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Reiseführer Thailand:Stichworte

In Thailand darf man auch den Premier mit Vornamen anreden. Und gute Sitten werden allerseits geschätzt

Amulette

Thais wissen es: Das Unglück schläft nie. Deshalb muss man sich dagegen wappnen, zum Beispiel mit Amuletten. Meist sind es kleine Buddhafiguren oder Abbilder berühmter Mönche, die sich Thais um den Hals legen – wenn möglich, an Ketten aus massivem Gold. Leute mit besonders gefährlichen Berufen, wie etwa Busfahrer, bekränzen sich schon mal mit einem ganzen Dutzend solcher Glücksbringer.

Die Amulette können ihre Kräfte natürlich nur dann entfalten, wenn sie von einem Mönch geweiht wurden. Mit Buddhismus hat das zwar nichts zu tun, aber die Thais sehen das nicht so eng und mischen Glaube unbekümmert mit Aberglaube.

Bergvölker

Die chao kao, die Völker der Berge, werden allgemein als hill tribes (Bergstämme) bezeichnet. In langen Wanderungen sind sie aus dem Süden Chinas und Tibets in den Norden Thailands gezogen. Ihre Zahl wird auf rund 1,3 Mio. Menschen geschätzt. Das größte Volk mit rund 550 000 Angehörigen sind die Karen, die nahezu entlang der gesamten Grenze zwischen Thailand und Myanmar siedeln.

Den Anbau von Schlafmohn zur Herstellung von Opium und Heroin haben Razzien von Armee und Polizei eingedämmt. Auch mit internationaler Unterstützung wird in zahlreichen Projekten versucht, den Anbau von Gemüse, Obst, Kaffee und Tee in den Bergen zu fördern. Vielen Dörfern hat der Trekkingtourismus eine bescheidene Einnahmequelle eröffnet.

Bevölkerung

In Thailand wohnen ca. 67 Mio. Menschen. Zur Ethnie der Thais werden 75 Prozent der Bevölkerung gezählt. 14 Prozent haben chinesische Vorfahren. Die 3,5 Prozent muslimischen Malaien (eine Volksgruppe, keine Nationalität) leben in den Provinzen nahe der malaysischen Grenze. Die restliche Bevölkerung setzt sich aus Khmer, Laoten, Vietnamesen, Mon, Shan und verschiedenen Stammesvölkern zusammen.

Buddhismus

Etwa 95 Prozent aller Thais bekennen sich zum Buddhismus. Vor allem auf dem Land gehen junge Männer auch heute noch als Mönche auf Zeit für ein paar Tage, Wochen oder Monate ins Kloster. Im Buddhismus bedeutet Leben Leiden. Nur wer den Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt – und damit alles Leiden – überwindet, gelangt ins Nirwana. Der Grund für die Leiden sind Begierden, zum Beispiel nach Besitz. Doch das Streben nach Wohlstand ist fast zu einer neuen Religion geworden und hat sogar Mönche und Klöster erfasst. Manche Buddhajünger, die mit ihren Bettelschalen morgens von Haus zu Haus ziehen, nehmen auch Geld an – was sie nach der reinen Lehre nicht sollten.

Falang

Alle Ausländer mit weißer Haut werden von den Thais als falang bezeichnet – was nicht abwertend gemeint ist. Es bedeutet einfach „weißer Fremder“ und ist möglicherweise eine Verballhornung des englischen Wortes foreigner.

Geisterhäuschen

Auch wenn sie noch so gläubige Buddhisten sind – die Welt der Thais ist voller phii, Geister. Damit diese nicht Unheil stiftend umherirren, muss ihnen ein Haus gebaut werden. Egal, ob es klein und schlicht wie ein Vogelhäuschen ist oder meterhoch und prächtig wie ein Tempel. Und jeden Morgen werden die unsichtbaren Nachbarn mit Gaben erfreut: mit Blumen, Reis, einem Glas Wasser und an wichtigen Tagen auch schon mal mit einem gebratenen Hähnchen.

Berühmt im ganzen Land ist der Erawan Shrine in Bangkok an der Ecke Ploenchit Road/Ratchadamri Road Dort erweisen sogar Tänzerinnen in Prunkgewändern den Geistern ihre Reverenz. Dieses Geisterhaus ist dem Hindugott Brahma geweiht. Als in den 1950er-Jahren das Erawan Hotel (heute Grand Hyatt Erawan) gebaut wurde, kam es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Um die Geister des Grundstücks zu besänftigen, wurde der Schrein gebaut. Und von da an kam kein Arbeiter mehr zu Tode.

Königshaus

Auch wenn Thailand seit 1932 keine absolute Monarchie mehr ist, genießt das Königshaus immer noch höchstes Ansehen. Majestätsbeleidigung ist wie eh und je ein strafbares Delikt.

Insbesondere das Oberhaupt der Chakri-Dynastie, König Bhumibol Adulyadej, wird als Rama IX. in allen Bevölkerungsschichten verehrt. Der 1927 in den USA geborene Monarch bestieg 1946 den Thron und hat seine Autorität als Landesvater durch alle politischen Wirren hindurch erhalten und sogar noch gesteigert. Zusammen mit Königin Sirikit hat er vier Kinder: Prinzessin Ubol Ratana (geboren 1951), Prinz Maha Vajiralongkorn (1952), Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn (1955) und Prinzessin Chulabhorn (1957).

Namen

Ob Postbote oder Premierminister: Thais reden einander generell mit dem Vornamen an, vor den der Titel Khun (Herr oder Frau) gestellt wird. Man findet kaum Thais, die keinen Spitznamen (tschu len, wörtlich: Spielname) haben. Sehr beliebt sind Tiernamen. Nur Westler mögen sich darüber wundern, wenn sich jemand unbekümmert als mu (Schwein), kob (Frosch), gung (Krabbe) oder gai (Huhn) vorstellt. Die inoffiziellen Zweitnamen werden schon den Säuglingen von ihren Müttern in die Wiege gelegt.

Ökologie

Die Umweltschutzbewegung steckt in Thailand noch in den Kinderschuhen. Uraltbusse stoßen dunkle Rußwolken aus, Bauern fackeln ihre Stoppelfelder ab, Abwässer fließen ungeklärt in Flüsse und ins Meer, Menschen werfen ihren Abfall einfach irgendwo weg. Viele Westler schütteln empört darüber den Kopf, vergessen aber dabei, dass es in ihren eigenen Ländern noch bis in die 1970er-Jahre nicht viel anders aussah.

Aber auch in Thailand gibt es Ansätze, die Hoffnung machen. Ganze Schulklassen ziehen los, um Straßenränder, Plätze und Strände von Abfall zu säubern. Tauchschulen veranstalten regelmäßig Säuberungsaktionen unter Wasser. Touristen sind als Helfer willkommen, wenn Korallenriffe von alten Netzen, Flaschen und sonstigem Müll befreit werden. Hotels halten ihre Gäste dazu an, sparsam mit Wasser umzugehen, und Klimaanlagen werden automatisch abgeschaltet, wenn der Gast das Zimmer verlässt. Und vereinzelt gibt es auch schon Initiativen, die Jute statt Plastik propagieren. Auch jeder Tourist kann dazu einen Beitrag leisten, indem er auf die Plastiktüte verzichtet, die in den Shops selbst für kleinste Einkäufe ausgehändigt wird.

Preise

Unterschiedliche Preise für Einheimische und Touristen sind für Urlauber ein ständiges Ärgernis, aber sie sind von höchster Ebene gewollt. Während Ausländer beispielsweise für den Besuch von Nationalparks 200 Baht (etwa fünf Euro) Eintritt bezahlen, dürfen Einheimische schon für 20 Baht hinein, selbst wenn sie im dicken Mercedes vorfahren. Auch überall dort, wo der Preis Verhandlungssache ist, etwa auf Märkten, müssen Sie davon ausgehen, dass Sie trotz Feilschens mehr bezahlen als ein Einheimischer. Und sogar in manchen Klöstern sind nicht alle Besucher gleich. Während die fremden Besucher Eintritt bezahlen müssen, dürfen die Einheimischen umsonst vor Buddha treten.

Die Thais sehen das Zweitarifesystem übrigens als eine Art ausgleichender Gerechtigkeit an: Sie gehen davon aus, dass die Touristen mehr Geld haben als sie selbst.

Prostitution

1996 wurde in Thailand die Erwachsenenprostitution legalisiert, nicht aber ihre Förderung und das Zuhältertum. Gleichzeitig wurde dem sexuellen Missbrauch von Kindern der Kampf angesagt, indem die Schutzaltersgrenze auf das 15. Lebensjahr festgelegt und die Strafen für Täter drastisch erhöht wurden. Die Zahl der Prostituierten in Thailand liegt nach Schätzungen zwischen 200 000 und 800 000.

Der Tourismus hat in erheblichem Maß zur Ausbreitung von Prostitution und zu sexueller Ausbeutung von Kindern im Besonderen beigetragen. Seit 1993 werden Täter auch durch deutsche Gerichte verfolgt und zu Haftstrafen verurteilt.

Schreibweise

Sind Sie, der weiße Fremde, nun ein falang oder ein farang? Machen Sie Urlaub auf Ko Samui oder auf Koh Samui? Ko(h) bedeutet Insel, aber warum gibt es zwei Schreibweisen? Warum wird Strand mal hat, mal had und mal haad geschrieben? Solche Fragen werden von Neuankömmlingen immer wieder gestellt, aber eine klare Antwort darauf gibt es nicht. Die Thai-Schrift ist für Fremde ein Buch mit sieben Siegeln, verfasst in zwar anmutigen, aber nicht entzifferbaren Schnörkeln. Und es gibt keine verbindliche Regel, wie man diese in lateinische Buchstaben überträgt.

Sitten

Thais sind tolerant und mischen sich nicht in die Angelegenheiten anderer ein. Es gibt allerdings Situationen, in denen ihre Duldsamkeit ein Ende hat, zum Beispiel bei abfälligen Bemerkungen über das Königshaus.

Auch der Buddhismus, seine Vertreter und Symbole sollten mit Respekt behandelt werden. In Tempeln (gilt nicht für chinesische Tempel), Moscheen und Privathäusern müssen die Schuhe ausgezogen werden. Frauen dürfen Mönche keinesfalls berühren und sich auch nicht im Bus neben sie setzen.

Wer nicht auf sein Äußeres achtet, verliert sein Gesicht. Bei Tempelbesuchen oder auch Behördengängen sollten Sie unbedingt auf gepflegte Kleidung achten. Sie werden sonst nicht eingelassen bzw. nur schleppend oder gar nicht bedient. Oben-ohne-Baden ist ein Verstoß gegen die Landessitten. Wer seinem Ärger lautstark Luft macht, wird ebenfalls verachtet: Die Selbstkontrolle zu verlieren ist für Thais eine der schlechtesten Charaktereigenschaften.

Der Kopf ist zwar für Thais nicht „heilig“, wie manche Westler meinen, aber er ist auch im übertragenen Sinne der höchste Körperteil. Als Fremder sollten Sie den Kopf eines Einheimischen nicht berühren, selbst wenn es freundschaftlich gemeint ist. Die Fußsohle als niederster Körperteil darf nicht auf andere gerichtet werden.

Thaiboxen

Beim Nationalsport muay thai werden außer den Fäusten auch die bloßen Füße eingesetzt. Trommler heizen die Stimmung zusätzlich an. Fast genauso interessant wie der Kampf im Ring ist die Begeisterung der Zuschauer auf den Rängen. Als notorische Zocker lassen die Thais keine Gelegenheit zum Wetten aus, schon gar nicht beim Boxen. Boxkämpfe werden in allen Provinzstädten veranstaltet. Die besten Kämpfer aus dem In- und Ausland steigen in Bangkok in den Ring. Im Lumpini Boxing Stadium Rama IV Road beim Lumphini Park www.muaythailumpini.com kocht dienstags, freitags und samstags die Luft beim muay thai.

Transvestiten

Frauen, die mal Männer waren (oder es unter ihren Kleidern noch sind), werden Sie in Thailand öfter sehen. Besonders hübsche katoy oder Ladymen treten in prachtvoll inszenierten Travestieshows in den Touristenzentren auf. Viele Zuschauer können es kaum glauben, dass diese verführerischen Wesen auf der Bühne gar keine richtigen Damen sind. Und mancher Nachtschwärmer hat schon die Erfahrung gemacht, dass eine stattliche Oberweite noch keine Garantie für eine hundertprozentige Frau ist. Viele Transvestiten prostituieren sich, viele gehen aber auch ganz normalen Berufen nach, was in Thailand ohne Spießrutenlaufen möglich ist. Zwar amüsieren sich die Thais gern über die Ladymen, aber der Spaß ist nie verletzend gemeint.

Wai

Thais begrüßen sich nicht per Handschlag, sondern mit einem wai. Bei dieser anmutigen Geste werden die gefalteten Hände vor die untere Gesichtshälfte geführt. Das hört sich einfacher an, als es ist, denn es gilt eine Vielzahl von Regeln zu beachten. So entbietet der Jüngere den Wai zuerst. Auch wer einen niedrigeren Rang bekleidet, muss zuerst grüßen. Die Thais werden Ihre Versuche mit (belustigtem) Wohlwollen betrachten. Es ist aber durchaus in Ordnung, wenn Sie nur mit einem freundlichen Lächeln und einem Kopfnicken grüßen. Den Wai eines Kindes, von Dienstpersonal oder gar eines Bettlers sollten Sie nicht erwidern – Sie machen sich sonst lächerlich.

Wat

Wat ist die Bezeichnung für Tempel- und Klosteranlage. Deshalb kann es in deutscher Sprache sowohl der Wat heißen (wenn nur der Tempel selbst gemeint ist) wie auch das Wat (wenn von der ganzen Klosteranlage die Rede ist). Normalerweise gehören Tempel und Kloster zusammen. Eine Ausnahme ist der Wat Phra Kaeo im Großen Palast in Bangkok: Zu diesem Königlichen Tempel gehört kein Kloster. Die Gebetshalle eines Wat wird bot genannt. Chedi sind spitz zulaufende Türme mit glockenartigem Fuß, Türme im klassischen Khmer-Stil heißen prang.

Wirtschaft

Auch wenn etwa die Hälfte aller arbeitenden Thais ihren täglichen Reis in der Landwirtschaft verdienen, hat die Industrialisierung des Landes in den zurückliegenden Boomjahren große Fortschritte gemacht. Wichtige landwirtschaftliche Ausfuhrprodukte sind Reis (Thailand ist der größte Exporteur weltweit), Ananas, Kautschuk, Palmöl und tiefgefrorene Garnelen. Die Industrie exportiert insbesondere Elektro- und Elektronikartikel sowie Zubehör für die Automobilindustrie und Textilien. Thailand ist außerdem ein bedeutendes Ausfuhrland für Juwelen und Schmuck.

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Seit der Journalist Wilfried Hahn 1978 erstmals nach Thailand reiste, kehrt er jedes Winterhalbjahr dorthin zurück. Für Zeitungen und Reisemagazine hat er unzählige Artikel über das Land verfasst. Für MARCO POLO schreibt er die Reiseführer Thailand, Bangkok, Phuket, Ko Samui und Krabi. Und wo in Thailand gefällt es ihm am besten? „Überall dort, wo gelächelt wird – und das ist wirklich überall.“

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de