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Reisen in Deutschland:Hinten auf der Hundshaut

Unterwegs im Niemandsland: Eine spätwinterliche Reise mitten durch Elend, Jammer und Noth im Bayerischen Wald.

Berlin stand wieder kurz vor einem Kollaps, es gab neue Zahlen von Opel, von der Bundesagentur für Arbeit, von der nächsten Bank, aber vor allem hatte es wieder zu schneien begonnen. Vom frühen Morgen an draußen das Scharren der Schneeschaufeln, die heulend anfahrenden Autos, das Brummen der Schneeräumer mit der irrlichternden Warnleuchte.

Deutschlandreise

Elend, Jammer und Noth im Bayerischen Wald

Der Missmut über den Winter, der einfach nicht enden will, reichte noch bis in den ICE nach Nürnberg, in dem alle viel zu warm angezogen waren und sich in die Ecke drückten. Die Fahrt geht praktisch ans Ende der bewohnten Welt, dorthin, wo es ganz, ganz schlimm aussehen muss. Jamma-Jamma-Jamma, rattert es unter dem Sitz, und dann, noch deutlicher: Elend-Jammer-Noth.

Der Zug ist längst kein Mehdorn-Express mehr, sondern heißt jetzt Franz Kafka. Keiner spricht mehr Deutsch und keiner weiß, ob der Franz Kafka auch in Cham hält. Die Fahrgäste müssen heut noch nach Pilsen und nach Prag. Sie waren schön einkaufen, sie wissen nichts vom Elend, und nach Cham wollen sie auch nicht.

"Es nimmt seinen Anfang", prophezeite seinerzeit der Mühlhiasl, "wenn ein großer weißer Vogel oder Fisch über den Wald fliegt." Der Mühlhiasl, der große Seher des Bayerwaldes, sah schon vor zweihundert Jahren das Ende kommen. Und wirklich, über Nacht sind große Schwärme von Seidenschwänzen eingefallen. Sie kommen aus der nördlichen Tundra, weil sie dort nicht mehr genug zu fressen finden. Sie fliegen in Scharen herein über den Wald und hocken dann mit gesträubter Haube zu Hunderten in den Obstgärten und beratschlagen, ob sie noch weiter in den Süden ziehen sollen. Früher galt der Seidenschwanz als Unglücksbringer, als Pestvogel, jetzt kündigt er kreischend bessere Zeiten an.

Lesen Sie weiter, wie die drei Ortschaften zu ihrem Namen kamen - möglicherweise.

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