Nicht nur Menschen bereisen die Welt, auch manche Tiere kommen ganz schön rum auf dem Planeten – Blauwale zum Beispiel oder Wildlachse, Bartgeier und Küstenseeschwalben. Manchmal tun sich Menschen auch mit einem Tier zusammen und gehen gemeinsam auf große Reise. Einige bestreiten sogar ihren Lebensunterhalt davon, dass sie eine Katze als Sozia auf ihrem Motorrad mitnehmen oder einen Esel kreuz und quer durch Europa zerren und darüber dann Bücher schreiben und Vorträge halten. Ein Franzose hat einmal zusammen mit einem offenkundig unverfrorenen Huhn einen Segeltörn durch die Arktis unternommen – und gleich zwei Bücher darüber veröffentlicht, einen Abenteuerbericht und einen Bildband.
Das sind jedoch eher die Ausnahmen. Bei den meisten Menschen, zumal wenn sie nicht reisen, sondern lediglich in den Urlaub fahren, kommt bestenfalls der Köter in den Camper, aber Katze, Kaninchen, Kanarienvogel bleiben für die Zeit einer Ferienfahrt in aller Regel daheim in der Obhut eines Nachbarn oder einer Arbeitskollegin.
An ihre Stelle tritt seit einigen Jahren jedoch immer häufiger Platzhalter, ein Plüschtier etwa oder eine Quietscheente, die ins Reisegepäck kommen, wenn schon der Hamster nicht mit kann. Einige dieser Figuren haben es mittlerweile zu einer gewissen Berühmtheit gebracht, weil ihre Besitzer Instagram- oder Facebook-Accounts betreiben, die mit unzähligen Bildern bestückt werden, auf denen der Teddy, der Stoffhase oder das Gummitier der Wahl vor allerhand Sehenswürdigkeiten fotografiert werden. Eine Unterkategorie des Touristen-Selfies ist das, mit einer Stellvertreterfigur der eigenen Person. Elly, das Einhorn, auf Eiffelturm, Elbphilharmonie und Empire State Building.
Bei diesem Spielzeug ist es, anders als bei Haustieren, auch nicht verpönt, wenn es ausgesetzt wird. Das hat sich inzwischen zu einem Spiel entwickelt unter Reisenden, die bevorzugt Quietscheenten an touristischen Orten hinterlassen, gerne ein wenig versteckt. Wer sie findet, nimmt sie ein Stück des Wegs mit, versteckt sie neu und so fort. Das Ganze wird auf Social Media dokumentiert, sodass sich, mit ein bisschen Geschick und Findigkeit, die Reiseroute der einen oder anderen Gummiente nachverfolgen lässt.
Diesem kleinen Spaß schiebt nun aber die Reederei Marella Cruises, eine britische Tui-Tochter, einen Riegel vor, jedenfalls auf ihren Schiffen. Angeblich, weil die Sache überhandgenommen hat. Sie appelliert an die Passagiere, keine sogenannten Cruise Ducks mehr an Bord zu hinterlassen. Denn die Crew habe mittlerweile Mühe, sie alle einzusammeln, die Figuren würden nun einmal kein schönes Bild abgeben, sondern das Schiff unaufgeräumt wirken lassen. Sogar Sicherheitsargumente werden angeführt. Und außerdem wolle man Plastikabfall vermeiden. Dieses Umweltargument ist natürlich besonders drollig, denn hätte man aus allem Öl, das für die Herstellung sämtlicher Quietscheenten, die je auf einem Marella-Schiff gefunden wurden, Schiffsdiesel erzeugt – keines der Kreuzfahrtschiffe wäre damit auch nur eine Seemeile weit gekommen.
Diesen Aspekt aber mal außen vor gelassen: So weit ist es inzwischen also gekommen. Jetzt verursachen schon Gummienten Overtourismus.



