen auf bahn.de oder über die App DB Navigator prüfen, ob ihre Züge überhaupt fahren.
  • Je nach Verkehrsmittel gelten für Bahn-, Flug- und Fernbus-Reisende unterschiedliche Rechte, wenn das Wetter Pläne durcheinander wirbelt.

Was tun, wenn der Zug nicht fährt?

Fällt ein Zug wegen Schneechaos und Sturm (oder auch Streik) aus oder verpasst der Reisende wetterbedingt seinen Anschluss, kann er ohne Aufpreis auf einen beliebigen anderen Zug ausweichen - wenn einer fährt. Bei Angeboten wie einem Sparpreis-Ticket wird die Zugbindung aufgehoben. Umsteigen dürfen Bahnreisende auch, wenn sie damit rechnen müssen, dass ihr gebuchter Zug sein Ziel mit einer Verspätung von mehr als 20 Minuten erreichen wird. Wenn möglich, sollte man sich die Verspätung von einem Bahnmitarbeiter schriftlich bestätigen lassen - im Idealfall gleich auf dem Fahrgastrechte-Formular.

Nimmt der Bahnreisende einen teureren Zug, um überhaupt voranzukommen, also zum Beispiel einen ICE anstelle eines Nahverkehrszugs, muss er zwar zunächst den Aufpreis entrichten. Anschließend kann er sich das Geld aber in einem DB-Reisezentrum erstatten lassen. Diese Regelung gilt nicht für stark ermäßigte Fahrkarten wie Länder-Tickets, das Schöne-Wochenende-Ticket und das Quer-durchs-Land-Ticket. Auch darf nicht auf reservierungspflichtige Züge wie Nachtzüge umgestiegen werden.

Und wenn ich den Zug gar nicht mehr nehmen will?

Sind Bahnverbindungen gestrichen oder mehr als 60 Minuten verspätet, kann man sich sein Zugticket samt Sitzplatz-Reservierung in einem DB-Reisezentrum oder einem Reisebüro mit DB-Lizenz kostenlos erstatten lassen. Beim Online-Ticket muss auch die Buchungsbestätigung angefügt werden, die per Mail zugesandt wird.

Wer übrigens unterwegs nicht weiterkommt und entnervt zum Ausgangsbahnhof zurückfährt, bekommt die gesamte Reise erstattet. Wer nicht umkehrt, erhält nur den nicht genutzten Anteil der gebuchten Strecke zurück.

Zahlt die Bahn eine Entschädigung für Verspätungen?

Es besteht sogar ein rechtlicher Anspruch darauf, unabhängig von der Ursache: Selbst bei miserablem Wetter oder Streik ist die Bahn dazu verpflichtet - im Gegensatz zu Airlines, die sich auf höhere Gewalt berufen können. Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss die Bahn 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent (für die einfache Fahrt, bei einem Ticket für Hin- und Rückweg zählt also nur die Hälfte des Gesamtpreises). Der Aufpreis für den ICE-Sprinter wird schon ab 30 Minuten Verspätung zurückgezahlt.

Wie entschädigt die Bahn Pendler mit Zeitkarten?

Ab einer Verspätung von 60 Minuten bekommen Fahrgäste mit Zeitkarte eine pauschale Entschädigung pro Fahrt. Für Zeitkarten der zweiten Klasse im Fernverkehr gibt es fünf Euro, in der ersten Klasse 7,50 Euro. BahnCard-100-Besitzer bekommen in der zweiten Klasse zehn und in der ersten Klasse 15 Euro.

Im Nahverkehr können Bahnfahrer nicht mit nennenswerten Entschädigungen rechnen. Ab 60 Minuten Verspätung gibt es in der zweiten Klasse pauschal 1,50 Euro, in der ersten 2,25 Euro. Allerdings werden bei S-Bahnen erst Beträge ab vier Euro ausgezahlt. Nahverkehrskunden erhalten ihr Geld also erst ab der zweiten beziehungsweise dritten Verspätung innerhalb der Gültigkeitsdauer des Zeit-Tickets.

Wie mache ich meine Entschädigung geltend?

Mit dem Fahrgastrechte-Formular. Dieses Beschwerdeformular wird im Verspätungsfall häufig bereits vom Zugpersonal ausgeteilt. Es ist aber auch in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder online erhältlich.

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In das Formular werden geplanter und tatsächlicher Reiseverlauf eingetragen. Originalfahrkarten, Kopien von Zeitkarten und andere Originalbelege müssen beigelegt werden. Wer sich durch die Formalien gekämpft hat, kann direkt am Bahnhof im Reisezentrum oder in der DB-Agentur seine Entschädigung bekommen.

Andernfalls ist eine Entschädigung nur möglich, wenn Formular, Fahrkarte oder Kopie der Fahrkarte an das Servicecenter Fahrgastrechte in 60647 Frankfurt/Main geschickt werden.

Entschädigungen muss die Bahn auf Wunsch bar auszahlen, ansonsten erfolgen diese als Gutschein oder per Überweisung.

Ich habe nur ein Handy-Ticket - was muss ich tun?

In diesem Fall muss der Reisende die Buchungsbestätigung, die er per Mail erhalten hat, ausdrucken und mit dem Fahrgastrechte-Formular nach Frankfurt schicken. Wer das Online-Ticket nicht mehr hat, kann es noch binnen sechs Monaten bei der Bahn anfordern.