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Reiseführer USA Südstaaten:Stichworte

Ein kleiner Steckbrief des Südens: die Kultur der southerners von ihrer Einstellung zum Glauben bis hin zu ihrem lässigen Dialekt

Antebellum

Häufig zu lesender Begriff (lat. "vor dem Krieg") für die Blütezeit der Südstaaten während der ersten Hälfte des 19. Jhs. Die Einwohner Alabamas, Georgias, Mississippis, Louisianas und der Carolinas lebten fast ausschließlich vom Tabak- und Baumwollanbau. Sklavenarbeit schuf die Basis für eine aristokratisch geprägte, Pracht liebende Pflanzerkultur, die mit den herrlichen southern mansions ihre eindrucksvollste Visitenkarte hinterlassen hat. Später half Hollywood der Mythenbildung mit erfolgreichen Filmen wie "Vom Winde verweht" (1939) nach: Die Südstaatlerinnen waren fortan entweder kokette southern belles oder traurig-tragische Heilige, während die Herren ungestüme Hitzköpfe oder willensschwache Idealisten gaben. Den Schwarzen überließ Hollywood die Rolle der loyalen, gehorsamen Sklaven.

Bible Belt

"God is like alka seltzer - he's such a relief". Die Kirchen des Südens buhlen mit einfallsreichen Slogans am Straßenrand um Schäflein. Die sind für das Allheilmittel namens Gott durchaus empfänglich: Im sogenannten Bible Belt (Bibelgürtel), der sich von Lynchburg im Süden Virginias in südwestlicher Richtung quer durch den Süden zieht, gehört der Kirchgang am Sonntag ebenso zum Alltag wie die Sonntagsschule. Untrügliches Zeichen dafür, dass Sie sich im Land der Frommen befinden: Im Autoradio läuft verstärkt Christian Rock mit frommen Texten und Predigten beliebter Evangelisten. Selbst in God's own country ist allerdings nicht alles in Ordnung: Der Bible Belt weist nach dem Scheidungsparadies Nevada die höchste Scheidungsrate der USA auf. Experten machen nicht nur das niedrigere Durchschnittseinkommen im Süden und die Neigung zum frühen Heiraten dafür verantwortlich, sondern auch die Religion. Danach werde der Bible Belt von protestantischen Fundamentalisten beherrscht, die zwar das heilige Sakrament der Ehe predigten, zugleich jedoch, anders als die im Norden stärkere katholische Kirche, geschiedene Gläubige nicht durch scheidungsfeindliche Rhetorik entfremden würden. Vielleicht ist es aber auch nur die von einem so strengen Regime angestachelte Lust an der Sünde.

Civil Rights Movement

In den 1950er-Jahren wurde die amerikanische Gesellschaft von einem seit dem Ende des Bürgerkriegs vertagten Thema eingeholt: der Gleichstellung der Rassen. 1863 hatte Präsident Abraham Lincoln die Sklaven in den Südstaaten für frei erklärt, aber die berüchtigten Jim-Crow-Gesetze bewirkten alsbald deren neuerliche Entrechtung: Noch bis in die 1960er-Jahre wurde nicht nur in den Südstaaten, sondern u. a. auch in North Dakota und Wyoming anhand dieser Verordnungen die Rassentrennung durchgesetzt. Sie waren nach einer Figur in den damals populären Minstrel Shows (Gesangs- und Tanzdarbietungen fahrender afroamerikanischer Künstler) benannt und sahen Strafen für jeden vor, der mit Personen anderer Hautfarbe verkehrte. Am weitesten verbreitet waren das Heiratsverbot zwischen den Rassen und die Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen und Geschäften. 1896 zementierte der Supreme Court die illegale, aber tagtäglich praktizierte Rassentrennung im öffentlichen Leben mit der Formel separate but equal. Im Alltag sorgten der Ku-Klux-Klan, aber auch einfache Bürger durch Einschüchterung und Terror für ihre Durchsetzung. Das Jahr 1954 markierte die Wende. Am 17. Mai beschloss der Supreme Court die Aufhebung der Rassentrennung an allen öffentlichen Schulen - von denen viele den Richtspruch jedoch missachteten: 1960 hatten erst 765 der 6676 Schulbezirke im Süden die Rassentrennung aufgehoben. Am 1. Dezember 1955 wurde Rosa Parks in Montgomery (Alabama) verhaftet, weil sie sich geweigert hatte, ihren Platz im Bus für einen Weißen frei zu machen. Der folgende Boykott aller rassistischen Busgesellschaften gilt als Beginn der Bürgerrechtsbewegung.

Dixie

Die Supermarktkette Winn-Dixie und zig Geschäfte, die das Wörtchen im Namen führen, drei weltweit erfolgreiche Musikerinnen namens "Dixie Chicks", Hunderte Songs mit dem Begriff im Titel wie "The Night They Drove Old Dixie Down" oder "I wish I was in Dixie" und, last but not least, eine Region, die von ihren Bewohnern liebevoll "Dixie" genannt wird. Diese stimmt, ein Zufall ist das nicht, mehr oder weniger mit dem Gebiet der ehemaligen Konföderierten Staaten von Amerika überein. Sie werden diesen zwei Silben also früher oder später begegnen - und darüber staunen, wie in einem einzigen Wort auch 150 Jahre nach dem Bürgerkrieg noch immer so viel Wehmut und Wir-Gefühl mitschwingen kann. Dass dabei die Herkunft des Begriffs nach wie vor unklar ist, scheint die southerners genannten Bewohner der Südstaaten nicht zu stören, im Gegenteil.

Hurrikans

Die Indianer nannten sie Huracan. Bis heute sind die Hurrikans die Geißel der Karibik. Während der hurricane season von Juni bis November halten sie dieses Gebiet sowie Florida in Atem. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h fegen die Wirbelstürme dann über Inseln und Städte hinweg, wo sie eine Spur der Verwüstung hinterlassen. 2004 ging als besonders schlimmes Hurrikanjahr in die Annalen ein: Die vier dicht aufeinanderfolgenden Wirbelstürme "Charley", "Frances", "Ivan" und "Jeanne" töteten in der Karibik mehrere Dutzend Menschen, veranlassten in Florida drei Millionen Bürger zur Flucht und verursachten dort Schäden in Milliardenhöhe. Im Jahr darauf hatte Hurrikan "Katrina" vor allem für New Orleans verheerende Folgen. Auch Hurrikan Sandy, der im Oktober 2012 große Teile der Ostküste verwüstete, richtete Schäden in Höhe von über 70 Milliarden US-Dollar an. Die Aussicht, während des Floridaaufenthalts von einem Hurrikan überrascht zu werden, ist jedoch höchst gering. Das amerikanische Frühwarnsystem funktioniert ausgezeichnet und im Falle eines Falls sind Evakuierungsrouten vorbildlich ausgeschildert.

Ku-Klux-Klan

Brennende Kreuze, verängstigte schwarze Familien, berittene Kapuzenmänner: Die rassistische Geheimorganisation Ku-Klux-Klan (KKK) war lange Zeit das Kreuz des Südens. Konföderierte Veteranen, die die Gleichstellung der Schwarzen verärgerte, gründeten den KKK nach dem Ende des Bürgerkriegs in Pulaski (Tennessee). Seine Mitglieder bedrohten und ermordeten Schwarze und ihre weißen Sympathisanten mit dem Ziel, die USA "weiß" zu halten. Hierarchisch organisiert, stand an der Spitze der Grand Wizard, oft ein einflussreicher Vertreter der weißen Oberschicht. Seine Blütezeit erlebte der Ku-Klux-Klan in den 1920er-Jahren: Die Depression ließ seine Mitgliederzahl auf drei Millionen klettern. Juden, Katholiken und Einwanderer gerieten ebenfalls in sein Visier. Vorübergehend verstummt, erlebte der Klan nach dem Zweiten Weltkrieg eine Renaissance: Angesichts der Bürgerrechtsbewegung brachten seine Anhänger vor allem in Mississippi und Alabama Menschen um. Traurige Höhepunkte: die Ermordung dreier Bürgerrechtler in Mississippi und das Bombenattentat auf eine Kirche in Birmingham (Alabama). Viele Rädelsführer kamen damals hinter Gitter. Heute hat der Klan seine Taktik geändert: Statt Krawalle anzuzetteln, verbreiten die Mitglieder die White-Power-Botschaft nun als seriöse Geschäftsleute und Politiker und nutzen dazu auch das Internet.

New South

Ein oft zu hörendes Schlagwort, das die Wiederauferstehung des Südens beschreibt. Erstmals wurde es während der Phase der reconstruction nach dem Ende des Bürgerkriegs benutzt. Rund 140 Jahre später ist man der ursprünglich mit dem Begriff verbundenen Vision nahe. Politisch und wirtschaftlich mischt der New South in Washington und New York wieder mit. Die Präsidenten der letzten Jahrzehnte - Jimmy Carter, Bill Clinton, beide Bushs - stammen aus dem Süden. Die modernen Skylines von Atlanta, Charlotte und Raleigh signalisieren Fortschrittlichkeit: Tabak, Baumwolle und Landwirtschaft sind nicht länger die einzigen Einnahmequellen, in der Wirtschaft wurde erfolgreich diversifiziert und vor allem Georgia besitzt heute eine boomende verarbeitende Industrie. Florida wiederum gilt als Urlauberparadies schlechthin. Nur umweltpolitisch hinkt der Süden noch hinterher: Weder die Proteste gegen das Waldsterben in den Appalachen noch gegen die Chemikalien transportierenden Containerschiffe vor den Küsten erzeugen bislang genug politischen Druck auf die Verantwortlichen.

Redneck

Ursprünglich die Bezeichnung für den armen Weißen des ländlichen Südens, dem besonders die Städter der weltoffenen Ostküste Unwissenheit, Rassismus und einen latenten Hang zur Gewalttätigkeit unterstellten. Der Begriff soll daher rühren, dass die Landarbeiter auf dem Feld von der Sonne einen geröteten Nacken bekamen. Sie hatte bereits um 1900 einen negativen Beigeschmack. Die modernen Rednecks weisen jede Verbindung zum Rassismus entschieden von sich. Proletarier sind sie indes geblieben - und darauf sind sie stolz. Sie lieben Country Music, Dosenbier, Kautabak, Angeln und Jagen, Cowboystiefel, Jeans und Pick-up-Trucks. Sie heißen Billy-Bob oder Bobby-Jack und leben mindestens zwei Meilen von der nächsten asphaltierten Straße entfernt: Im Süden kursieren jede Menge Redneckwitze (z. B. unter www.ahajokes.com).

Southern Drawl

Neun Jahre Englisch in der Schule gelernt und doch kein Wort verstanden? Im äußersten Süden der Vereinigten Staaten ist das erklärbar. In Miami sprechen die meisten Einheimischen Spanisch; Englisch kommt vielen nur schwer über die Lippen. Südwestlich von New Orleans fließt viel Französisch ein. Ansonsten bedienen sich die Einwohner im tiefsten Alabama (wahlweise auch: Mississippi, Georgia, South Carolina) einer Aussprache, die Auswärtige gern southern drawl nennen. Vokale werden so in die Länge gezogen und Silben miteinander verbunden, dass aus Georgia Jawja wird und furners (foreigners, Fremde) keine Chance haben, auch nur ein Wort zu verstehen. Howdy?, "Wie geht's?", sagen die Südstaatler statt How do you do? Im Bible Belt, wo alle tiefgläubig sind, wird der Name des Herrn nicht missbraucht. Wer ihn doch erschrocken ausruft, sagt nicht by God, sondern by Gosh. Und damned, verdammt, ist nichts und niemand. Oder? Keep your darned cotton picken hands out of the sugar bowl! heißt eigentlich: "Lass deine verdammten Baumwollpflückerhände aus der Zuckerdose!" Gee, whiz, wird das ermahnte Kind daraufhin ausrufen und vielleicht gar nicht wissen, dass es gerade Jesus - Gee - um Verzeihung für seine Schandtaten gebeten hat. Vorsicht! Der southern drawl, so schön lässig und bequem, färbt leicht ab. Vor allem, weil man dabei den Mund nur so weit öffnet, wie es unbedingt nötig ist.

Steel Magnolia

Liebe- und respektvolle Bezeichnung für das neue Idealbild der Frauen im Süden. Als "Magnolien aus Stahl" sind sie kultiviert, anmutig und gebildet, besitzen zugleich aber auch einen eisernen Willen. Sie hängen nicht länger als hübsche, aber naiv-beschränkte southern belles am Arm ihres Kavaliers, sondern haben eigene Vorstellungen von ihrer Zukunft. Hoch angesehene steel magnolias: die Countrysängerin und knallharte Geschäftsfrau Dolly Parton aus Tennessee und die frühere First Lady Rosalynn Carter aus Georgia, die als Beraterin ihres Manns Jimmy die Politik der USA entscheidend mitgestaltete.

Yankee

Eine im Süden häufig zu hörende Bezeichnung für jeden, der aus dem Norden - sprich: der alten Union - stammt. Sie wird meist abgrenzend, mitleidvoll und/oder abschätzig benutzt. Ein typischer Yankee, so sagen die Südstaatler, habe keine Manieren, er verstehe nichts von Frauen, denke nur an Geld und seine Arbeit und sei schlicht und einfach ein Langweiler. Über den Urspung des Worts gibt es so viele Theorien wie Kneipen in New Orleans. Die meistzitierte Ansicht: Der Begriff stamme von den Holländern in New York, die im 17. Jh. ihre englischen Siedlerkollegen in Connecticut als "Jan Kaas" bezeichneten.

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Der freie Journalist lebt im kanadischen Montréal und schreibt, bloggt und filmt für deutsche Print- und Onlinemedien. Im Winter folgt er den "Snowbirds" - seinen kanadischen Mitbürgern, die dann nach Süden ziehen. Wobei er mal in Florida, mal im tiefsten Süden landet. Dort faszinieren ihn Touristenhochburgen wie Miami ebenso wie stille Enklaven am Mississippi oder die Bayous von Louisiana.

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Quelle: www.marcopolo.de

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