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Reiseführer USA Südstaaten:Special

Jenseits von Amerika

Die Gullah-Kultur ist vom Aussterben bedroht

Können Sie etwas mit „beat on ayun“ anfangen? Oder mit „sho ded“ und „i han shaht pay-shun“? Ein „beat on ayun“ (beat-on-iron) ist ein Mechaniker, ein „sho ded“ (sure dead) ist ein Friedhof, und „i han shaht pay-shun“ (His hand is short of patience) bedeutet „er stiehlt“. Im Beaufort-Distrikt sprechen noch rund 9000 Afroamerikaner dieses Idiom. Gullah basiert auf dem elisabethanischen Englisch, die Aussprache hingegen ist weitgehend afrikanisch. Angeblich ist der Name eine Verballhornung von Angola. Die Vorfahren der Gullah kamen zwischen dem 17. und frühen 19. Jh. aus West- und Zentralafrika. Auf den Plantagen der vorgelagerten Sea Islands arbeiteten sie, vom Festland isoliert, auch nach der Sklavenbefreiung in Eigenregie weiter und retteten so ihre Traditionen in die Gegenwart. Heute gelten die Gullah als die „afrikanischste“ Gruppe schwarzer Amerikaner in den USA.

Howdy? Gee, whiz!

Die Südstaatler sprechen anders

Neun Jahre Englisch in der Schule gelernt und doch kein Wort verstanden? Im äußersten Süden der Vereinigten Staaten ist das erklärbar. In Miami sprechen die meisten Einheimischen Spanisch, das Englische kommt vielen nur schwer über die Zunge. Südwestlich von New Orleans fließt viel Französisch ein, obwohl es in den Schulen verboten war. Ansonsten aber sprechen die Südstaatler mit dem southern drawl, sie ziehen die Worte gern zusammen. Howdy, wie gehts, sagen sie anstatt How do you do? Im Bible Belt, wo alle tief gläubig sind, wird der Name des Herrn nicht missbraucht. Wer ihn dennoch erschrocken ausruft, ruft nicht by God, sondern by Gosh. Und damned, verdammt, ist nichts und niemand. Oder doch? Keep your darned cotton picken hands out of the sugar bowl heißt eigentlich: Lass deine verdammten Baumwollpflückerhände aus der Zuckerdose. Gee, whiz, wird das ermahnte Kind darauf ausrufen - und vielleicht nicht wissen, dass es gerade Jesus - Gee - um Verzeihung für seine Schandtaten gebeten hat.

Cajuns

Woher stammt der Name?

Französische Bauernpioniere ließen sich zu Beginn des 17. Jhs. im heute kanadischen Nova Scotia nieder und gründeten unabhängige Gemeinwesen. Sieben Generationen später gerieten sie, zu einem Volk zusammengewachsen und sich Acadiens nennend, den damaligen Supermächten Frankreich und England in die Quere. 1755 wurde zu ihrem Schicksalsjahr: Weil sie sich weigerten, den Treueschwur auf die britische Krone zu leisten, befahl diese kurzerhand die Deportation der gesamten akadischen Bevölkerung. Ihre Dörfer wurden niedergebrannt, rund 10000 Männer, Frauen und Kinder auf Schiffe getrieben und nach Frankreich und Neuengland verschifft. Familien wurden dabei zerrissen, Freunde getrennt. Einigen Hundert gelang die Flucht ins spanische Louisiana. In den unzugänglichen Sümpfen des Mississippidelta, auf Land, das niemand haben wollte, lebten sie als Fischer, Jäger und Bauern und bewahrten ihre Sprache und Kultur bis heute.

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Der freie Journalist lebt im kanadischen Montréal und schreibt, bloggt und filmt für deutsche Print- und Onlinemedien. Im Winter folgt er den "Snowbirds" - seinen kanadischen Mitbürgern, die dann nach Süden ziehen. Wobei er mal in Florida, mal im tiefsten Süden landet. Dort faszinieren ihn Touristenhochburgen wie Miami ebenso wie stille Enklaven am Mississippi oder die Bayous von Louisiana.

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Quelle: www.marcopolo.de

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