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Reisen nach Ägypten:"Angewiesen auf jeden Touristen"

SZ: Empfehlen Sie, jetzt nach Ägypten zu reisen?

Tondok: Ja, unbedingt. Die Leute sind angewiesen auf jeden Touristen, der kommt. Und alle Sehenswürdigkeiten sind so leer, wie sie nie waren. Man kann sich in den Gräbern stundenlang umsehen, den Karnak-Tempel tagelang für sich haben. Da sind manchmal nur zehn oder 20 Besucher, wo sonst zwei-, dreitausend unterwegs waren. Und Oberägypten ist sicher. Ein bisschen unangenehm ist, dass alle Fremdenführer und Taxifahrer sich auf die wenigen Touristen stürzen und ihnen kaum Luft lassen. Jeder will ihnen etwas verkaufen, ich bekomme Leserbriefe mit Beschwerden über diese Aufdringlichkeit. Aber man muss auch verstehen, dass jeder das bisschen Geld braucht, das aus einem Touristen herauszuholen ist, um seine Familie durchzubringen.

SZ: Heißt das, dass erhöhte Preise verlangt werden?

Tondok: Nein, zur Zeit sind die vor allem Pauschalreisen sehr billig. Aber auch Individualtouristen können preiswerter unterwegs sein, weil der Kampf um jeden Gast das Preisniveau von Hotels, Restaurants oder Souvenirshops deutlich drückt.

SZ: Wird es aufwendiger sein als gewöhnlich, einen Reiseführer zu überarbeiten, nachdem sich so viel verändert hat?

Tondok: Ich glaube nicht. Denn ich klappere immer das gesamte Land ab und prüfe die Informationen möglichst alle selbst. Natürlich existieren nicht mehr alle Hotels, vielleicht werden neue aufmachen. Das muss man vor Ort herauszufinden. Schon jetzt arbeite ich die Informationen, die ich nach wie vor über Mails bekomme, in mein Manuskript ein. Mit der Recherche vor Ort warte ich jedoch noch ab. Ich sehe aber keine Schwierigkeit, wenn der Zeitpunkt geeignet ist, innerhalb von drei Monaten eine neue Auflage zu machen.

SZ: In welchem Zustand ist die touristische Infrastruktur?

Tondok: Die Informationen, die ich habe, sprechen zwei Sprachen. Einmal hörte ich, dass beispielsweise auf dem Sinai nahezu das gesamte europäische Management der Hotels nach Hause geschickt wurde und Ägypter aus der zweiten Reihe die Aufgaben übernommen haben. Da scheint es teilweise Schwierigkeiten zu geben, das Niveau zu halten. Andererseits: Viele Hotels, vor allem die Ketten, haben einige Häuser geschlossen und ihre Gäste auf wenige Häuser konzentriert. Die funktionieren offensichtlich gut. Wenn ein plötzlicher Boom stattfinden würde, glaube ich, sind die Ägypter flexibel genug, ihre Infrastruktur quasi sofort zum Leben zu erwecken. Die Leute warten darauf, etwas zu tun.

© SZ vom 29.12.2011/dd

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