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Reiseführer Südafrika:Stichworte

Zaubermittel und moderne Kunst: Einige Eigenheiten und Begriffe, die Ihnen helfen, Südafrika kennen und verstehen zu lernen

MARCO POLO Autorin Dagmar Schumacher

Aids

Die Zahl der Aidskranken im südlichen Afrika ist weiterhin hoch. In Südafrika sind 20 Prozent der Erwachsenen HIV-positiv. Die Prognose der durchschnittlichen Lebenserwartung liegt bei nur 36 Jahren. Es gibt schon 1 Mio. Aidswaisen. Aber es gibt auch Hoffnung: Die ANC-Regierung hat HIV verstärkt den Kampf angesagt.

Apartheid

Das Wort kommt aus der Sprache Afrikaans und bezeichnet die gesetzliche Trennung und ungleiche Rechtsstellung von Menschen wegen ihrer Hautfarbe. Mit dieser Rassendoktrin versuchten die Weißen, ihre Macht zu sichern und enthielten der zahlenmäßig stärkeren schwarzen Bevölkerung gleiche Rechte vor. Der 1912 gegründete African National Congress (ANC) hat jahrzehntelang die Herrschaft der weißen Minderheit bekämpft. Heute bildet er die stärkste Partei des Landes.

Bevölkerung

Südafrika hat knapp 50 Mio. Einwohner, davon sind 77 Prozent schwarz, 11 Prozent weiß, 9 Prozent farbig und 3 Prozent indisch. Dazu kommen geschätzte 4 Mio. Simbabwer, die illegal aus dem Nachbarland eingewandert sind. Elf offizielle Sprachen werden gesprochen. Zu den frühesten Bewohnern des Landes zählen die Khoisan-Stämme. Dazu gehörten die Khoikhoi, die völlig ausgerottet wurden, und die San. Die wenigen Nachfahren dieses Nomadenvolks leben heute wie ihre Urahnen in der Kalahari bzw. am Rand der Wüste. Höhlenmalereien zeugen von ihrer Geschichte.

Die angestammte Heimat der Zulu ist das Königreich Zululand in KwaZulu-Natal. Die Xhosa-Stämme sind seit dem 15. Jh. in der Gegend von Umtata nachgewiesen.

Afrikaaner heißen die Nachfahren holländischer und deutscher Siedler. Sie sprechen Afrikaans, eine Mischung aus Holländisch und Deutsch mit leichten französischen und malaiischen Anklängen. Die kleinste Bevölkerungsgruppe stellen die Inder. Sie sind überwiegend in KwaZulu-Natal zu Hause. Ihre Vorfahren kamen Mitte des 19. Jhs. für die Arbeit auf den Zuckerplantagen nach Südafrika.

Black Economic Empowerment

Schwarze Beteiligung an der noch immer überwiegend von Weißen gelenkten Wirtschaft Südafrikas ist eines der großen Ziele der Regierung. Gemäß BEE werden größere und kleinere Firmen aufgefordert, Südafrikaner nicht-weißer Hautfarbe in den Vorstand oder auch als Partner an Bord zu nehmen. Obwohl BEE nicht gesetzlich erzwungen werden kann, sind viele Firmen dazu bereit. Sicherlich auch, weil sie sonst keine Geschäfte mit der Regierung machen können.

Flora

Durch die verschiedenen Klimazonen in den Regionen gibt es einen üppigen Pflanzenreichtum mit knapp 23 000 Arten von Blütenpflanzen. Allein von der Nationalblume, der Protea, sind 400 Arten bekannt. Die Blumenpracht können Sie in den zahlreichen botanischen und Wildblumengärten des Landes bewundern. Der eindrucksvollste ist Kirstenbosch in Kapstadt (www.nbi.ac.za).

Auf der Welt gibt es sechs Blumenkönigreiche, in denen alle Mitglieder einer Pflanzenfamilie innerhalb der Grenzen eines Landes wachsen. Eines dieser Königreiche ist das Westkap, wo alle 6552 Arten der Fynbos-Familie gedeihen. Dazu gehören die Protea ebenso wie die Erika.

Homeland

Die Homelands waren während der Apartheid der Versuch der Regierung, zehn unabhängige Staaten für die schwarze Bevölkerung zu gründen und das übrige Land für Weiße freizuhalten. Homelands entstanden in den historischen Siedlungsgebieten der schwarzen Völker. Auf nur 13 Prozent der Landesfläche mussten 80 Prozent der Einwohner leben. Das Elend war groß. Heute gehören diese Gebiete wieder zu Südafrika, aber es wird dauern, bis das Erbe der Apartheid nicht mehr spürbar ist.

Kunst

Die ältesten Kunstwerke sind Höhlenzeichnungen der San, die zum Teil vor Tausenden von Jahren entstanden. Mit den Europäern kam auch deren Kunst. Der berühmteste Landschaftsmaler, europäischer Abstammung, Jan Hendrik Pierneef, lebte Anfang des 19. Jhs. Seine Bilder erzielen bei Auktionen Höchstpreise. Irma Stern zählt ebenfalls zu den herausragenden Künstlern des Landes. Die deutschstämmige Malerin ließ sich in den 1920er-Jahren in Kapstadt nieder. Ihr ist ein Museum gewidmet.

So vielfältig wie die Bevölkerung präsentiert sich die Kunst seit dem Ende der Apartheid. Der zeitgenössische Maler, der die höchsten Preise, auch international, erzielt, ist William Kentridge. Inzwischen haben sich aber auch etliche schwarze und farbige Künstler einen Namen gemacht. Das Leben der armen Bevölkerung in den riesigen Townships wird in den Arbeiten von Willie Bester und Vusi Khumalo thematisiert. Beide Künstler sind auch in Europa und Amerika erfolgreich.

Nelson Mandela

Nach 27 Jahren in Gefängnissen wurde der damals über 70-jährige Nelson Mandela 1990 in die Freiheit entlassen. Er war in den Jahren der Apartheid die Ikone der Freiheitsbewegung ANC. Unter seiner Führung schaffte Südafrika den friedlichen Wandel von einem Unrechtssystem zu einer Demokratie.

1993 erhielt Mandela zusammen mit dem letzten weißen Präsidenten des Landes, Frederik Willem de Klerk, den Friedensnobelpreis. Von 1994 bis 1999 war er Präsident des Landes, von allen Südafrikanern demokratisch gewählt. Nach einer Amtszeit zog er sich aus der Politik zurück und im Gegensatz zu den meisten afrikanischen Ländern hat Südafrika schon den dritten gewählten Präsidenten.

Sicherheit

Immer wieder hören Touristen Schreckensmeldungen über die Kriminalität in Südafrika, besonders aus den Großstädten. Dabei hat die Polizei in den letzten Jahren durch drastische Maßnahmen das Problem ziemlich gut in den Griff bekommen – in Kapstadt und Johannesburg wird zum Beispiel die Innenstadt mit Kameras überwacht. Wer sich an die Regeln hält, die auch für andere Länder mit großem Wohlstandsgefälle gelten, hat wenig zu befürchten. Wichtig ist: Kameras und Schmuck nie auffällig tragen, Vorsicht an Geldautomaten. Und auf keinen Fall abends zu einem Spaziergang durch einsame Straßen aufbrechen. Aus Sicherheitsgründen ist es erlaubt, nachts auf verkehrsarmen Straßen bei Rot über die Kreuzung zu fahren.

Sport

Südafrikaner lieben Sport – aktiv und passiv. Es wird gejoggt oder geschwommen, und man fährt mit dem Rad. Sport wird auch an Schulen groß geschrieben, und fast alle Jungen spielen Rugby und Kricket (und seit der WM im eigenen Land mehr und mehr Fußball), die Mädchen bevorzugen Hockey oder Volleyball.

Wenn eine der südafrikanischen Nationalmannschaften – ganz gleich in welcher Sportart – international erfolgreich ist, steht das Land geschlossen hinter ihr. Dass Sport vereint, hat schon Nelson Mandela erkannt. Er holte in den 1990er-Jahren die Rugby-Weltmeisterschaft nach Südafrika und unterstützte das Team des bis dahin hauptsächlich „weißen“ Sports. Unvergesslich für alle Südafrikaner ist der bewegende Moment, als Mandela im Trikot der Mannschaft dem Kapitän den Siegerpokal überreichte. Für die Einheit Südafrikas hat dieses Sportereignis mehr bewirkt als viele politische Aktionen. Dieses Gefühl der Gemeinsamkeit hatten die Menschen auch wieder bei der erfolgreichen Fußballweltmeisterschaft 2010.

Städtenamen

Gleich zu Beginn des neuen Südafrika wurden Provinznamen geändert, z. B. wurde aus Transvaal Gauteng. Jetzt geschieht das auch bei einigen Städtenamen: Pietersburg heißt heute Polokwane. Auf Verkehrsschildern erscheinen im Moment noch alte und neue Namen. In den Städten wurde damit begonnen, die Straßen umzubenennen, besonders in Durban.

Township

Das ist die Bezeichnung für die Vorstädte. In der Zeit der Apartheid wurden die Wohngebiete nach Hautfarbe der Bewohner getrennt. Es gab weiße, farbige, indische und schwarze Stadtteile, wenngleich sich gerade in den Großstädten die Grenzen zunehmend verwischten. Township werden heute nur noch die vielfach riesigen Vororte genannt, in denen die armen Südafrikaner leben.

Wildlife

In den südafrikanischen Wildparks herrscht eine Artenvielfalt wie sonst kaum auf der Welt. In den staatlichen Parks können Besucher im eigenen geschlossenen Wagen fahren. Im offenen Geländewagen geht es hingegen durch die privaten Reservate, begleitet von einem kundigen Ranger. Das ist natürlich eine bessere Voraussetzung, um Tiere hautnah zu erleben. Abgesehen davon, dass die Unterbringung in privaten Parks in den meisten Fällen anspruchsvoller ist, sind die hohen Preise auch gerechtfertigt, weil es sehr teuer ist, privat Naturschutz zu leisten.

Der größte und schönste Park ist der Kruger National Park. Hier leben die Big Five (Elefant, Löwe, Büffel, Leopard und Nashorn) in großer Zahl; besonders die Büffelherden sind riesig. Man hat gute Chancen, sogar den scheuen Leoparden zu sehen. Das gilt erst recht für die privaten Parks, die seit einigen Jahren nicht mehr nur am Rand des Kruger National Parks liegen, sondern auch im Innern. Teilweise sind es Gebiete, die nach dem Ende der Apartheid an Stämme, die enteignet wurden, damit der Park vergrößert werden konnte, zurückgegeben wurden.

Südafrika war schon immer im Naturschutz vorbildlich, jetzt ist er sogar Teil der neuen Verfassung. In den letzten Jahren wurden die Transfrontier Parks eingerichtet, die länderübergreifend zwischen Südafrika und Namibia und Südafrika, Simbabwe und Mosambik liegen.

Wirtschaft

Der Bergbau zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen und bietet – neben der Landwirtschaft – die meisten Arbeitsplätze. Südafrika ist der größte Goldproduzent der Erde und deckt über 50 Prozent des weltweiten Bedarfs. Es gehört auch zu den größten Diamantenlieferanten. Jedes Jahr werden in den Meeren um das Kap 1,2 Mio. t Fisch gefangen, wovon 90 Prozent ins Ausland verkauft werden. Der Tourismus ist der drittgrößte Devisenbringer. In den letzten zwei Jahrzehnten sind sowohl die Investitionen wie auch die Gewinne stetig gestiegen. Viele Tausend Ausbildungs- und Arbeitsplätze wurden geschaffen.

In den letzten Jahren hat sich in Kapstadt eine florierende Filmindustrie entwickelt. Es werden Hollywoodfilme, aber auch deutsche Serien und internationale Werbefilme gedreht.

Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs und der erfolgreichen Finanzpolitik der Regierung gibt es immer noch viele Arbeitslose im Land. Ihr Anteil an der erwerbsfähigen Bevölkerung wird auf 30 Prozent geschätzt. Dagegen klappt die amtlich verordnete Affirmative Action, die bevorzugte Einstellung von historisch benachteiligten Südafrikanern bei gleicher Qualifikation, sehr gut.

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Dagmar Schumacher lebt seit 1988 in Südafrika und wohnt mit ihrer Familie auf einer Weinfarm in der Nähe von Villiersdorp. Sie schreibt für deutsche Magazine über Tourismus und unternimmt jedes Jahr mehrere Reisen durch das große Land. Besonders fasziniert sie, wie Südafrika sich in den letzten 20 Jahren von einem von der Welt boykottierten Land zu einem beliebten Reiseziel entwickelt hat.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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