Reiseknigge für die Berghütte:Über allen Gipfeln ist Ruh, zum Kuckuck

Schnarcher im Bettenlager, die ihre schmutzigen Bergstiefel zum Auslüften mit in den Schlafraum nehmen und zum fünften Mal im Dunkeln über den Nachbarn stolpern, weil sie keine Stirnlampe mitgenommen haben, machen sich nicht wirklich beliebt. Benimmregeln für die Berghütte.

Katja Schnitzler

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(Foto: Knorr + Hirth)

Benimmregeln für die Berghütte: Wie Sie unter dem Gipfel nicht unangenehm auffallen, erfahren Sie im Reiseknigge für Bergsteiger. Reservieren Sie Gutes Benehmen beginnt im Tal: Weil überbelegte Hütten allen Beteiligten auf die Nerven gehen, sollten Sie Ihre Schlafstatt reservieren. Einige Hütten haben inzwischen Internetseiten, auf denen steht, wie lange sie im Herbst noch geöffnet sind, und die über die jeweiligen Hüttenregeln informieren. Sie selbst machen Ihrem Wirt das Leben leichter, indem Sie kundtun, wie viele Kinder in welchem Alter mitkommen, ob Sie vegetarisch essen, Unverträglichkeiten oder Allergien haben und ob Sie erst nach der abendlichen Essenszeit eintreffen. Bergsteiger schlafen in einer Hütte, 1930er Jahre

Stornieren Sie

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(Foto: dpa/dpaweb)

Wenn Sie oder Ihre Begleitung doch nicht kommen können, sagen Sie rechtzeitig ab. Die Wirtsleute dürfen nur drei Viertel der Schlafplätze im Voraus vergeben, damit bei Wetterumschwüngen andere Bergsteiger auch kurzfristig einen Platz finden. Wer krank oder verletzt ist, wird bei der Bettenvergabe bevorzugt, ebenso Rettungsmannschaften im Dienst. Erst wenn alle Schlafplätze weg sind, wird - falls vorhanden - auch das Notlager zugeteilt. Und wer nun ans Klagen wegen Überbuchung denkt: Eine Überbelegung der Hütte bedeutet nicht, dass die Gäste weniger zahlen müssen.

Seien Sie nicht geizig

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(Foto: SCHERL)

Vereinsmitglieder müssen oft nur die Hälfte bezahlen, sehr zum Ärger manch anderer Übernachtungsgäste. Einige versuchen sogar, sich diese Vergünstigung zu erschwindeln - und denken nicht daran, dass die Hütten auch über die Mitgliedsbeiträge finanziert werden. Manche Wanderer erwarten außerdem, dass sich die Einfachheit der Berghütte auf die Preise auswirkt, dabei sind diese meist so hoch wie im Tal. Schließlich müssen Nahrungsmittel aufwändig zur Hütte und der Müll wieder herunter gebracht werden. Also nicht meckern, zahlen. Der beste Zeitpunkt dafür ist vor dem Schlafengehen, denn in der Früh herrscht meist Hektik. Biertransport 1913 vor einer Hütte auf dem Hirschberg bei Tegernsee

Schreiben Sie ins Hüttenbuch

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(Foto: SCHERL)

Dies ist ein Gästebuch als Lebensversicherung, vor allem für Bergsteiger, die allein unterwegs sind. Wird jemand vermisst, können die Aufzeichnungen bei der Suche helfen. Daher sollte jeder neben Namen und Datum auch das nächste Ziel und die eigene Handynummer aufschreiben. Bergsteiger am Mont Blanc

Ziehen Sie das sofort aus

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(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bergstiefel sind naturgemäß schmutzig und nach der Wanderung olfaktorisch zweifelhaft. Lassen Sie diese auf jeden Fall im Vorraum stehen. Wollen Sie neue Freunde kennenlernen, ziehen Sie Ihre schweißnassen Socken hier auch gleich aus. Für die Hütte nimmt der Profi trockene Socken und auch ein frisches T-Shirt mit. Hausschlappen sind sowieso Pflicht. Für Wanderstöcke, Pickel, Seil und Steigeisen gibt es auch einen eigenen Platz. Dieser ist nicht im Schlafraum.

Machen Sie Platz

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(Foto: SCHERL)

Wer seinen Platz an einem Pool im Flachland mit dem Handtuch reserviert, kommt nicht gut an. Genauso verhält es sich mit Stuhlbesetzern im Gastraum der Berghütte, die sich bei Platzmangel einen Sitz sichern. Und die sich auch dann nicht erheben, wenn sie schon lange mit dem Essen fertig sind, während den Wartenden der Magen immer lauter knurrt. Wer dann über seine Brotzeit im Schlafraum herfällt, ist aber auch nicht im Recht: Hier darf nicht gegessen werden. Gekocht erst recht nicht. Geraucht sowieso nicht - das gilt für die ganze Hütte. Schlangestehen am Berg: eine Seilschaft bei der Besteigung des Tête-Rousse-Gletschers in den Savoyer Alpen, 1934

Essen Sie, was auf den Tisch kommt

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(Foto: Quade/Fotolia.com)

Statt der Kartoffeln lieber Nudeln, die bitte mit Extrasoße, und den Salat ohne Radieschen, aber mit Paprika! Im besten Falle erheitern Sie mit Extrawünschen die anderen Gäste, im schlimmsten Fall ziehen Sie sich den Unmut des Wirtes zu. Es gibt zwar inzwischen einige Gourmet-Hütten, generell ist die Verpflegung besser geworden. Doch viele Hütten bieten statt Sternekost eher Erbsensuppe und Leberkäs an. Also packen Sie Ihre eigene Brotzeit aus? Machen Sie das ruhig, aber suchen Sie sich dafür eine Almwiese, auf der Sie der Wirt nicht sieht. Denn wer den Sitzplatz in Gastraum oder auf der Terrasse belegt, bestellt allein schon aus Höflichkeit beim Wirt oder fragt zumindest vorher, ob Mitgebrachtes verzehrt werden darf. Von zwölf Uhr mittags bis 20 Uhr ist auf den meisten bewirtschafteten Hütte mindestens eine warme Mahlzeit im Angebot. Essen und Unterkunft können fast überall nur bar bezahlt werden, also nehmen Sie ausreichend Geld mit. Ab wann die Wirtsleute Frühstück und Teewasser bereitstellen, hängt von den Tourenbedingungen für die Bergsteiger ab. Wenn sie nicht besonders früh starten müssen, ist meist sieben Uhr üblich.

Seien Sie aufmerksam

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(Foto: Giuseppe Porzani/Fotolia.com)

Die Hüttencrew ist froh um Mithilfe beim Abräumen, manchmal auch beim Spülen oder bei anderen Arbeiten. Wer fragt, wo er mit anpacken kann, ist in dieser Hütte immer wieder willkommen. Und wer sich vor dem Aufstieg erkundigt, ob gerade etwas dringend im Rucksack zur Hütte gebracht werden muss, macht sich gleich noch beliebter.

Geben Sie doch nicht so an

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(Foto: dpa)

Am Abend in der Hütte tönt es laut und lauter aus einer Ecke: Der Wortführer einer Gruppe unterhält seine Mitbergsteiger und alle anderen mit seinen Erlebnissen am Berg. Mit jedem Bier werden die Wände steiler, die Gletscherspalten größer und die Zuhörer müder. Am besten fragt man diese Meister des Bergsteiger-Lateins, ob sie den Yeti auch schon mal gesehen haben. Dann ist meistens Ruhe.

Gehen Sie ins Bett, und zwar sofort

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(Foto: REUTERS)

Manche verwechseln Berghütten-Gaudi mit Après-Ski-Zelten und grölen angeheitert weiter, obwohl andere längst schlafen wollen. Schließlich war der Aufstieg kräftezehrend und auch der nächste Tag wird anstrengend. Das verträgt sich nicht mit "Feiern die ganze Nacht bis morgen früh". Und weil nicht alle Möchtegern-Musiker wirklich begabt sind, entscheiden die Wirtsleute, ob sie spielen dürfen oder nicht. In den meisten Hütten herrscht von 22 bis sechs Uhr Hüttenruhe, in einigen ist erst ab Mitternacht Schlafenszeit vorgeschrieben. Ein Aushang informiert über die Zeiten. Wer wegen einer langen Tour früher aufstehen muss, sollte das so geräuschlos wie möglich bewerkstelligen - am besten wortlos: Sie sind nie so leise, wie Sie denken. Für alle, die ungestörter schlafen wollen: Ohrenstöpsel wiegen nicht viel und sorgen für eine friedvolle Nacht.

Denken Sie an den Schlafsack

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(Foto: SCHERL)

Selbst wenn die Hütte Kopfkissen und Wolldecken bietet, ist ein Hüttenschlafsack Pflicht - im Sommer ist ein dünner aus Baumwolle oder Seide warm genug. Manchmal können die Schlafsäcke ausgeliehen oder gekauft werden. Als hygienische Mindestausstattung gehören außerdem in den Rucksack ein Handtuch, Zahnbürste und -pasta. Mann im Schlafsack, 1905

Tappen Sie im Dunkeln

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(Foto: AFP)

Damit die Nachtruhe nicht gestört wird, sollten die Bergsteiger an Kopflampen oder kleine Taschenlampen denken, um im Dunkeln den Weg zur Toilette zu finden. Wer seinen Rucksack im Weg herumliegen lässt, ist selbst schuld, wenn er nachts von einem stürzenden Mitwanderer aus dem Schlaf gerissen wird.

Seien Sie ruhig

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(Foto: Arno Balzarine/dpa)

Über allen Gipfeln ist Ruh, dichtete Goethe, und so stellen sich auch die Wanderer das vor. Daher darf weder in der Hütte noch in der Nähe Radio oder Fernseher eingeschaltet werden, außer für Wetter- und Lawinenbericht. Wer allerdings an die Ohrstöpsel gedacht hat, kann zumindest außerhalb der Hüttenruhezeit mehr als nur der Wettervorhersage lauschen. Nur bitte nicht mitsingen. Und das Handy? Bleibt aus.

Kümmern Sie sich um Ihren Hund

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(Foto: picture alliance / dpa)

Wandern mit Hund ist für Tier und Herrchen eine Freude. Ein Hund in der Hütte ist aber nicht jedermanns Sache. Daher sollten sich Tierbesitzer vorab beim Wirt erkundigen, ob sie ihren Hund mitbringen dürfen und wo dieser dann untergebracht werden kann - in die Schlafräume oder in die Küche darf der Hund grundsätzlich nicht. Und auch nicht zum Abkühlen in die Tiertränke, auch wenn diese ideale Hundebadewannen-Maße hat.

Nehmen Sie Ihren Müll mit

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(Foto: AFP)

Was der Wanderer mit hoch genommen hat, soll er auch wieder mit hinunter nehmen. Der Müll darf nicht in der Natur, aber auch nicht in der Hütte zurückbleiben. Schön, dass die Verpackungen auf dem Heimweg leer und leicht sind. Müll auf einer Schutzhütte am Mont Blanc

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