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Reisen in Asien:In den "Orchard Towers" trifft sich die Welt

Die Gassen Chinatowns liegen im rotgoldenen Licht Hunderter Lampions. In jedem zweiten Haus duftet es verführerisch nach gegarten oder gebratenen Speisen - auch wenn das Essen von Hühnerfüßen, Entenzungen und gefüllten Schweinemägen einigen Mut abverlangen kann. In Little India flechten in Saris gekleidete Frauen bunte Blumengirlanden. Aus einem Tempel dringen Trommelklänge. Vor ihren Läden nähen Schneider an Anzügen und Hosen, ihre Maschinen surren. Im alten malaiischen Viertel rund um Kampong Glam wiederum sitzen Teenager auf Teppichen im Freien und rauchen Wasserpfeife.

Asien Singapur, Marcel Burkhardt

Auch nach Mitternacht ist es in Singapur heiß und feucht wie in einer Autowaschanlage. Deshalb vielleicht doch zurück ins wohl klimatisierte Hotelzimmer? Nein, weiter: Aus dem grell erleuchteten Bauch eines etwas heruntergekommenen Turms dringt lautes, fröhliches Stimmengewirr. Dazu aus einem Dutzend Diskotheken und Klubs ein schriller Mix aus Live-Rock, Techno, Dance und asiatischem Pop.

In den Orchard Towers trifft sich die Welt, tanzen westliche Abenteurer, denen die tropische Sonne tagsüber die blassen Gesichter verbrannt hat, eng umschlungen mit asiatischen Mädchen, die sie gerade erst kennengelernt haben. Wer allein hierher kommt, bleibt es nicht lang. Die Band im Ipanema etwa besingt das süße Leben, die Jugend, die Liebe. Der Raum vibriert, kocht. Es ist stickig, riecht nach Parfüm, Schweiß und künstlichem Nebel. Nüchtern ist das nur eine Weile lang auszuhalten.

Also vielleicht in den Zoo, zur Nachtsafari? Aber das braucht es nicht: Singapur ist in seinem wilden Herzen selbst Dschungel. Nach einem heftigen Regenschauer duftet es in den Parks und Gärten nach Blumen und nasser, dampfender Erde. Dann lieber weiter wandern und auf eine kleine Zeitreise gehen im Raffles Hotel, einem Überbleibsel aus viktorianischer Zeit, als in Singapur noch die englischen Kolonialherren den Ton angaben.