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Reiseführer Venezuela:Ausflüge & Touren

Dschungel und Anden, weite Karibikküste und Tafelberge, Indianercamps und tosende Wasserfälle: Venezuela in all seinen Facetten

Von der Küste in die Anden

Für den Beginn der Reise in Caracas empfehlen wir die bequeme Variante, nämlich die klimatisierten, komfortablen Reisebusse von Aeroexpresos (Busbahnhof: Quinta Marluz | Av. Principal de Bello Campo | Chacao | Tel. 0212 2662321 | www.aeroexpresos.com.ve) oder Rodovías de Venezuela (Av. Libertador/Boulevard Amador Bendayán | Tel. 0212 5776622). Wer es rustikaler und preiswerter haben möchte, nimmt vom Terminal La Bandera aus einen Bus. Dort kommt man am besten mit dem Taxi hin, denn es liegt 3,5 km südlich des Zentrums von Caracas.

Lösen Sie ein Ticket nach Maracay (Fahrzeit zwei Stunden), einer betriebsamen Halbmillionenstadt. Maracay war zwei Jahrzehnte lang (1915-35) die Hauptstadt Venezuelas, weil dort der Diktator Juan Vicente Gómez Paläste für sich, seine Schranzen und seine Geliebte erbauen ließ; dazu gehören das Teatro Ateneo de Maracay und die Casa de Dolores Amelia. In der Nähe der sehr schönen Plaza Bolívar liegt das Hotel Jardín, auch aus dieser Zeit, heute Sitz der Provinzregierung. Die barocke andalusische Stierkampfarena von 1933 zieht auch international renommierte Toreros an. Auf dem Programm steht jedoch kein echter Stierkampf. Bei den Toros coleados sind die einzig wirklich gefährdeten Teilnehmer die Toreros selbst. Kein Wunder, da den Stieren mitunter ganz schön zugesetzt wird. Ziel ist es nämlich, dass die Tiere sich dreimal überschlagen. Eine gute, deutschsprachige Unterkunft mit Schwimmbad in den ruhigen Außenbezirken von Maracay im malerischen Vorort El Limón ist die gepflegte Posada El Limón (24 Zi. | Calle El Piñal 64 | Tel. 0243 2834925 | www.posadaellimon.com | €). Das kulinarische Angebot konzentriert sich an der Avenida Las Delicias, dort liegt die schöne Tasca Bodegón de Sevilla (Tel. 0243 2418154 | €) und das viel gerühmte Odas Café, mit euro-asiatischem Einschlag (Av. Las Delicias, direkt neben dem Gebäude der Handelskammer | Tel. 0243 2414101 und 0243 2424232 | www.odasrestaurant.com | €€€).

Von Maracay geht es über Valencia, eine hässliche Industriestadt, nach Puerto Cabello, das man nach etwa zweieinhalb Stunden erreicht. Puerto Cabello ist ein wichtiger Industriehafen, der wenig auf Tourismus ausgerichtet ist. Trotzdem: Ein Bummel über den attraktiv angelegten Paseo El Malecón, die Uferpromenade, und durch die restaurierte kolonialzeitliche Altstadt lohnt. Einen Sandstrand in der Nähe gibt es auch, die Bahía de Patanemo. Schön wohnt man direkt in der Altstadt in der Posada Santa Margarita (7 Zi. | Calle Bolívar 4-36 | Tel. 0242 3617113 | www.ptocabello.com | €€), einem stilgerecht möblierten, renovierten 200 Jahre alten Kolonialhaus mit Dachterrasse.

Der Busbahnhof liegt an der Av. La Paz. Auf der Strecke nach Barquisimeto, das in etwa dreieinhalb Stunden erreicht ist, kommt man in Chivacoa vorbei, einem der wichtigsten Pilgerzentren des María-Lionza-Kults. Wer das bunte Allerlei verschiedener Religionen und Glaubensrichtungen sinnlich erfahren möchte, der sollte einen Tag in Chivacoa mit seinen Devotionalienläden und Pilgerbüros verbringen.

Barquisimeto (750000 Ew.), Venezuelas viertgrößte Stadt, verbirgt einen schönen kolonialen Kern hinter der üblichen Fassade einer lärmigen Geschäftsstadt. Eine Oase der Ruhe ist der grüne Parque Ayacucho. Komfortable Unterkunft in gehobener Umgebung: Posada La Segoviana (18 Zi. für 2-6 Pers. | Calle 7, zwischen Carrera 2 und 3 | Stadtteil Nueva Segovia | Tel. 0251 2524841 | posadalasegoviana.com.ve | €€).

Von Barquisimeto aus fahren alle zwei Stunden Busse nach Coro (Abstecher empfohlen, Reisezeit sieben Stunden) und mindestens zwei Nachtbusse nach Mérida (acht Stunden Fahrt). Die Route nach Coro verläuft durch eine stark hügelige, trockene Landschaft, die das einzige Weinanbaugebiet Venezuelas umschließt. Ein Abstecher nach Carora, zu einem der am besten erhaltenen Kolonialorte in Venezuela, lohnt allemal. Hier finden Sie Unterkunft in der rustikalen Posada Madre Vieja (16 Zi. | Av. Francisco de Miranda | Tel. 0252 4210791 | €). Der Wein von Altagracia wird von der Firma Pomar produziert, wie der Name schon vermuten lässt, ein Ableger der allpräsenten Polar. Hergestellt werden Spitzenweine und ein exquisiter Sekt, der sich mit dem besten französischen Champagner messen kann. Mit Voranmeldung kann man die Bodega und die zugehörigen Weinberge besuchen (Tel. 0252 4211889 und 0212 2028907).

Eine attraktive Andenstrecke, zum Teil auf malerisch gelegenen Routen, führt anschließend von Barquisimeto in die alte Hauptstadt des Landes, Quibor, und weiter nach El Tocuyo und über Gebirgsschluchten in das Folklore- und Landwirtschaftsörtchen Boconó. Dort sollten Sie sich die Servicios Campesinos Tiscachic anschauen, eine Bauernkooperative, sowie die Kunsthandwerksläden. Zwei empfehlenswerte Pensionen zum Übernachten: Posada Machinipe (5 Zi. | Calle Bolívar zwei Blocks nördlich der Plaza Bolívar | Tel. 0272 6521506 und 0416 2736913 | €) und Posada Turística Jardín Boconés (8 Zi. | Calle Girardot 3-5 | Tel. 0272 6520171 | €).

Von Boconó verkehren Kleinbusse (Fahrzeit 90 Minuten) in das sich über Andenterrassen erstreckende, koloniale Trujillo, das einen Zwischenstopp wert ist. Alle halbe Stunde bekommt man von dort aus einen Bus, der in 60 Minuten hinunter in das schwülwarme, laute Valera fährt, einen Knotenpunkt für mehrere Andenrouten. Die 170-km-Strecke von dort hinauf nach Mérida führt an blühenden Kohl-, Kartoffel-, Knoblauch- und Karottenfeldern vorbei, bis sie den höchsten Pass des Landes erreicht, den Paso El Águila auf 4002 m Höhe. Hier sollten Sie aussteigen und eine heiße Schokolade trinken!

Die klare Bergluft von Mérida macht den Kopf frei für neue Abenteuer. Den Besuch können bergerfahrene und konditionsstarke Traveller mit einer Besteigung von Venezuelas höchstem Berg krönen, dem Pico Bolívar (5007 m). Der Aufstieg zum Pico Humboldt mit 4942 m verspricht genauso viel Abenteuer, ist ohne große Bergsteigerfahrung, aber mit guter Kondition zu schaffen. Beide Touren dürfen nur mit erfahrenen Guides der Region durchgeführt werden.

Von den Anden in die Llanos: Die 200-km-Strecke von Mérida (Busterminal in der Av. Las Américas) hinunter in die Viehzüchtermetropole Barinas, die Pforte zu den tellerflachen, heißen Llanos, ist mit ihren atemberaubenden Landschaftswechseln eine der schönsten des Landes. Die Straße schraubt sich hinter Mérida bis nach Apartaderos noch einmal auf fast 4000 m Höhe. In den dortigen kleinen Restaurants werden Knoblauchforellen serviert. Ein Tipp für authentisches Kunsthandwerk ist die Casa del Páramo an der Hauptstraße mit kleinem Caférestaurant.

Später säumen dichte subtropische Wälder sowie Tabak-, Bananen-, Kaffee- und Obstplantagen den kurvigen Weg; die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada hat man immer im Blick. Von Barinas aus können Sie eine Tour durch die Llanos anschließen oder nach Caracas zurückkehren.

Durch den Osten und die Gran Sabana

Der erste Streckenabschnitt führt vom Busterminal von Rodovías in Caracas ins knapp 300 km entfernte Puerto La Cruz (Terminal von Rodovías | Av. Intercomunal | Sector las Garzas | Lechería | Tel. 0281 2861510). Von dort geht es entlang der wunderschönen Küstenstraße 9 mit Blick auf den ruhigen Golf von Cariaco und die Halbinsel Araya weiter in die Fischer- und Studentenstadt Carúpano. Der Busbahnhof liegt an der Strandpromenade, Busse und Sammeltaxen fahren zu allen Zielen in der Umgebung.

Ein Erlebnis der ganz besonderen Art ist Urwaldtrekking durch den Regenwald der Halbinsel Paria nahe den heißen Schwefelquellen von El Pilar. Über Parianatours (Tel. 0294 8980900 | www.parianatours.com) bekommen Sie einen einheimischen Guide, der Sie durch die wahrhaft heißen Urwälder führt. Man startet bei lauwarmem Wasser, passiert kochende Schwefelquellen beim spannenden Fußmarsch über Stock und Stein und erreicht schließlich einen erfrischenden, nun aber kalten Wasserfall inmitten des Regenwalds.

Die nächste Etappe führt von Carúpano ins Orinocodelta (www.orinocodelta.info), das Abenterlustige ab dem Nationalpark Turuépano auch per Boot mit Überquerung des unberechenbaren Golfs von Paria erreichen können. Wenn Sie Angst vor hohem Seegang haben, fahren Sie dagegen lieber mit dem Bus nach Tucupita und buchen vor Ort bei einem der zahlreichen Anbieter Ihre Abenteuertour.

Vom Orinocodelta nach Ciudad Bolívar am Mittellauf des Orinoco ist es nicht mehr allzu weit. Südlich des Orinoco weicht die Kulturlandschaft offener Savanne, später dem Dschungel. Um mehr von der Landschaft zu sehen, sollten Sie einen der langsameren Regionalbusse nehmen, die tagsüber von Ciudad Bolívar nach Santa Elena verkehren und etwa 14 Stunden brauchen.

Bei km 88 beginnt der kurvenreiche Aufstieg aus dem schwülen Tiefland hinauf auf die Gran Sabana, die fast unberührte Welt der Tafelberge (tepuis). Das Hochland (800 m im Schnitt) bildet die Wasserscheide zwischen dem Orinocobecken und dem Amazonastiefland. Die offene Savanne, die Tafelberge, die zahlreichen Wasserfälle und die wenigen Dörfer der indianischen Bevölkerung sind faszinierende Erlebnisse.

Mit ein wenig Glück und Initiative lässt sich ein Abstecher zum Salto Aponguao organisieren; mit 105 m Fallhöhe auf einer Breite von 120 m ist er der mächtigste aller Wasserfälle in der Gran Sabana. Rund 40 km weiter, bei km 202, befindet sich der Salto Kamá (50 m Fallhöhe), ein kleines Badeparadies. Bei km 237 sollten Sie sich unbedingt die Kaskaden von Quebrada de Pacheco ansehen. Dort ist auch die Übernachtung in einfachen Hütten möglich. Ein besonderes Naturschauspiel bietet bei km 273 die Quebrada de Jaspe, ein Wasserfall, der durch den felsigen Untergrund eine orangerote Färbung anzunehmen scheint.

Wer tiefer in die Gran Sabana vordringen möchte, unternimmt von Santa Elena aus Exkursionen zur Franziskanermission Kavanayen und in das vom Indianervolk der Pemones betriebene Camp Mantopai. Die gesamte Region ist nahezu unbewohnt, und entsprechend abenteuerlich gestalten sich die Fahrten durch die Landschaft. Das Indianercamp Mantopai breitet sich malerisch am Fuß eines tepui entlang eines Flusses aus. Pemones laden zu Wanderungen in ihre Welt ein. Beide Erlebnisse bietet Backpacker-Tours (Tel. 0289 9951524 | www.backpacker-tours.com) als Ausflugspaket an.

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Der Autor und Betreiber einer kleinen Reiseagentur (www.parianatours.com) lebt seit über 20 Jahren in Lateinamerika und gilt als Pionier für den Individualtourismus in Venezuela. Stets im Urwald, auf der Piste, an den abgelegensten Orten, aber auch in Städten unterwegs, kennt er das Land wie kaum ein Zweiter und überrascht selbst seine venezolanischen Freunde immer wieder mit neuen Zielen.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de