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Reiseführer Sylt:Essen & Trinken

Vom sterngekrönten Gourmettempel über Strandrestaurants bis zur Fischbude: Die kulinarische Vielfalt ist beeindruckend

Nicht weniger beeindruckend ist die Leistung von Jörg Müller in Westerland, der seinen Stern schon seit mehr als 20 Jahren verteidigt! Holger Bodendorf holte die begehrte Trophäe für sein Bodendorf's im Landhaus Stricker nach Tinnum, im Munkmarscher Fährhaus hat sich Alexandro Pape 2010 seinen zweiten Stern erkocht, und Sebastian Zier vom La Mer im Lister Arosa-Hotel hat die Auszeichnung gleich im ersten Jahr bekommen.

Die meisten Sylter Gäste kennen aber wohl eher die anderen rund 300 gastronomischen Betriebe, die alle Diätabsichten zunichte machen. Auf Sylt steigt aus vielerlei Gründen der Appetit, und zahllose Gäste müssen die Heimreise mit mehr Pfunden als geplant antreten. Zu den Verführern gehören die Imbissbuden des Fischkönigs Jürgen Gosch ebenso wie die immer zahlreicher werdenden Strandhütten und die vielen gutbürgerlichen Restaurants, von denen jeder Ort mehrere zu bieten hat.

Das große Angebot verhindert leider nicht regelmäßige Engpässe im Sommer zur Hochsaison. Reservierung ist bei den guten Restaurants nicht nur ratsam, sondern notwendig. Trotzdem hält sich – zumindest in der Saison – vielerorts die üble Sitte des Schichtessens, worunter gelegentlich die Qualität von Service und Küche leidet: Hat man das Glück, einen Tisch um 18.30 Uhr zu ergattern, wird man gleich darauf hingewiesen, um spätestens 20 Uhr müsse man aber fertig sein. Doch auch diese Reservierung gilt oft nur bis 21.30 Uhr, danach speist in vielen Lokalen dann noch die dritte Schicht. Die Gastronomen begründen diese Form der organisierten Ungemütlichkeit mit den geringen Einnahmen im Winter – obwohl die Gästezahlen auch und gerade in der Nebensaison stetig steigen.

Meeresgetier ist überall der große Renner – man urlaubt ja schließlich mitten im Meer –, doch natürlich ist es eine Illusion zu glauben, Sylter Fischer würden den Frischfisch in List oder Hörnum anlanden. Nur wenige Hobbyangler bescheren einigen vereinzelten Restaurants echten Sylter Fisch. Ein Produkt, das mit 100-prozentiger Sicherheit von der Insel stammt, ist dagegen die Auster Sylter Royal, und Schollen und Krabben kommen zum großen Teil ebenfalls aus der Region. Auch der hier und da als „Sylter Meeräsche“ angebotene, sehr schmackhafte Fisch trägt seine Herkunftsbezeichnung völlig zu Recht. Die Nordseegarnele kommt in der Krabbensuppe, auf dem Krabbenbrötchen, als Beilage zur Scholle oder als Krabbenbrot (mit Spiegelei) auf den Tisch. Von September bis April wird außerdem im Wattenmeer die Miesmuschel geerntet. Am besten schmeckt sie in Gemüse- oder in Weißweinsud, den man mit Brot „aufstippt“. Beliebt sind auch Matjesheringe. Im Mai und Juni werden die jungen Fische gefangen und sofort für ca. fünf Tage in einer Tonne mit Meersalz eingelagert. Meist werden sie mit Pellkartoffeln und grünen Bohnen serviert.

Viele Restaurants haben sich auf die norddeutsche Küche spezialisiert: Deichlamm, Wildente und Angeldorsch oder zum Nachtisch rote Grütze finden sich auf zahlreichen Speisekarten. Verstärkt bemühen sich viele Sylter Gastronomen auch darum, dass sie sich die Rohstoffe für ihre Gerichte direkt vor der Tür oder zumindest aus der nordfriesischen Region besorgen können.

Das Ambiente vieler Gaststätten entspricht oftmals dem Klischee „friesisch“ in seiner liebenswürdigsten Form: gemütliche Stuben mit Fliesenwänden, maritimes Dekor und blank geputztes Messing, wohin man schaut. Wer damit nichts anfangen kann, sei getröstet: Die Einrichtung vieler Restaurants interpretiert das Maritime anders: hell und klar, modern und luftig – also ganz so, wie sich auch die Landschaft draußen präsentiert.

Wer möchte, kann den ganzen Tag über schlemmen. Freiluft-Frühstück mit schönen Ausblicken bieten z. B. die Kupferkanne in Kampen, Nielsen's Kaffegarten in Keitum, das Fährhaus in Munkmarsch und das Café Luzifer direkt an der Westerländer Promenade. Das Spiel „Schlemmen und Schauen“ funktioniert besonders gut in der Friedrichstraße in Westerland, wo sich Straßencafés, Bistros, Imbisse und Lokale mit Fisch-Fast-Food aneinanderreihen.

Etwas nobler, aber im Prinzip ähnlich geht es im Kampener Strönwai zu. Hier korrespondiert das Leben auf den Terrassen im Sommer allerdings stark mit dem Strandleben: ab 12 Uhr ein kleines Frühstück, gegen 16 oder 17 Uhr dann ein Gläschen Champagner, bevor man sich für den abendlichen Auftritt noch einmal zurückzieht.

Eine sylttypische Besonderheit stellen die „Holzbuden“ in den Dünen dar, die in rustikalem, strandnahem Ambiente ein recht großes kulinarisches Spektrum abdecken: von der Weststrandhalle und dem L. A. Sylt – Lister Austernperle über das Wonnemeyer und das Strand-Bistro in Wenningstedt, das Badezeit in Westerland und die Oase südlich von Westerland bis zur Strandmuschel in Rantum und zu Tadjem Deel, Seepferdchen und Sansibar zwischen Rantum und Hörnum, wo am Weststrand das Breizh überm Strand thront.

Das Restaurantangebot auf Sylt ist jedenfalls so vielfältig, dass für jeden das Passende dabei ist. Wer sich schon vorab informieren möchte, kann auf einige einschlägige Publikationen zurückgreifen, die jedes Jahr aktualisiert werden und im Sylter Buch- und Zeitschriftenhandel erhältlich sind.

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Silke von Bremen ist Gästeführerin und eine profunde Kennerin der Insel. Von ihr liegen zahlreiche Veröffentlichungen zu Sylt vor, sie auf Rundgängen zu begleiten, ist so unterhaltsam wie interessant. Arnd M. Schuppius arbeitet als freiberuflicher Autor und Lektor für mehrere Verlage und Zeitschriften. Er besucht die Insel ein paar Mal im Jahr und verfolgt ihre Entwicklung mit konstruktiver Kritik.

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Quelle: www.marcopolo.de