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Reisen in Zeiten des Ersatzfahrplans:Ballade auf den Bahnstreik

Folgen des Bahnstreiks

Die Lichter der im Stau stehenden Autos brechen sich hinter einem Spinnennetz: ein Frankfurter Bahnstreik-Moment

(Foto: dpa)

Der Lokführer-Ausstand bringt Chaos und Stillstand über Deutschland. Doch jenseits sauber durchgetakteter Fahrpläne entsteht Raum für das Schöne und Überraschende.

Die Lokführer der GDL streiken, nur vereinzelt fahren Züge durch Deutschland. Tausende Reisende sind betroffen. Doch immer wieder in solchen Ausnahmesituationen herrscht eine ganz besondere Stimmung der Solidarität und Kreativität. Jenseits des sauber durchgetakteten Alltags entsteht inmitten von Chaos und Stillstand Raum für Begegnungen, der Blick öffnet sich für das Schöne und Überraschende.

Martin Machowecz hat das Unmögliche gewagt und dem Streik zum Trotz einen Zug bestiegen. Im Abteil gähnt ihm dann völlig überraschend Leere entgegen:

Der deutsche Bahnreisende scheint ungemein auf Fahrpläne und Abfahrtszeiten fixiert zu sein, Zufall und Ungewissheit schrecken ihn. Lieber setzt er sich ins Auto, um mit dem Lenkrad auch das eigene Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Jana Koetter hingegen fährt in die Ungewissheit und erlebt, wie Raum und Zeit zu einem meditativen Momentum verschmelzen:

Doch der Bahnstreik führt nicht nur zu geistiger Einkehr, er beflügelt auch die poetische Ader der Menschen. Im SZ-Leser-Forum postet zitrone21 eine vierstrophige Bahn-Ballade mit politischer Botschaft:

Ein Schlichter solls nun richten / soll den Streitfall schlichten / wo keiner einen wild gewordenen / von Selbstsucht überbordenden / Streithammel bremsen kann und will / und somit Deutschland stehet still.

Da muss die Kanzlerin sich mischen ein / und fordern auch ein Schlichterlein / das den Saustall nun soll richten. / Was gibt es da zu schlichten / wenn der eine alles haben muss / und ablehnt jeden Kompromuss?

Und der Verkehrsminister? / Solchen Fragen misst er / kein Gewicht mehr bei / seit seine Sauerei / Ausländermaut genannt / seine Aufmerksamkeit bannt.

Drum glücklich wer auf Füßen / ohne Hühneraugen, die verdrießen, / oder Fahrradreifen kann gelangen / zur Arbeitsstätte und so nicht bangen / muss um selb'ge, welche flöten / gehen könnte samt den Kröten.

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Dieses Gedicht, das uns ein Leser per Mail geschickt hat, besticht durch seine Präzision:

Moin,

ich fuhr zum Bahnhof. Bahnhof.

Fin