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Reiseführer Umbrien:Ausflüge & Touren

Umbrien genießen: Gourmettrip durch das südliche Umbrien oder lieber sportlich mit einem Giro del Trasimeno per Bike?

Der Franziskusweg zu Fuß oder per Rad

Es geht bergauf, bergab, durch Steineichenwälder, Olivenhaine, Sonnenblumenfelder, Hochmoore, Karst und Geröll, wo Stille und Einsamkeit die besten Begleiter sind, oft auch Schafe und Ziegen. Abends Einkehr in einer Herberge am Wegesrand und ein gutes Glas Wein. Noch ist der Franziskusweg ein Geheimtipp im Gegensatz zum spanischen Jakobsweg nach Santiago di Compostela.

Der Weg ist das Ziel, immer dem gelben Seil nach, dem Symbol der Franziskaner, mit dem die Buchautorin Angela Maria Seracchioli ("Der Franziskusweg. Von La Verna über Gubbio und Assisi nach Rieti", 2010) und ihre Helfer liebevoll die Bäume und Steine markiert und so den Weg ins Leben gerufen haben. Der Franziskusweg folgt nicht den zeitlichen Wegstationen des Heiligen, sondern verbindet nur die Orte seines Wirkens - und der Legenden.

Der Weg auf umbrischen Gebiet führt von Città di Castello über das auf einem Höhenzug gelegene Städtchen Pietralunga mit seinem mittelalterlichen Stadtkern nach Gubbio, wohin der junge Adelige, der damals noch Giovanni di Bernardone hieß, barfuß, nur mit einem Tuch bekleidet vor seinem gewalttätigen Vater geflohen war, was historisch belegt ist. Doch in Gubbio spielt auch die schöne Legende vom Wolf, in der sich der Heilige schon vor 800 Jahren als moderner Friedensrichter erwies, als er das Wildtier mit den Worten gezähmt haben soll: "Komm her zu mir, Bruder Wolf." Und der Isegrim legte sich ihm wie ein Lamm zu Füßen.

Von Gubbio führt der Weg gute 22 km durch Felder und Wälder bis nach Biscina. Die nächste, nur 15 km lange Etappe bis zum befestigten Valfabbrica ist heute fast Erholung - was es für den hl. Franz nicht war: Bei Coccorano soll er unter die Räubern gefallen und vom Schlossherrn gerade noch gerettet worden sein. Von Valfabbrica aus können Sie die lange Tour über Ripa nach Perugia wandern. Doch die meisten Pilger nehmen die nur ca. 13 km lange Abkürzung nach Assisi über die Höhe bis zur Kirche Pieve San Nicolo. Nach dem Abstieg durch den Wald erreichen Sie - Höhepunkt des Pilgerpfads - Assisi durch die Porta S. Giacomo. Assisi ist Geburtsort und Grabstätte des hl. Franz und der spirituelle Hort des 800 Jahre alten Franziskanerordens. Auch wenn die prunkvolle Basilica di San Francesco sicher nicht den Idealen des Heiligen vom Leben in einer Lehmhütte entspricht, so ist sie doch ein Höhepunkt der Kunstgeschichte. Der Franziskuszyklus von Meister Giotto in der Oberkirche macht den Pilgern die im Schweiß erlaufenen Stationen des Heiligen erst recht lebendig.

Tageswanderung: von Assisi nach Spello

Sie erwandern sich hiermit einen besonders schönen Abschnitt des Franziskuswegs. Da es keine Verpflegungsmöglichkeit unterwegs gibt, starten Sie in Assisi mit genügend Wasser und Proviant von der romanischen Kathedrale San Rufino über die Piazza Matteotti und verlassen die Stadt durch die Porta dei Cappuccini. Danach sofort links hoch in die Zypressenallee abbiegen, vorbei an der Felsburg Rocca Minore, dann halb rechts dem steilen Pfad (300 m Höhenunterschied!) in den Wald folgen (Weg Nr. 50 nach Eremo delle Carceri). Die romantisch gelegene Einsiedelei des hl. Franziskus (tgl. 6.30-19 Uhr), die leider nicht nur über diesen Weg, sondern auch durch eine verkehrsreiche Straße samt Busparkplatz mit Assisi verbunden ist, erreichen Sie nach einer guten Stunde.

Hinter Sant'Eremo delle Carceri folgen Sie der Straße, dann geht es links ab bis zum Rifugio Vallonico (1059 m), wo Sie entlang der zauberhaften Karsthänge des Monte Subasio wandern. Bei der Karstsenke Mortara Grande kreuzen Sie die Panoramastraße auf den Monte Subasio (1290 m), wo man bei schönem Wetter bis zu den Abruzzen sehen kann. Sie wandern weiter den Weg Nr. 50 über die Almwiesen, auf denen im Sommer wilde Pferde leben, bis zur Fonte Bregno (1028 m). Folgen Sie der Beschilderung nach Spello bergab durch den Wald, bis Sie an der Porta Montanara die Altstadt von Spello erreichen. Per Bus oder Zug geht's zurück nach Assisi.

Weine und Römerstädte

Vom hoch gelegenen Orvieto aus fahren Sie hinab nach Orvieto Scalo, unter der Autostrada hindurch und sofort links auf die SS 71 Richtung Ficulle. Die Straße führt in sanften Kurven in die Höhe, die Aussicht reicht weit bis zur Bergkette, die das Tal des Tiber vom Paglia-Tal trennt. Nach etwa 14 km tauchen im Tal die trutzigen Türme des Castello della Sala (Mo-Fr 10-13, 14-17.30, Sa 10-13 Uhr | vorher besser anrufen: Tel. 076386051 | www.antinori.it) auf. Scharf links nach unten abbiegend, erreichen Sie nach wenigen Metern die (zweite) Auffahrt zur Burg. 1350 wurde das Castello von Angelo Monaldeschi della Vipera, einem Nachfahren Karls des Großen, erbaut und blieb fast sechshundert Jahre im Besitz der Familie. 1940 erwarb Piero Antinori aus der toskanischen Weindynastie das verfallene Anwesen, auf dem schon Etrusker Reben gepflanzt hatten. Wieder zurück Richtung Orvieto biegen Sie in Ciconia noch vor der Brücke scharf links auf die SS79 Richtung Cerreto/Todi ab, die sich in Kurven in die Höhe windet.

Nach 10 km zweigt rechts - jetzt schon in 500 m Höhe - eine kleine Straße Richtung Fossatello ab. Kurz darauf sehen Sie zwischen Weinbergen rechts die Fattoria Decugnano dei Barbi (Fossatello di Corbara | Tel. 0763308255 | www.decugnanodeibarbi.com). Der Stolz des Hauses reift in kühlen Tuffsteingrotten, der Decugnano Brut, ein erstklassiger Schaumwein. Die Weine gehören zur Spitzenklasse - und sind erheblich preiswerter.

Nachdem Sie die Fattoria verlassen haben, biegen Sie rechts in die Staubstraße Richtung Corbara ein. Eine riesige Staumauer schließt den Lago di Corbara ab. An ihrem Fuß führt eine Furt durch das Tal und über den Tiber - ein wenig abenteuerlich, jedoch ungefährlich. Nur nach starken Regenfällen wird die Schleuse geöffnet. Dann müssen Sie, um nach Civitella zu gelangen, von Corbara die hübsche Landstraße zurück nach Orvieto Scalo fahren und dort auf die SS448 Richtung Todi einbiegen - leider ein Umweg von 40 km.

Sie fahren nun 5 km an der Südseite des Sees entlang und dann hoch nach Civitella del Lago. Gleich am Dorfanfang empfiehlt sich das Ristorante Trippini (Mo geschl. | Tel. 0744950316 | www.trippini.net | €€-€€€) mit Gästezimmern und Seeblick. Fahren Sie die Seestraße weiter, liegt nach 1,5 km links am Ufer Umbriens berühmter Gourmettempel Vissani.

Weiter geht's über die SS 205, wo etwa 2 km hinter Baschi eine Straße rechts hinab zum Vogelschutzgebiet Lago di Alviano führt, nach Lugnano in Teverina. Enge Gässchen und die Kirche S. Maria Assunta lohnen den Abstecher. Nur noch 12 km trennen Sie jetzt vom Bergstädtchen Amelia, in dem Sie nach ca. 140 km Fahrt übernachten können.

Am Morgen geht's auf der SS 205 ins 15 km entfernte Narni. Fahren Sie die Via Flaminia (SS 205) hoch, und nehmen Sie sich 1-2 Stunden für einen Stadtrundgang Zeit. Auf der Via Flaminia erreichen Sie nach 15 km Otricoli. Hinter der Ortsausfahrt rechts liegt die zona archeologica - hier befand sich früher das römische Ocriculum. Folgen Sie dem Feldweg, bis Sie nach 500 m auf einen Parkplatz kommen. Nun sind es nur noch 8 km zur Autobahn (Auffahrt Magliano Sabina) und dann eine halbe Stunde, und Sie sind wieder in Orvieto.

Mit dem Rad rund um den Trasimenischen See

Wissbegierige beginnen die Rundtour um den Trasimenischen See in Tuoro: Hier können Sie das Schlachtfeld von Sanguineto besichtigen, wo Hannibal 217 v. Chr. die Römer verheerend schlug. Mit dem Mountainbike sollten Sie von dort den Panoramaweg über den Passaggio Bandito wählen, gemächlicher tritt es sich auf der Landstraße nach Passignano. Beide Fahrradwege treffen am Ostufer in der Gegend von Colle Sasso wieder zusammen. Jetzt geht es die Uferstraße entlang über Torricella und den hübschen Badestrand von Albaia und Monte del Lago bis nach San Feliciano, wo Sie einen Zwischenstopp einlegen sollten. Hier locken das Museo della Pesca und das Albergo Ristorante da Settimio (Do geschl. | 13 Zi. | Via Lungolago Alicata 1 | Tel. 0758476000 | €€). Wie wäre es mit Schleie oder Königskarpfen in Schmalz (regina alla porchetta)?

Ein Erlebnis ist die schilfbestandene Oasi la Valle. Der Uferweg führt weiter entlang des flachen, von Karrenwegen und Kanälen durchzogenen Schwemmlands im Süden, wo in den Hügeln von Panicale weitere Biketouren möglich sind. Die malerische Hafenstadt Castiglione liegt auf einem Kap an der Westküste - Merangola heißt der am besten ausgerüstete Badestrand. Die letzten Kilometer am Westufer liegen fast schon in der Toskana, bis Sie in Richtung Borghetto und Tuoro abbiegen.

Spaziergang durch Perugia

Ausgangspunkt ist im Herzen Perugias die Piazza IV Novembre, ein wunderbares Ensemble rund um den berühmtesten mittelalterlichen Brunnen Italiens, die Fontana Maggiore (13. Jh.) von Nicola und Giovanni Pisani. Wenn Sie die Nordfassade des Palazzo dei Priori, der bis heute als Rathaus dient, mit dem welfischen Löwen und dem Greif von Perugia bewundert haben, wenden Sie sich dem Dom San Lorenzo zu (für die Museen im Priorenpalast mit dem golden getäfelten Saal der Kaufmannszunft und der Galleria Nazionale dell'Umbria sollten Sie sich ein andermal Zeit nehmen).

Wenn Sie lange genug auf den kommunikativen Domtreppen gesessen haben, biegen Sie links in die bogenüberspannte Via Maestà delle Volte ein. Von der Piazza Cavalotti in die Via Baldeschi zum Original-Aquädukt aus dem 13. Jh., der bis 1835 über 5 km das lebenswichtige Nass zur Fontana Maggiore im Zentrum leitete. Folgen Sie der Rampe des Aquädukts, gehen Sie beim Kloster San Benedetto di Condotti rechts ab, um links auf die Via Garibaldi, die von weiteren Klöstern gesäumt wird, einzubiegen. Versäumen Sie nicht den Tempel Sant'Angelo (5. Jh.), die älteste Kirche der Stadt mit ihrem einzigartigen kreisförmigen Grundriss. Zurück zur Via Garibaldi, wo die Porta Sant'Angelo, das größte mittelalterliche Stadttor, den krönenden Abschluss bildet.

Der Rückweg führt über die steile Via Garibaldi bis zur Ausländeruniversität im Palazzo Gallenga Stuart (18. Jh.). Schräg gegenüber: der Arco Augusto oder Etrusco (3. Jh. v. Chr.). Die Inschrift "Augusta Perusia" verweist auf Kaiser Augustus, der das etruskische Perugia 40 v. Chr. als römische Kolonie unterwarf. Zum Schluss geht's aufwärts die Via Ulisse Rocchi bis zur Piazza Dante am Dom, wo Sie auf einem kleinen Keramikmarkt noch schnell ein Souvenir erstehen können.

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"Umbrien muss man riechen, schmecken, fühlen", sagt die Autorin und Italienkorrespondentin, die u. a. für "Die Zeit", "Merian" und den "Stern" schreibt. Als Kontrast zur quirligen Hauptstadt Rom spannt sie gern in einem umbrischen Bauernhaus aus. Von dort erkundet sie stets mit Begeisterung die Region - spürt alte Traditionen und neue Restaurants, idyllische Plätze und aktuelle Trends auf.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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