bedeckt München

Reiseführer Venezuela:Auftakt

Entdecken Sie Venezuela!

Haben Sie sich schon einmal in ein Land verliebt? Im Fall von Venezuela könnte Ihnen das glatt passieren! Dort erwarten Sie landschaftliche Superlative wie der höchste Wasserfall und der größte Asphaltsee der Welt, die einzigartigen Tafelberge sowie die größte Tropfsteinhöhle des Kontinents. Die bunt gemischte, lebenslustige Bevölkerung sorgt für karibische Stimmung. Die überwältigende, äußerst vielfältige Natur schlägt Besucher ebenso in ihren Bann wie die exotische und artenreiche Tierwelt. Nicht zu vergessen: kilometerlange, weiße Sandstrände und natürlich das angenehme tropische Klima. Und wer Salsa und Merengue, aber auch klassische Konzerte sowie traditionelle Feste liebt, wird das Land auch kulturell richtig schätzen lernen.

Venezuela vereint auf einer Fläche von nur wenig mehr als 900000 km2 - etwa so viel wie Deutschland und Frankreich zusammen - eine landschaftliche Vielfalt, wie sie sonst auf ganzen Kontinenten nicht anzutreffen ist. Und sosehr die Venezolaner ihre Isla Margarita lieben und sie alljährlich zu Ostern, Weihnachten und an jedem verlängerten Wochenende beehren, so preisen sie auch die überwältigenden anderen Landesteile. Alles ist möglich: Traumurlaub unter Kokospalmen an karibischen Gestaden, Hochgebirgstouren durch die bizarre Welt der Anden (der Pico Bolívar erreicht 5007 m!), Wildwasserfahrten und Expeditionen auf den Spuren Alexander von Humboldts bis zum Casiquiare, der sowohl in den Orinoco als auch in den Río Negro mündet, auf dem Pferd mit venezolanischen Cowboys durch die Llanos zu streifen oder die Gran Sabana mit ihren wolkenverhangenen Tafelbergen zu besuchen.

In Caracas mit seinen modernen, spiegelglasverkleideten Betontürmen und seiner schnellen Metro pulsiert das gesellschaftliche Leben des Landes. Jeder vierte Venezolaner lebt in der Hauptstadt und fühlt sich als caraqueño den Provinzlern haushoch überlegen. Dabei sind die meisten caraqueños selbst Zugereiste.

Caracas ist eine grelle und schnelllebige Stadt. Unter allen Metropolen Lateinamerikas ist sie die modernste, vielleicht sogar die lauteste, und Chicago mit Sicherheit ähnlicher als Quito. Die Hauptstadt liegt auf 800 m Höhe in einem Windkanal zwischen den Bergen. Nennenswerte Industrie findet sich hier nicht. Die Luft in diesem "ewigen Frühling", wie Humboldt das Klima von Caracas einst bezeichnete, könnte also himmlisch sein - wenn die Autos und Abgase nicht wären. Die zweite Millionenmetropole in Venezuela ist Maracaibo ganz im Westen, wo es mit einer Durchschnittstemperatur von fast 32 Grad besonders heiß wird. Als Hauptstadt der Ölförderung ist sie der "Goldesel" der Republik und bietet den höchsten Lebensstandard. Maracaibo erstreckt sich an einer karibischen Meerenge, welche den Maracaibosee mit dem offenen Meer verbindet und von einer architektonischen Attraktion, der 9 km langen General-Rafael-Urdaneta-Brücke, überspannt wird.

In den Städten wird gearbeitet, in den Badeorten das Geld ausgegeben. Atolle und Riffe, exzellente Tauchsportparadiese, sind in Los Roques sowie den Nationalparks Morrocoy und Mochima der Küste vorgelagert. Von Mochima ist es nur ein Katzensprung zur Isla Margarita, die landschaftlich so schön ist, dass einem der Urlaub jenseits des Liegestuhls versüßt wird.

Am Fuß der Halbinsel Paraguaná stößt man auf eine der Kolonialperlen Venezuelas: Coro, die zweitälteste Stadt des Landes. Weiter westlich schließt sich das hitzeflimmernde Tiefland um den Maracaibosee an, in dem man Anfang des 20. Jhs. Erdöl fand. Etwa 200 km Luftlinie südlich, in Mérida, wartet die einsame, kühle Welt der Anden, der klaren Gebirgsbäche und abgelegenen Indiodörfer. Hier ist nichts mehr vom hektischen karibischen Venezuela zu spüren.

Endlose Weiten und ein Himmel ohne Grenzen: Die wahre Seele Venezuelas liegt in den Steppen und Savannen im Südwesten, meinen viele. Hier finden Sie Cowboyromantik und Lagerfeuer unterm Sternenzelt. Südlich des Orinoco kommt man nur noch mit dem Einbaum weiter, in die "grüne Hölle" Amazoniens. Die Reise den Fluss hinauf ist heute kaum weniger abenteuerlich als zu Zeiten Alexander von Humboldts. Und sein Delta, bewohnt von den Wassermenschen, den Warao, die in offenen Pfahlbauten leben und in Einbäumen fischen gehen, ist eine kleine Sensation für sich.

Das größte Abenteuer erwartet Besucher südlich des Orinoco im Staat Bolívar. Wie stumme Zeugen der Vergangenheit ragen die Tafelberge aus der Gran Sabana auf, der "Großen Savanne". Sie beherbergen eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Die tepuis, die indianischen "Häuser der Götter", sind von Wolken gekrönt, und von ihren Felswänden rauschen gewaltige Wasserfälle herab - der Salto Angel fast 1000 m tief! Dschungelcamps und Urwaldpfade haben diese Welt für Naturliebhaber erschlossen.

Venezuela hat im 20. Jh. gewaltige Umwälzungen durchgemacht. Zwischen Großstädten und Land bestehen enorme Unterschiede, was an den zu Beginn des 20. Jhs. entdeckten Erdölvorkommen liegt. Seit das Öl in Fontänen zum ersten Mal aus der Erde sprudelte, verließen Bauern Vieh und Pflug, Kaffeeplantagen und Kakaofelder, um vom "schwarzen Gold" zu profitieren. Caracas und Maracaibo verwandelten sich schnell von beschaulichen Provinznestern in moderne Metropolen. Heute leben vier von fünf Venezolanern in der Stadt; die größten Orte liegen in der Küstenregion. Die Petrodollars haben das Land verdorben, meinen die Kulturkritiker. Die Ölmilliarden haben das Land zum reichsten Südamerikas gemacht, darauf verweisen die Ökonomen. Doch der Reichtum kommt leider nicht bei allen Bevölkerungsschichten an und geht durch Korruption verloren. Ungeachtet dessen und anderer Sorgen des Alltags sind die Venezolaner ein lebenslustiges Volk geblieben.

Wie sich das Land selbst klaren Definitionen entzieht, so mögen es auch viele Venezolaner nicht, sich festzulegen, beim Wort genommen oder gar an Zusagen erinnert zu werden. Die Gelegenheit beim Schopf zu packen ist viel interessanter, als Nibelungentreue zu zeigen. Leicht ändern Einheimische ihre Meinung. Und wer sind die Venezolaner? Unter den rund 25 Mio. Bürgern dominiert eine dunkle Hautfarbe - und die Jugend. Die Hälfte der Bevölkerung ist unter 18 Jahre alt. 70 Prozent aller Venezolaner haben europäische, afrikanische oder indianische Vorfahren; 20 Prozent bezeichnen sich als weiß, acht Prozent als schwarz, und rund ein Prozent der Bevölkerung sind Indianer. Der Alltag in Caracas unterscheidet sich sehr von dem in einem Andendorf, einem Küstenort oder einem Dschungelnest am Orinoco. Ein zurückhaltender Andenbewohner hat wenig gemein mit dem fröhlich-lässigen Ostküstler, dem selbstbewusst-spöttischen maracucho aus Maracaibo oder dem stolzen, ernsten llanero.

Und bei all dieser Vielfalt werden Sie am Urlaubsende denken: Wie werde ich das alles vermissen, den Orinoco, die Gran Sabana, die Anden und Tafelberge, das kristallklare Meer, nicht zu vergessen den Rum und das Nationalgericht pabellón criollo!

Weiter zu Kapitel 2

Der Autor und Betreiber einer kleinen Reiseagentur (www.parianatours.com) lebt seit über 20 Jahren in Lateinamerika und gilt als Pionier für den Individualtourismus in Venezuela. Stets im Urwald, auf der Piste, an den abgelegensten Orten, aber auch in Städten unterwegs, kennt er das Land wie kaum ein Zweiter und überrascht selbst seine venezolanischen Freunde immer wieder mit neuen Zielen.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de