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Reiseführer Venetien - Friaul:Auftakt

Entdecken Sie Venetien und das Friaul!

Italiens Nordosten hat alles, was Urlauber sich wünschen: gepflegte Strände und schroffe Berge, idyllische Flusslandschaften und sanfte Hügel, berühmte Städte mit internationalem Flair und malerische verschlafene Dörfer. "Kultur" meint hier nicht nur wunderschöne Villen und Überreste der Römerzeit, sondern auch leibliche Genüsse: Grappa und Wein, Schinken und Pasta, Meeresfrüchte und Flussfische ... Eine Reise nach Venetien und Friaul ist also wirklich eine Reise in ein kleines Paradies auf Erden.

Venedig, die Arena von Verona, der Gardasee und seine Riviera degli Ulivi - so nennt sich das venetische Ostufer mit den Olivenbaumhainen -, die Villen im Veneto und die Palladio-Architektur, Skipisten in den herrlichen Kalkalpen der Dolomiten, Rebhänge, von denen köstliche Weine kommen, endlose Sandstrände an der Adria: die ersten konkreten Assoziationen zum Nordosten Italiens. Wohl kaum ein Gebiet Italiens bietet so viel Unterschiedliches an Landschaften, Orten, Genüssen wie die beiden Regionen Venetien und Friaul-Julisch-Venetien.

Und die Menschen? Sie lieben den Wein, in den Bars und Osterien genehmigt man sich gern ein Gläschen. Doch zugleich sind sie Workaholics und Familienmenschen - ein schillerndes Nachtleben werden Reisende vergeblich suchen. Dafür brummt es im Sommer in den Badeorten.

Dennoch, wie alle Italiener lieben die Veneter die Geselligkeit, und in den Bars und Trattorien sieht man sie reden und lachen. Nur versteht man auch als des Italienischen Kundiger kaum ein Wort - denn die Umgangssprache ist der venetische Dialekt und im Friaul das Furlanische. Alle sprechen es, der Möbelpacker, der Manager, die Contessa und der Gondoliere. Mit Reisenden spricht man natürlich italienisch - höflich und immer ein wenig reserviert. Selten sieht man jemanden hitzig aufbrausen, das extrovertierte, oft auch schrille mediterrane Temperament wird man hier allenfalls ausnahmsweise finden.

Pragmatismus ist hier die Lebensphilosophie. Das zeigt sich etwa im unsentimentalen Verhältnis der Veneter zu ihrer Hauptstadt Venedig, dieser weltberühmten Stadt: Vielen Bewohnern Paduas oder Veronas ist sie viel zu unmodern, im Abseits, ein museales Luxusgeschöpf. Das Friaul wiederum mit seiner keltisch-karnischen Bergwelt fühlt nur wenig Gemeinsamkeit mit der Regionshauptstadt Triest, dieser so österreichisch geprägten Hafenstadt an der Küste.

Der Nordosten Italiens liegt zwischen zwei Extremen, zwischen Alpen und Adria, zwischen hochalpiner Bergwelt und endlosen Sandstränden. Das beginnt im Veneto mit den über 3000 m hohen Dolomiten aus splittrigen, silbrigen Kalktürmen und -spitzen - und nach zwei Stunden Fahrt erreicht man kilometerlange Sandstrände am Mittelmeer. Friaul-Julisch-Venetien hat seine auf fast 3000 m ansteigenden Karnischen und Julischen Alpen, weniger spektakuläre Bergszenarien, eher versteckt, mal Bergbauernidyll, mal spröde Urwüchsigkeit. In den letzten Jahren wurden sie zunehmend von einem naturverbundenen, familienfreundlichen Tourismus entdeckt. Wiederum nur zwei Autostunden entfernt liegen die Sandstrände von Grado und die Klippenküste zwischen den Schlössern Miramare und Duino.

Ungefähr auf halbem Weg zwischen Alpen und Mittelmeer ruht der Gardasee, mit seinen 370 km2 der größte italienische Binnensee, im Norden umgeben von hohen, mächtigen Felswänden, während im Süden der Anblick der Zypressen und Olivenhaine das Herz der Reisenden aus dem Norden höher schlagen lässt.

Teils sanft, teils dramatisch fallen die Berge in Stufen zur Ebene hin ab, etwa über die Hochebene von Asiago mit ihren weich gewellten Almwiesen, im Winter ein Loipenparadies, im Sommer das Dorado der Biker. Oder über den Karst bei Triest und Görz mit seinen unheimlichen Hohlräumen, Wunderwelten aus Tropfstein und unterirdischen Flüssen. Oder die sanften Hügel, auf denen berühmte Weine wachsen: Soave bei Verona, Prosecco um Conegliano und Valdobbiadene und nicht zuletzt der Collio im Friaul, eine Landschaft, die Kenner als die Toskana des Nordostens bezeichnen. Bleibt schließlich die fruchtbare Ebene der vielen Flüsse, die aus den Bergen hinunter ans Meer wollen: der Po, die Etsch, der Brenta und der Piave im Veneto, Isonzo und Tagliamento im Friaul. Mit ihren Mündungslandschaften und den Lagunen bildet sich längs der Küste eine amphibische Übergangswelt, halb Land, halb Meer - von großem Reiz ist vor allem das Podelta.

Viele der schönen alten Städte gehen auf Gründungen der ersten Veneter zurück. Die hatten hier schon lange vor den Römern eine städtische Kultur zu entwickeln begonnen, auch wenn es dann die Römer waren, die den Nordosten Italiens als Siedlungs- und vor allem Handelsgebiet zwischen Mitteleuropa, dem Balkan, der Adria und dem Süden erschlossen. Roms Erbe repräsentieren u. a. die gewaltige Arena in Verona und die Ruinen Aquileias, für die Verbreitung des Christentums stehen die wunderbaren frühchristlichen Kirchen in Aquileia und in Grado. Auch die kunstvollen Hinterlassenschaften der Langobarden in Cividale sind ein Höhepunkt auf der Reise ins Friaul.

Zeugen der freien Bürgerstädte des Mittelalters sind die Palazzi della Ragione ("Paläste der Vernunft"), in denen die Bürgerversammlungen der freien mittelalterlichen Kommunen tagten, als schönstes Beispiel der prachtvolle Palazzo della Ragione in Padua. Die vielen Burg- und Festungsanlagen bis hin zu den città murate, den "eingemauerten Städtchen" wie Montagnana, Villafranca, Marostica, sind Zeichen jener Periode, in der ein paar Heerführer und Familien durch Brutalität und geschickte Bündnispolitik im Mittelalter die Oberhand über die Städte und das ganze Territorium gewannen. Ab dem 14./15. Jh. ist dann Venedig an der Reihe: Auf Plätzen und Palazzi taucht immer häufiger der venezianische Markuslöwe auf. Überall setzte sich der Charme venezianischer Ästhetik durch, Loggien, dreiteilige Triforienfenster, bemalte Fassaden. Als Nächste kamen die Habsburger und entwickelten Triest zu ihrem kosmopolitischen Adriahafen. Der Reichtum der Städte und Bistümer und der rege Austausch in alle Himmelsrichtungen förderten das Kunstschaffen. Neben Florenz wurde das Veneto zum zweiten großen Kunstzentrum in Italien.

Nach so viel Kultur geht es zum Ausgleich an den Gardasee - zum Schwimmen, Surfen, Segeln - oder an die Adriastrandbäder, ins familienfreundliche Grado oder nach Lignano und Jesolo, wo sich abends in den Clubs und Diskos die Jugend trifft, in Triests herrliche Kaffeehäuser, zum Aperitif in die mondäne Dolomitenkapitale Cortina oder zu einem Gläschen in die Weinstuben Veronas und Udines, in die Buschenschenken im Karst.

Und auch für erfahrene Nordostreisende gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Viele Hotels sind modernisiert und aufgefrischt worden, nette neue Gasthäuser sind entstanden und wie überall in Italien werden freundliche und oft auch sehr schicke B-&-B-Unterkünfte in schön restaurierten Altstadthäusern oder idyllisch auf dem Land angeboten. Auch öffnet sich diese eher konservative Ecke zunehmend umweltfreundlichen Konzepten, mit biologischer Wein- und Olivenölproduktion, mit Bauernmärkten, Naturreservaten, Fahrradrouten und Ausflugsangeboten auf den zahlreichen Flüssen.

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Seit drei Jahrzehnten pendelt die Autorin zwischen Bologna und Düsseldorf. Sie schreibt Reiseführer und übersetzt Kinder- und Jugendliteratur. Gelegentlich organisiert sie für Gruppen Kurzreisen zu ausgewählten Themen. Im Nordosten Italiens ist sie immer wieder unterwegs auf der Suche nach Neuem, mal in Wanderschuhen in den Dolomiten, mal auf dem Segelboot im Golf von Triest.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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