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Reiseführer Stuttgart:Erlebnistouren

Städte haben viele Facetten. Wenn Sie Lust haben, diese verschiedenen Gesichter mit all ihren einzigartigen Besonderheiten zu entdecken, wenn Sie jenseits bekannter Pfade geführt oder zu grünen Oasen, ausgewählten Restaurants oder typischen Aktivitäten geleitet werden wollen, dann sind diese maßgeschneiderten Erlebnistouren genau das Richtige für Sie. Machen Sie sich auf den Weg und folgen Sie den Spuren der MARCO POLO Autoren.

Stuttgart perfekt im Überblick

8:00

Der optimale Start in einen Stuttgarttag gelingt beim Frühstück mit Butterbrezel oder einer der köstlichen Rühreivariationen im Hüftengold . Von hier aus geht es über die wenigen Meter Kopfsteinpflaster, die Stuttgart noch aufweisen kann, die Rosenstraße hinunter. Machen Sie einen kurzen Abstecher durch das lauschige Bohnenviertel , das einzige Quartier, das mit seinen Gassen ein kleines bisschen Altstadtflair verströmt. Bringen Sie danach den riesigen, vom Verkehr umbrandeten Charlottenplatz schnell hinter sich und überqueren Sie die Planie am Karlsplatz. Jetzt wird es grün, Sie befinden sich auf der Rückseite des Neues Schloss in den ersten Ausläufern des Schlossgartens und streben nun dem frisch sanierten Haus des Landtags (Spitzname"Aquarium") zu. Vorbei an der imposanten Säulen- und Treppenfront der Oper Stuttgart neben dem entenbesetzten Eckensee biegen Sie am Schauspiel Stuttgart links ab in Richtung des luxuriösen Althoff Hotel Am Schlossgarten.

10:00

Lassen Sie sich durch die S21-Baustellen am Hauptbahnhof nicht irritieren: Links vorbei am Hauptgebäude gehen Sie ins Europaviertel, wo Sie das kühle Glas und der abweisende Stahl an den Fassaden der Bankgebäude zur Stadtbibliothek Stuttgart begleiten. Nehmen Sie sich unbedingt Zeit für eine Pause im modernen Betonwürfel, der in seinem Inneren eine überraschend helle und eindrucksvoll gestaltete Bücherwelt offenbart. Verschnaufen Sie im Café Lesbar im 8. Stock und nehmen Sie anschließend die letzten Stufen bis zur Dachterrasse, wo sich ein toller Blick über die Innenstadt und die Baustelle von Stuttgart 21 bietet. Auf den Hort des Wissens folgt dann ein Ort des Kommerzes: Die rund 200 Shops des Einkaufszentrums Milaneo stellen die Urlaubskasse auf eine harte Probe.

Mit der U 12 fahren Sie in wenigen Augenblicken zurück zum Hauptbahnhof und dort mit der S1 nach Bad Cannstatt bis zum Neckarpark. Schon die spektakuläre äußere Hülle des Mercedes-Benz Museum verspricht viel - das vom Inneren des spindelförmig angelegten Baus locker gehalten wird. Am Ende der Reise durch die Geschichte der (schwäbischen) Automobile wartet dann ein ebenso aufregender wie durchschüttelnder Selbstversuch im Fahrsimulator.

13:30

Aus dem Autohimmel in den Bus: Die Linie 56 fährt zum Bahnhof Bad Cannstatt, wo die Stadtbahnen U 13 oder U 14 in Richtung Haltestelle Mineralbäder starten. Ein kurzer Spaziergang vorbei am wegen Sanierung geschlossenen Mineral-Bad Berg führt zum Mittagessen in den Buschpilot und auf dessen Terrasse mit Blick über die weite, nun ja, Savanne des Rosensteinparks. Gestärkt geht es nun - mit der U 1 bzw. U 21 bis zur Haltestelle Rathaus und von dort quer über den Marktplatz und den Schillerplatz - zum futuristischen Glaswürfel des Kunstmuseum Stuttgart . Bevor Sie ins Museum gehen, können Sie aus dem obersten Stockwerk des Glasbaus (bei freiem Eintritt!) einen der schönsten Blicke über das prächtige Herz Stuttgarts zwischen Altem und Neuem Schloss werfen.

16:30

Haben Sie Kuchenhunger? Nach dem Kunstgenuss bummeln Sie über den mondänen Schlossplatz , am imposanten Neues Schloss vorbei zu einem Stopp im Grand Café Planie mit den vielleicht leckersten Kuchen und Torten der Stadt. Jenseits des Karlsplatzes wartet nun die betriebsame Markthalle , um Sie mit exotischen Auslagen und Gerüchen auf eine Weltreise zu entführen. Direkt gegenüber liegt Breuninger , das (Luxus-)Kaufhaus der Stadt, in dem Sie noch einmal lustvoll zwischen Mode, Kosmetik, Accessoires und Sportartikeln stöbern können.

19:00

Der Berg ruft oder besser gesagt einer der Hügel im Süden der Stadt. Oberhalb des Bopsers erwartet Sie Höhenluft, denn vom Charlottenplatz aus schlängelt sich die U15 auf einer der schönsten (Stadtbahn-)Strecken der Stadt übers Häusermeer gen Fernsehturm . Von der gleichnamigen Haltestelle führt ein kurzer Fußweg durch den Wald zum schlanken Wahrzeichen der Stadt. Nach einer rasanten Aufzugfahrt blicken Sie von oben auf die Stuttgarter Ameisenwelt, die sich langsam in Richtung Einbruch der Dunkelheit bewegt. Die Lichter in der City erwachen zum Leben, und der Schwarzwald und die Schwäbische Alb werden von der Dunkelheit geschluckt. Wieder am Boden lugt beim anschließenden Abendessen im Leonhardts der Turm dann durchs Restaurantglasdach.

21:30

Es wird Zeit, von den Waldeshöhen wieder hinabzusteigen ins Citygewühl. Verlassen Sie am Schlossplatz die Bahn der U 15 und bummeln Sie einmal die Theodor-Heuss-Straße hinauf. Hier liegt Club an Club, alle paar Meter werden Sie von anderer Musik beschallt und die Jugend ist auf der Piste. Auf Sie aber wartet heute das Schocken , wo Sie sich auf der Tanzfläche endgültig auspowern können. Zum Absacker geht's um die Ecke ins Café Weiß , ein Stuttgarter Original mit perfekter Atmosphäre zum Ausklinken.

Die schönsten Stäffele

10:00

Die Stäffele, sie sind ein Wesenszug der hügeligen Stadt. Mal mondän und breit, mal schief und krumm getreten über die Zeit, mal verwunschen-romantisch führen sie hinauf in den Himmel über dem Talkessel. Insgesamt gibt es mehr als 500 Treppen in der Landeshaupstadt. Sie ziehen sich über eine Gesamtlänge von rund 20 km. Die meisten stammen noch aus der Zeit, als an den Hängen lediglich Weinberge und Gärten lagen. Als diese ab Mitte des 19. Jhs. bebaut wurden, dienten die alten Weinbergstäffele als Abkürzung auf dem Weg in die Stadt. Starten Sie beim Haus der Geschichte Baden-Württemberg und tauchen Sie zunächst ein in die Geschichte des Landes und der Stadt. Danach beginnt alles eher nüchtern an der Eugenstaffel . In der Moserstraße 22 wohnte und starb 1875 der Dichter Eduard Mörike. Vom Kopf der Staffel, dem schönen, baumbestandenen Eugensplatz , blickt Galatea ins Tal. Dass die griechische Sagengestalt, 1890 von Königin Olga gestiftet, fast nackt war, erboste damals die braven Bürger - bis die Königin damit drohte, die Figur umzudrehen und mit dem blanken Hinterteil auf die Stadt schauen zu lassen. Freuen Sie sich hier im Sommer auf die Eisdiele Pinguin: eine der besten Eiscremes der Stadt, garniert mit einem herrlichen Ausblick, und der perfekte Antriebsstoff, um über die Wagenburgstraße die Gerokstaffel in Angriff zu nehmen.

An ihrem Ende biegen Sie nach rechts ab, etwa nach 100 m geht es links die Hillerstaffel mit dem Kanonenhäusle aus dem Jahr 1702 hinauf, von dem aus die umliegenden Ortschaften bei Bränden alarmiert werden sollten, das aber dann doch nur zum Salutschießen eingesetzt wurde. Gehen Sie nun zurück zur Gerokstraße und folgen Sie ihr weiter bergauf, an der Abbiegung zur Stafflenbergstraße erwartet Sie ein erneuter Traumblick über Stuttgarts Dächerlandschaft. Jetzt geht's bergab und an der nächsten Kreuzung nach links in die Diemershalde, die Sie zur Sünderstaffel führt. Der Legende nach soll hier Mitte des 14. Jhs. ein Adliger wegen des Mords an einem Nebenbuhler enthauptet worden sein. Am oberen Ende der Staffel heißt es in zwei Steine eingemeißelt: "Gott sey mir Sünder gnedig." Und die nüchterne Wahrheit? Der Name der Treppe stammt von der Familie Sünder, die hier Land besaß.

Über die nach dem ebenso mutigen wie glücklosen Hitler-Attentäter benannte Georg-Elser-Staffel erreichen Sie das Bubenbad. Die Richard-Wagner-Straße führt Sie von hier zum Sitz des Ministerpräsidenten in der Villa Reitzenstein . Etwa 100 m weiter können Sie noch einmal auf der Wieland-Wagner-Aussichtsplatte den Blick genießen.

12:00

Zurück beim Bubenbad - hier gab es einst einen Tümpel, in dem die Jungs und Mädchen der Stadt im Sommer badeten - wird's Zeit für die Mittagspause im schönen Garten des Restaurants Ilysia. Gleich nebenan bietet Halbhöhenlage kreative Accessoires an. Auch wenn die ursprünglichen Villen des noblen Stadtteils Gänsheide längst abgerissen wurden, bekommen Sie entlang der Gerokstraße doch einen guten Eindruck davon, wie es sich in Stuttgarts Höhenlage residieren lässt. Der Verkehrslärm der Planckstraße bleibt nach ihrer Überquerung und dem Abstieg über die lange Silberstaffel schnell zurück. An deren Ende geht es nach links in die Farrenstraße und hinunter zum Schmalzmarkt, wo das Muse-O am Wochenende in die mittelalterliche Historie des einstigen Weingärtnerdörfchens Gablenberg entführt.

Nach dieser Geschichtsexkursion steht der Gipfelsturm über die Buchwaldstaffel an. Die lange Treppenflucht ist ein Paradebeispiel ihrer Zunft: Romantisch eng strebt sie - zwar nicht mehr durch Weinberge, aber durch das verwunschene Grün der Kleingärten - in die Höhe, wo sich der Blick dann über den gesamten Stuttgarter Osten bis zum Welzheimer Wald weitet.

Deutlich ist der Gaskessel zu sehen, zugleich Wahrzeichen und Beschreibung des Charakters der umliegenden Stadtteile, die traditionell von Industrie und Arbeitersiedlungen geprägt sind und waren. Nun folgen Sie dem Waldrand nach links und steigen durch die Anlage des Kleingärtnervereins Raichberg und die Straße Im Bruckenschlegel wieder ab. Noch einmal links abbiegen und Sie stoßen auf die gepflegte Klingenbachanlage , wo Sie sich ein kühles Radler im dortigen Biergarten Stuttgart Klingenbach verdient haben.

14:30

So, erst einmal genug gelaufen. Nehmen Sie die Stadtbahn U 4, wechseln Sie am Stöckach in die U 14 und fahren Sie zur Haltestelle Wilhelma, wo Sie erneut umsteigen - aufs Wasser. Mit einem Schiff des Neckar-Käpt'n schippern Sie flussabwärts, vorbei an Vororten und Weinbergen, erleben eine Schleusendurchfahrt bei Hofen und können sich entspannt den Wind um die Nase wehen lassen. Nach zwei Stunden haben Sie wieder festen Boden unter den Füßen, fahren eine Stadtbahnstation bis Mineralbäder und lassen den Tag im warmen Thermalwasser des Das Leuze Mineralbad ausklingen.

Das grüne U - Architektur, Aussicht, Affen und Alleen

10:00

Die ein wenig tiefstaplerisch als "Grünes U" bezeichnete Parklandschaft ist Ergebnis langer Mühen von Gärtnern und Landschaftsarchitekten, die zentralen Parks zu einem Grünzug zu verbinden. Die Internationale Gartenbauausstellung machte es dann 1993 möglich. In große Mitleidenschaft gezogen wurde allerdings der Mittlere Schlossgarten: Im Herbst 2010 mussten Dutzende von Bäumen der Baugrube von "Stuttgart 21" weichen. Auf dem Aussichtsterrasse haben Sie einen Logenplatz mit Ausblick auf die gigantische Baugrube, die eines schönen Tages der neue Hauptbahnhof ausfüllen soll. Nach dem ausgiebigen Blick in die Tiefe richten sich danach Ihre Augen in die Höhe: In einer der spannenden Vormittagssvorstellungen des frisch sanierten Planetarium reisen Sie direkt ins Weltall, und hoffentlich auch wieder zurück.

12:00

Sind Sie gut gelandet? Dann starten Sie jetzt tatsächlich ins Grüne. Erstes Ziel sind die Überreste des Altes Lusthaus , das im 16. Jh. an der Stelle des Kunstgebäudes am Schlossplatz stand und einst als "Schmuckstück deutscher Renaissance" gerühmt wurde. Nach einem Brand 1902 blieben nur noch die Treppenanlage und einige Säulen übrig.

Die blauen Rohrleitungen, die Sie auf Ihrem Weg begleiten, sind insgsamt 17 km lang und gehören zum Grundwassermanagement: Um die "S21"-Baustelle trocken zu halten und die Mineralwasserschichten zu schützen, werden mehr als 6 Mrd. Liter Grundwasser entnommen, in einem Rohrsystem durch die Stadt gepumpt und dann wieder in den Boden eingeleitet.

Halten Sie sich weiter rechts auf dem Hauptweg. Über einen zweiten Übergang erreichen Sie den unteren, hier unbeschädigten und von eindrucksvollen Bäumen überragten Teil der Anlage. Auf der linken Anhöhe erhebt sich am Ende einer eindrucksvollen Platanenallee das Museum Schloss Rosenstein . Das "königliche Lusthaus" wurde von König Wilhelm I. allerdings nur sporadisch genutzt, angeblich, weil eine Wahrsagerin dem Herrscher seinen dortigen Tod prophezeit hatte. Tatsächlich starb er dort 1864. Heute beherbergt es die biologische Sammlung des Naturkundemuseums, die mit ihren aufwendig gestalteten Dioramen erfrischend altmodisch daherkommt.

13:30

Jetzt geht es von der Vergangenheit wieder in die Gegenwart respektive Zukunft: Linker Hand erstreckt sich der Rosensteinpark , der vor mehr als 150 Jahren als englischer Landschaftspark angelegt - und nun ebenfalls von Baumfällungen für die "S21"-Bauarbeiten betroffen ist. Von hier geht es bergab zum Haupteingang der Wilhelma . Statt durch den Rosensteinpark schlendern Sie nun entlang der Tiergehege des zoologisch-botanischen Gartens weiter in Richtung Killesberg. Kommen Sie in der Tropenluft des Amazonienhauses ins Schwitzen, träumen Sie im Maurischen Garten von 1001 Nacht und verpassen Sie auf keinen Fall das Menschenaffenhaus mit dem Kindergarten für Gorillas!

15:00

Wenn Sie die Wilhelma durch das obere Tor verlassen, führt Sie Ihr Weg weiter durch den Rosensteinpark, vorbei am 1850 erbauten Löwensteintor und am Neubau des Museum am Löwentor. Links vom Tor geht es über die Brücke und einige Meter den Berg hinauf zum romantisch-verwilderten Leibfriedscher Garten . Halten Sie sich danach links, und überqueren Sie die Heilbronner Straße über die beiden eleganten Hängebrücken.

15:30

Nach dem kurzen Verkehrsschock sind Sie nun wieder im Grünen samt See und exotischen Pflanzen, nämlich auf dem Gelände der Internationalen Gartenausstellung von 1993. Über die Ökostation Wartberg gelangen Sie in die Straße Am Weißenhof: Die 1927 erbaute Weißenhofsiedlung ist ein weltberühmtes Beispiel für moderne Architektur und beeindruckt auch heute noch mit ihrem visionären Ansatz. Das Weißenhofmuseum im Haus Le Corbusier ist in einem Haus von Le Corbusier untergebracht - die Gelegenheit, auch die Innenarchitektur eines der Häuser zu erleben.

16:30

Von hier aus ist es jetzt nur noch ein Katzensprung bis zum Höhenpark Killesberg , den Sie am besten mit einer Köstlichkeit von Schloz Eis erkunden. Und Sie müssen dabei nicht einmal laufen: Mit den Schmalspurloks der Killesbergbahn geht es ebenso nostalgisch wie effektiv durchs üppige Grün des Höhenparks. Nach 12 Minuten ist der Spaß schon vorbei, aber es wartet bereits der nächste Höhepunkt: 175 Stufen führen auf den Killesbergturm und genauso viele gegenläufig wieder hinunter. Für die 43 m hohe Tragseilkonstruktion wurden 39000 m Drahtseile verarbeitet und 70 t Stahl verbaut. Der Ausblick von der Plattform ist großartig. Allerdings sollten Sie schwindelfrei sein, denn der Turm kann, je nach Wind und Besucherzahl, schwanken.

17:30

Ihnen ist ein wenig flau im Magen? Dann ist jetzt Zeit für ein frühes Abendessen im Höhencafé , das mit schöner Aussicht und einer grandiosen Sonnenterrasse lockt. Danach geht es durch den Park zurück in die moderne Anlage der Killesberghöhe, wo Sie bei Float Stuttgart pure Entspannung beim Schweben im warmen Solewasser erleben. Mit der Stadtbahn U 5 können Sie von hier aus ins Zentrum zurückkehren.

Über die Höhen ins Herz der Stadt

9:30

Starten Sie den Tag mit einem ordentlichen Frühstück im Café Kaiserbau am Marienplatz, schließlich liegen heute einige Kilometer vor Ihnen. Zunächst einmal können Sie sich aber zurücklehnen: Mit der U 1 oder der U 14 geht es zum Südheimer Platz, wo Sie in den "Witwenexpress" umsteigen. So nennt der Volksmund die Seilbahn , die seit 1929 den steilen Anstieg von Heslach zum Waldfriedhof überwindet - was den Spitznamen erklärt. Die gemächliche Fahrt in den liebevoll restaurierten Teakholzwagen stimmt Sie ein auf Wald, Ruhe und Vogelgezwitscher, die Sie nun auf dem Weg zum Dornhaldenfriedhof begleiten. Hier haben 1977 die RAF-Terroristen Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe ihre letzte Ruhestätte gefunden, auch weil sich Stuttgarts Oberbürgermeister Manfred Rommel mit dem Satz "Mit dem Tod muss alle Feindschaft enden" gegen alle Widerstände durchsetzte.

12:30

Vom Friedhof gehen Sie nun immer geradeaus durch den Wald, bis Sie auf erste Häuser stoßen: Auf dem Haigst heißt dieser Teil Degerlochs, der zu den teuersten Wohnlagen der Stadt gehört. Der weite Blick über den Talkessel erklärt, warum das so ist. Er begleitet Sie nun auf dem lauschigen Schimmelhüttenweg, der sich durch Weinberge und Kleingärten in die Tiefe bis zum - kein Scherz! - Eiernest zieht. Das kleine und weniger bekannte Viertel rund um die Eierstraße heißt tatsächlich so und wurde 1926 als erste Gartensiedlung Stuttgarts konzipiert: Jedes der 180 in Leichtbauweise errichteten Einfamilienhäuschen hat einen Garten vor der Haustür. Heute leben mehr als 600 Bewohner in der Siedlung - und jedes der Häuser hat im Lauf der Jahre sein ganz individuelles Gesicht bekommen. Vom Eiernest aus gelangen Sie in wenigen Minuten zurück zum Marienplatz , wo Sie sich eine der exotischen Pizzas im L.A. Signorina redlich verdient haben.

14:00

Nach der Mittagspause geht es über Filder- und Lehenstraße in das Lehenviertel , das mit seinen teils im Jugendstil erbauten Wohnhäusern zu den schönsten der Stadt zählt und unter Denkmalschutz steht. Schlendern Sie die Liststraße entlang und lassen Sie sich Zeit bei der Entdeckung der vielen kleinen Boutiquen und Galerien, von der BooBoo Bootique mit netter Kleidung für Kids über (Öko)-Accessoires von Keren Meya und Stoffe von Cosima Chiton bis zu den jungen Stuttgarter Designern von Südstatt. Zentrumsnähe, Infrastruktur und der urbane Wohlfühlfaktor haben das Lehen- und das benachbarte Heusteigviertel nicht nur bei jungen Familien zu den beliebtesten Wohnquartieren der Stadt gemacht.

15:30

Shoppen ist anstrengend, also biegen Sie links ab in die Römerstraße und bummeln Sie über den idyllischen Fangelsbachfriedhof in die Mozartstraße mit ihrem stattlichen Häuserensemble aus Gründerzeit und Jugendstil. An der Ecke zur Immenhoferstraße erwartet Sie die Herbertz Espressobar mit einem Energiestoß Koffein in außerordentlich leckerer Form. Folgen Sie nun ein kurzes Stück der viel befahrenen Immenhoferstraße, bevor Sie sich im neuen Einkaufszentrum Das Gerber mit seinem erfrischend anderen Angebot, darunter mehrere Pop-up-Stores im Obergeschoss, erneut der Shoppinglust hingeben können.

18:00

Genug gestöbert? Dann gehen Sie nun die neu gestaltete Tübinger Straße Richtung Innenstadt entlang, biegen am Ende rechts ab, traben vorbei am Tagblatt-Turm von 1928, dem ersten in Sichtbeton erbauten Hochhaus Deutschlands, und dem Hegel-Haus hinüber zum Wilhelmsplatz , wo das Abendessen wartet: Im Noodle 1 gibt's authentische vietnamesische Küche. Ganz vorbei ist der Tag damit noch nicht, denn im Bix Jazzclub wartet noch ein Jazz-Livekonzert. Ihren Absacker nehmen Sie in der Bar Immer Beer Herzen mit der wohl eindrucksvollsten Theke der Stadt.

Weiter zu Kapitel 18

Schon während seines Geografiestudiums in Tübingen hat sich Jens Bey mit Stuttgarts Eigenheiten beschäftigt. Dann übersiedelte der gelernte Journalist in die Landeshauptstadt, wo er heute als freier Redakteur, Lektor und Autor arbeitet – und die Erkundung all der schönen, versteckten Ecken der immer etwas verkannten Metropole zu seiner Passion gemacht hat. Imagepflege inklusive!

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de