Reisen nach Deutschland Wohnung statt Villa

Auf der Webseite Haustauschferien.com suchen gerade etwa 700 Menschen eine Tauschwohnung in Berlin - dagegen wollen gerade einmal 130 Leute aus Berlin heraus. Irgendjemand wird sich schon für unsere Wohnung interessieren.

Als die Einladung nach Acapulco kommt, steht unsere Anzeige kaum eine Woche im Internet. Der erste Gedanke: Ist denen aufgefallen, dass unsere gesamte Wohnung in etwa die Größe ihrer Abstellkammer hat? Es nicht mal einen Balkon gibt? Und wir als besondere Annehmlichkeit den Gebrauch von zwei Fahrrädern anbieten können?

Der Anbieter schreibt, dass er und sein Partner eben "schon immer Berlin kennenlernen wollten". Sie hätten beide "in der Kunstwelt, der Architektur, Public Relations und in der Welt der Oper" zu tun - gut, also wie schätzungsweise jeder Zweite in dem Berlin, in dem wir leben. Trotzdem: Ein wenig kommt es uns vor, als würde sich ein kultivierter Herr mit einer Rotzgöre verabreden - was finden die bloß an Berlin?

Aber dann wollen auch schon die Nächsten unsere Wohnung haben. Ein Paar, wie wir um die 30, aus Toronto. Ihre Wohnung liegt "direkt um die Ecke von großartigen Cafés, Restaurants und Boutiquen" - wie unsere Wohnung. Sie schreiben, dass Toronto "eine Stadt der Kieze" sei, wie unsere Stadt. Außerdem kontaktiert uns eine Malerin aus dem amerikanischen Montpellier, die sich als Weltbürgerin versteht: Sie möchte ihr "Künstlerloft" für die Gelegenheit tauschen, sich Berliner Galerien anzusehen. Zwei Chicagoer beschreiben ihr Zuhause als "lebhafte Stadt der Kultur und Kunst". Einerseits ist es schmeichelhaft, so umworben zu werden. Andererseits: Meistens hätten schon die Bilder von den Wohnungen genügt, um uns zu überzeugen - oder nicht zu überzeugen. (Ein düsteres Gemäuer mit Minifenstern? Nicht mal, wenn es in Versailles liegt).

Zum Beispiel die Fotos, die uns jemand von seiner Familienwohnung im Zentrum von Malmö zeigt - Altbau, Dielenboden, schwedische Minimaleinrichtung in Naturholz und Weiß - zu der ein Farmhaus am Strand gehört, das sich gut in einer Inga-Lindström-Schmonzette machen würde. Oder der Mid-Century- Modern-Bungalow mit Pool bei San Francisco, den die Besitzerin bescheiden als "unser Heim" beschreibt und der so perfekt aussieht, als sei gerade eine Hochglanzwohnzeitschrift zum Fotografieren da gewesen. Und erst diese entzückende Pariser Wohnung in Spucknähe von Sacré-Cœur.

Reisen in Deutschland

Vom Szene-Stadtteil zum In-Viertel: Berlin Mitte