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Reiseführer Yucatan:Stichworte

Haciendas und Hurrikans, Mariachis und Maya: Notizen zum Schwimmen in Brunnen und zum Bungeejumping a la mexicana

MARCO POLO Autor Manfred Wöbcke

Bevölkerung

Mexiko hat rund 113 Mio. Ew., von denen fast vier Fünftel Mestizen sind, also Nachkommen aus Verbindungen von Europäern mit der indigenen Bevölkerung. Die Nachfahren der präkolumbischen Volksgruppen - Maya, Azteken, Zapoteken, Mixteken, Tolteken und andere - umfassen heute etwa 15-20 Prozent der Bevölkerung, die restlichen fünf Prozent sind Weiße. Die auf der Halbinsel Yucatán (3,6 Mio. Ew.) lebende indigene Bevölkerung, die hier einen höheren Anteil als im Rest Mexikos stellt (30 Prozent), gehört dem Volk der Maya an. An der Riviera Maya findet man zudem zahlreiche Auswanderer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden, die dort Hotels betreiben oder anderweitig im Tourismus tätig sind. Fast die gesamte Bevölkerung Mexikos ist römisch-katholischen Glaubens.

Cenote

Die flache, aus Korallenkalk gebildete Halbinsel Yucatán war vor zwei Jahrtausenden reiches Ackerland, von Maya besiedelt, die in Hunderten von Dörfern und Städten wohnten. Wie war das möglich, da es doch im Norden der Halbinsel keine Flüsse gibt? Nur auf den ersten Blick ein Wunder: Mit Wasser versorgten sich die Maya nämlich durch unterirdische Reservoire. Cenotes (Dolinen), in der Mayasprache dzonot, heißen diese natürlichen Brunnen. Entstanden sind sie durch Einbrüche der dünnen Kalksteindecke, die Zugang zu den dicht unter der Oberfläche liegenden Wassergrotten schufen. Rund 2000 dieser Süßwasserhöhlen und -brunnen sind in Yucatán bisher entdeckt worden; viele davon inzwischen beliebte Schwimm- und Tauchreviere. Die Maya gründeten ihre frühen Siedlungen in der Nähe von cenotes und bewässerten ihre Felder durch ein ausgeklügeltes System von Kanälen.

Drogenkrieg

Die Besucherzahlen sind auf der Halbinsel Yucatán deutlich zurückgegangen. Zum überwiegenden Teil liegt dies am sogenannten Drogenkrieg, den bewaffneten Konflikten zwischen Militär bzw. Polizei und den im Drogenhandel tätigen Organisationen (Drogenkartellen) sowie der Kartelle untereinander. Auf 300000 Personen inklusive Familien schätzt man die Mitglieder der verschiedenen Gruppen. Seit 2006 (Amtsantritt von Präsident Felipe Calderón) haben die blutigen Auseinandersetzungen mehr als 50000 Menschen das Leben gekostet; Zivilisten sind kaum darunter, aber einige Journalisten. Die meisten Vorfälle ereigneten sich in den Grenzstädten zu den USA sowie in den Bundesstaaten Guerrero und Michoacán. Die Halbinsel Yucatán blieb bisher vom Drogenkrieg weitgehend verschont.

Fauna & Flora

Yucatán ist von einer 1500 km langen Küste umgeben, deren Lagunen, Buchten, Riffe und Flussmündungen Heimat für ein vielfältiges Unterwasserleben sind. Zahlreiche Arten tropischer Fische und unterschiedliche Schaltiere sowie Meeresschildkröten ziehen Taucher aus aller Welt an. Pelikane und Reiher tummeln sich entlang der Küsten, Kormorane und Flamingos sind ebenfalls häufig zu entdecken. Die selten gewordenen Seekühe (manatís) leben in der Bucht von Chetumal und im Reservat von Sian Ka'an. In Yucatáns Reservaten freut man sich über erste Zuchterfolge der bereits vom Aussterben bedrohten riesigen Säugetiere. Auch dem Schutz der Meeresschildkröten widmet man sich auf der Halbinsel. In Vollmondnächten suchen die Tiere einsame Strände zur Eiablage. Die Sonne brütet die Eier aus, und sofort nach dem Schlüpfen versuchen die jungen Schildkröten, ins Meer zu gelangen.Besonders artenreich ist im Regenwald die Welt der Schmetterlinge, Reptilien und Vögel.

Entlang der Strände ziehen sich Palmen. Während der Norden der Halbinsel trocken und von niedrigem Buschwerk bedeckt ist, schließen sich südlich das Sumpfland von Campeche und der Regenwald (selva) von Belize und Guatemala an, eine weithin unzugängliche, wegelose Gegend. Wertvoll für die Menschen sind seit jeher der Gummibaum (zapote, zapodilla), aus dessen hartem Holz bereits die Maya ihre Türstürze fertigten, sowie der Brotfruchtbaum (ramón), der ein beliebtes Nahrungsmittel liefert. Im Süden gedeiht auch der eindrucksvolle Kapokbaum (ceiba), der heilige Baum der Maya.

Haciendas

Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Yucatáns im 19. Jh., ausgelöst durch den Anbau von Sisalagaven (henequén), entstanden überall im Norden der Halbinsel Yucatán herrliche Haciendas. Um 1860 begann im Nordwesten der Halbinsel der Siegeszug des "grünen Goldes"; 1927 waren insgesamt 658 Haciendas in Betrieb.

Eine Agavenart, die in Yucatán besonders gut gedeiht, lieferte die Hartfaser für Garne und Seile. Zwischen 1880 und 1920 wurden enorme Mengen des begehrten Materials produziert, sodass die Eigner der Haciendas sich prunkvolle Landsitze und Herrenhäuser erbauten. 1960 beendete die synthetische Faser den Boom. Haciendas spiegeln noch heute den Lebensstil der mexikanischen Oberschicht wider. Einige der Anwesen öffneten inzwischen als Hotels und Restaurants ihre Tore für zahlende Besucher, andere wurden hergerichtet als Museen und bieten Gelegenheit, die Vergangenheit Yucatáns anschaulich kennenzulernen. Einige der schönsten Haciendahotels findet man auf www.thehaciendas.com.

Hurrikan

Der präkolumbische karibische Gott Huracán gab den Wirbelstürmen seinen Namen. Jedes Jahr im Herbst ist es so weit, wenn über der Karibik Luftmassen mit unterschiedlicher Temperatur und Feuchtigkeit aufeinander treffen. Dann brausen die Stürme mit bis zu 200 km/h über das Meer und die Inseln auf die Küsten zu. Zum Glück kann man Hurrikans heute weitgehend vorhersagen, sodass Menschen normalerweise nicht zu Schaden kommen.

Kreuzfahrtschiffe

Die Riviera Maya und Costa Maya an der yucatekischen Karibikküste gehören zu den klassischen Kreuzfahrtdestinationen - Sie werden dies spätestens dann feststellen, wenn Ihnen unterwegs große Gruppen von Kreuzfahrtpassagieren auf Landgang begegnen. Zu den beliebtesten Anlaufhäfen der Reedereien zählen Cozumel und Progreso sowie der erst vor einigen Jahren fertig gestellte Hafen von Mahahual (im Süden der Costa Maya). Der bislang eher unbedeutende Badeort, durch den nur eine Durchgangsstraße führt, wurde ausgestattet mit einer tiefen Wasserrinne, sodass gewaltige Kreuzfahrtschiffe nun bis nahe an den Strand fahren können und Passagiere anschließend über Holzstege an Land gelangen.

Vor Ort hat man sich auf die Kreuzfahrer eingestellt, so locken in Cozumel ungezählte Juwelier- und Souvenirläden, in Playa del Carmen muss man sich gewöhnen an die durch die Fifth Avenue, Hauptflaniermeile der Stadt, schlendernden US-Amerikaner (Hauptklientel des boomenden Karibikkreuzfahrtmarkts), die, ausgestattet mit großen Plastikbechern voll Margarita, sich des kurzen Landurlaubs erfreuen.

Mariachi

Inbegriff mexikanischer Musik sind die mariachi-Kapellen aus honorig auftretenden Herren in stolzem Habitus, gekleidet in schwarze Anzüge mit gold- oder silberglänzenden Knöpfen und breiten Sombreros. Bis zu zehn Musiker spielen Bass, Gitarre, Geige, Trompete, dazu wird inbrünstig gesungen. Treten die mariachis in Restaurants auf, dann schuldet man ihnen eine propina (Trinkgeld), sofern man ein bestimmtes Lied wünscht. Bieten sie ihre Dienste auf Plätzen an, dann vereinbart man vorher eine angemessene Gage (ca. 7-8 US-$ pro Lied).

Maya

Rund 3000 Jahre ist die hohe Kultur der Maya alt, während der Blütezeit vom 6. bis zum 9. Jh. entstanden in Mexikos Süden sowie auf dem Gebiet des heutigen Guatemala, Belize und Honduras die prächtigsten Stadtstaaten mit beeindruckenden Pyramiden, Tempeln und Palästen. Die Maya dekorierten ihre Gebäude mit Stuck, Reliefs, Skulpturen und aufwendigen Wandmalereien. Eine Besonderheit bilden die sogenannten Kraggewölbe: Die Steine zweier gegenüberliegender Mauern wurden nach oben hin so aufgetürmt und miteinander verkragt, dass in der Mitte schließlich ein einziger Stein genügt, um das Gewölbe zu stützen.

In Yucatán bildeten die Maya unterschiedliche Baustile heraus: In der Puuc-Region südlich von Mérida legte man Wert auf eine reiche Ausschmückung der Pyramiden und Tempel. Säulen und Friese, die aus Hunderten von Göttermasken und geometrischen Motiven gebildet sind, schmücken die Fassaden. In der Chenes-Region südlich von Campeche wiederum weiteten sich die Tempel zu überreich geschmückten Palästen aus, die Masken nahmen gewaltige Ausmaße an. Den Río-Bec-Stil im Westen von Chetumal kennzeichnen hohe Zwillingstürme mit Treppen, die so steil und abgerundet sind, dass man sie nicht begehen kann.

In der Mathematik und Astronomie besaßen die Maya Kenntnisse, die sie zur Entwicklung eines exakten Kalenders befähigten. In der Mathematik führten sie die Null ein. Darüber hinaus entwickelten sie eine Hieroglyphenschrift, mit der sie auf Stein, Pergament und Baumrinden Aufzeichnungen vornahmen.

Politik

Die Vereinigten Staaten von Mexiko bilden eine Föderation aus 31 Bundesstaaten und dem Bundesdistrikt Mexiko-Stadt. Drei Staaten teilen sich die Halbinsel Yucatán: Campeche im Westen, Yucatán im Norden und Quintana Roo im Osten. Der für sechs Jahre gewählte Staatspräsident wurde seit 1929 71 Jahre lang ununterbrochen von der "Partei der Institutionalisierten Revolution" (PRI) gestellt. Bei der Präsidentschaftswahl 2000 siegte erstmals die katholisch-konservative PAN. Seit Dezember 2012 regiert Präsident Enrique Peña Nieto von der PRI das Land.

Totenkult

In den Geschäften von Playa del Carmen sind sie allgegenwärtig: Skelette aus Pappmaché, mal über 2 m groß, mal im Miniaturformat, und aus Zuckerguss geformte und mit Liebesperlen dekorierte Totenschädel. In kleinen Glaskästen werden Gruppen von tanzenden und lachenden Skeletten zum Kauf angeboten, gekleidet in Mariachi-Trachten, Skelette, die sich als Braut und Bräutigam an den Händen fassen, eine Skelett-Mutter, die liebevoll ihr Skelett-Baby in der Wiege schaukelt, ganze Schulklassen aus Skeletten gar, die artig zum Skelett-Lehrer schauen. Das Ganze ist weit mehr als nur Touristenkitsch. Tatsächlich sind die Figuren Ausdruck einer in ganz Mexiko verbreiteten Einstellung zum Tod. Wie Literaturnobelpreisträger Octavio Paz in seinem Labyrinth der Einsamkeit beschreibt: "Der Tod ist immer bei uns: auf unseren Fiestas, beim Glücksspiel, in unserem Liebesleben … Der Kult des Todes ist, wenn er tiefgründig und vollkommen ist, auch ein Kult des Lebens." Gerade Westeuropäer, die einer den Tod aus dem Bewusstsein verdrängenden Kultur entstammen, fühlen sich mitunter seltsam berührt angesichts dieser mexikanischen Haltung.

Voladores

Vor den großen archäologischen Stätten wird oft ein artistisch anmutendes Schauspiel vorgeführt, die danza de los voladores, das auf präkolumbische Traditionen zurückgeht. Auf der Spitze eines 10 bis 30 m hohen Pfahls ist ein quadratischer Holzrahmen befestigt. Unterhalb dieser kleinen, drehbaren Plattform sind vier lange Seile um den Mast gewickelt. Fünf Indios, gekleidet in phantasievolle Kostüme, klettern geschickt nach oben. Vier der Männer setzen sich an die Seiten der Plattform und binden sich ein Seilende um die Hüfte. Der Fünfte thront in der Mitte, spielt Flöte und tanzt dazu. Auf ein Kommando lassen sich die vier voladores kopfüber vom Rahmen fallen, der sich zu drehen beginnt. Die "Flieger" schweben mit dem Kopf voran und ausgebreiteten Armen zu Boden. Dabei drehen sie sich um den Mast, von dem sich die Seile abwickeln. Sie machen 13 Umdrehungen und wenden sich kurz vor dem Auftreffen auf dem Boden, um auf den Füßen zu landen.

Die Vorführung hat eine symbolische Bedeutung: Vier voladores mal 13 Umdrehungen ergibt 52 - eine magische Zahl des Mayakalenders. Während der Vorstellung wird von den Zuschauern Geld eingesammelt.

Wirtschaft

Mexiko ist traditionell ein Agrarland. Auf der Halbinsel Yucatán werden Mais, Bohnen, Chilis, Kartoffeln, Reis und Zuckerrohr sowie Avocados, Papayas, Mangos, Zitrusfrüchte und Bananen angebaut. Auch Kautschuk wird immer noch gewonnen. Mexiko besitzt zudem sehr große Erdölvorräte. In Yucatán ist der Tourismus die Einkommensquelle Nummer eins. Rund 500 Menschen verlassen hier täglich für immer ihre Hütte auf dem Land und ziehen in die Badeorte, um sich als Kellner, Fahrer, Putzfrau oder Wächter zu verdingen.

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"Verde arriba!", das "Grüne nach oben", hörte der Autor einen Agrarexperten vor Jahren bei Aufforstungsarbeiten in Yucatán zu den Landarbeitern sagen. Diesen genialen Hinweis beherzigt er seitdem auch in seinem Garten im Rheingau. Hier lebt der Psychologe mit seiner Familie, wenn er nicht auf Reisen ist, oft auf der Yucatán-Halbinsel, wo er gern aktuelle Ausgrabungen besucht.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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