bedeckt München 11°

Reiseführer Zypern:Essen & Trinken

Brandy Sour zur Begrüßung: Zyperns Nationalgetränk ist ein Relikt aus britischen Kolonialzeiten

MARCO POLO Autor Klaus Bötig

Verwendet werden vor allem heimische Produkte. Der Herd wird relativ selten genutzt. Man gart Gerichte lieber im Lehmbackofen oder auf dem Holzkohlengrill. Fleisch wird gern in großen Mengen verzehrt, Fisch ist dafür zu teuer. Hülsenfrüchte sind beliebt, Kapernzweige und Korianderblätter werden oft in Salaten gereicht. Viele Gemüse isst man auch roh oder sauer eingelegt.

Eine große Anzahl an zypriotischen Spezialitäten an einem einzigen Abend kennenzulernen fällt nicht schwer. Fast alle Restaurants preisen ihr mesé an („mee-see“ gesprochen). Es besteht aus 12 bis 20 verschiedenen, auf kleinen Tellern servierten Gerichten, von denen sich jeder nimmt, so viel er mag. Sie haben die Wahl zwischen Fleisch-, Fisch- und eventuell rein vegetarischem mesé.

Sonstige Essen & Trinken

Getränke

Zum guten Essen gibt es auf Zypern immer auch einen guten Wein. Noch bis vor wenigen Jahren war er der wichtigste Devisenbringer der Insel. Das Angebot und die Auswahl sind groß; inzwischen sind sogar Bioweine auf dem Markt. In Nordzypern wird kaum Wein angebaut; hier trinkt man vor allem Weine aus der Türkei. Auf Zypern wird aber auch Bier gebraut. Aus südzypriotischen Brauereien kommen die Marken Keó und Carlsberg. Im Norden trinkt man das türkische Efes oder das in österreichischer Lizenz gebraute Goldfässl.

Als Aperitif aus heimischer Produktion stehen Sherry und Ouzo zur Wahl. Als Digestif sind der bittere Orangenlikör fílfar, der Dessertwein commandaría und der zypriotische Brandy empfehlenswert. Als beste Brandy-Marke gilt Five Kings. Brandy Sour, der erfrischende Longdrink aus Brandy, Zitronen- oder Limonensirup und Soda, ist eine Hinterlassenschaft der Engländer und wurde zum zypriotischen Nationalgetränk. Alkoholfreie Spezialität Nordzyperns ist ayran, ein Gemisch aus Wasser und Joghurt mit etwas Salz und getrockneter Pfefferminze. Frisch gepresste Säfte werden selten angeboten und sind angesichts der vielen Orangen- und Obstplantagen unangemessen teuer.

Essen im Hotel

Der Standard der zypriotischen Hotelrestaurants ist hoch. Beim Frühstück macht sich der britische Einfluss bemerkbar. Würstchen, gebratener Speck und Eier oder Omeletts gehören in den besseren Hotels zum Frühstücksbüfett, in einfachen Häusern können Sie sie gegen Aufpreis bestellen.

Mittags und abends werden häufig auch zypriotische Gerichte angeboten. In vielen Häusern wird abends ein- oder mehrmals wöchentlich ein Büfett aufgebaut, durch das Sie dann wie bei einem mesé-Essen auch viele zypriotische Spezialitäten kennenlernen können.

Auswärts essen

Wer außerhalb des Hotels essen geht, kann kulinarische Weltreisen unternehmen. Das Angebot an italienischen, asiatischen, französischen und libanesisch-syrischen Restaurants ist groß, auch die polynesische, russische, spanische und lateinamerikanische Küche sind gut vertreten. Gýros, Döner, Pizza, warme Sandwichs und Hamburger ergänzen das Angebot.

Die Speisekarten sind fast immer mindestens zweisprachig (Griechisch oder Türkisch und Englisch). Zum Essen wird man Ihnen grundsätzlich Brot servieren, das auch dann in Rechnung gestellt wird, wenn Sie nichts davon genommen haben. Die meisten Restaurants sind von etwa 12–15 Uhr und von 19–23 Uhr geöffnet. Tischreservierungen sind nur für größere Gruppen oder für Spitzenrestaunrants üblich.

Café

Kaffeehäuser und Konditoreien

Konditoreien gibt es nur in den Städten. Sie werden auf Griechisch sacharoplastío, auf Türkisch pastahane genannt und servieren Getränke (aber keinen Wein) sowie Süßspeisen und orientalische Kuchen. Zu den Süßspeisen gehören auf Zypern auch eine Vielzahl in Zuckersirup eingelegter Früchte und Gemüse wie kleine Tomaten, unreif geerntete Walnüsse, Bergamotten, Kirschen, Pflaumen, Auberginen und Weintrauben. Der Sammelbegriff für all diese Leckereien, die Ihnen auf einem kleinen Tellerchen mit Teelöffel und Kuchengabel serviert werden, ist gliká tou koutoulioú.

Überall in den Städten und in fast jedem Dorf finden Sie Kaffeehäuser, im Singular kafeníon (türk. kahvehani) genannt. An mit Filz belegten Tischen werden Karten, Dame und távli (Backgammon) gespielt. Man trinkt alkoholfreie Getränke, Bier und Kaffee oder Tee, in Südzypern auch tsiwanía (Tresterschnaps), Ouzo oder Brandy – und vor allem Whisky. Es gibt zwar löslichen Kaffee, der immer als Nescafé bezeichnet wird und den man als Frappé auch kalt trinkt. Standardgetränk auf Zypern ist jedoch der Mokka, den Sie als kafé bestellen und dabei angeben, wie Sie ihn wünschen: skétto (türk. sadez) – ohne Zucker; métrio (türk. ortai) – mit etwas Zucker; warígliko (türk. sekerli) – mit viel Zucker.

Weiter zu Kapitel 4

Der Bremer Reisejournalist kennt Zypern seit 1974. Mehrmals jährlich reist er auf die Insel und besucht stets beide Inselteile. Für seine politische Neutralität spricht, dass ihn griechische wie türkische Zyprer für einen Freund des jeweils anderen halten. Er selbst schätzt außer Stränden und Sehenswürdigkeiten die Wälder und Berge, die zyprische Küche und die heitere Gelassenheit der Inselbewohner.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

Zur SZ-Startseite