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Reiseführer Sri Lanka:Auftakt

Entdecken Sie Sri Lanka!

Wie ein tränenförmiger Smaragd, so wirkt es auf der Landkarte, hängt Sri Lanka am indischen Subkontinent. Keine 700 km vom Äquator entfernt vermischt sich auf der Tropeninsel das satte Grün der rauschenden Palmhaine und dichten Dschungelwälder mit dem leuchtenden Grün der Reisfelder und Teeplantagen. Keinem anderen Land der Welt haben Besucher schönere Namen verliehen: Als Tabropana, die Kupferfarbene, kannten sie schon die Römer vor gut 2000 Jahren, als Serendib, die Bezaubernde, beschrieben arabische Seefahrer das Eiland. Sinhala dvipa, die Löweninsel, wird sie in antiken Sanskritschriften genannt. Poetisch klingt auch der heutige Staatsname: Sri Lanka, die Ehrwürdige Schöne heißt die Insel seit 1972, während die Tamilen sie immer noch Ilankai, die Wundervolle, nennen.

Mit 65525 km2 nicht mal so groß wie Bayern entfaltet sich die legendäre Vielfalt der Insel zwischen dem Point Pedro im Norden und dem 435 km entfernten Dondra südlich von Matara. Von Ost bis West beträgt die Entfernung an der breitesten Stelle nur 225 km. Dazwischen liegt ein landschaftlicher Reichtum, der immer wieder erstaunt. Entlang der über 1300 km langen Küste locken endlose Sandstrände und einsame Buchten, sich im Wind wiegende Kokospalmen und steile Felsenkliffe. Hier herrscht Badespaß das ganze Jahr: zwischen November und April im Westen und tiefen Süden, von Mai bis Oktober an der Ostküste, an der seit Ende des Bürgerkriegs immer mehr Unterkünfte entstehen. Ob schlichte Pensionen, noble Kolonialvillen oder schicke Resorts - an den kilometerlangen Stränden rund um das Eiland wird jeder fündig. In Mount Lavinia bei Colombo blickten schon die Beamten des britischen Empires sehnsüchtig aufs Meer, während Sri Lankas ältestes Seebad, Negombo, bereits Anfang der 1970er-Jahre europäische Urlauber in die Tropensonne lockte. Badeurlaub nach jedem Geschmack können Touristen entlang der sogenannten Goldene Küste zwischen Colombo und Galle machen. Hier kommen Wassersportler genauso auf ihre Kosten wie alle, die einfach nur ihre Seele baumeln lassen wollen. Wer sich aufraffen kann, wird es nicht bereuen, denn im Hinterland wartet so manches idyllische Kleinod, seien es lauschige Lagunen, stille Seen oder verwunschene Tropengärten. Die Arugam Bay im Osten wiederum wirkt wie ein Magnet für Wellenreiter aus aller Welt, die Surfspots zählen in der Szene zu den besten Asiens. Wer schließlich abtauchen möchte, findet in den Tiefen des Indischen Ozeans fischreiche Riffs und geschichtsträchtige Wracks.

Doch damit nicht genug. In den vielen üppiggrünen Gärten haben Kardamomsträucher, Pfefferranken und Zimtbäume Sri Lankas Ruf als Gewürzinsel begründet, während Palmhaine, Reisfelder und Kautschukplantagen noch heute eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft darstellen. "Wir finden hier das Paradies, die Fülle und Üppigkeit aller natürlichen Gaben", notierte euphorisch Hermann Hesse 1911 bei seinem Spaziergang in den Bergen. Wie der berühmte Dichter des "Siddharta" kommen auch heute noch Reisende bei ihrer Fahrt durch das Hochland ins Schwärmen: Teeplantagen, die sich wie ein grüner Teppich über die Berghänge legen, urige Bergorte wie Ella und Haputale, von denen sich herrliche Panoramablicke ergeben, erfrischende Wasserfälle wie die Dunhinda Falls oder wilde Flüsse wie in Kitulgala. Doch nicht nur landschaftlich sind die Berge ein Kontrastprogramm zur Küste, sondern auch klimatisch. Wer dorthin reist, sollte Windjacke und Pullover immer griffbereit halten. Dank seiner Nationalparks ist Sri Lanka auch für Naturfreunde ein lohnenswertes Ziel. Wildelefanten am Stausee, Leoparden in der Savanne, Affenhorden zwischen Tempelruinen und Delfinschwärme im Meer begeistern bei so manchem Blick durch das Fernglas.

Im Kulturellen Dreieck erinnern die antiken Stätten an eine hochentwickelte, über 2300 Jahre alte Zivilisation. Sie brachte nicht nur steinerne Zeugnisse des Buddhismus hervor, sondern aufgrund der geringen Niederschläge in der Trockenzone auch ein ausgefeiltes Bewässerungssystem. Von den heute mehr als 33000 Stauseen stammen noch viele aus der Zeit der alten Könige. "Kein noch so kleiner Regentropfen soll ins Meer fließen, ohne zuvor den Menschen zugute gekommen zu sein", war das Motto des großen Herrschers Parakramabahu aus dem 12. Jh., der tausende Kanäle und Reservoirs anlegen oder restaurieren ließ. Heute sind die Stauseen auch wichtige Biotope für Wasservögel und Wildelefanten. Viele von ihnen wie in jene Minneriya oder Kaudulla liegen inmitten von ausgedehnten Naturschutzgebieten.

Wer durch die Ruinenfelder der einstigen Königsstädte Anuradhapura und Polonnaruwa wandelt oder die atemberaubende Bergfeste Sigiriya erklimmt, mag beim Anblick der Monumente einen Eindruck von der Kunstfertigkeit der frühen Inselbewohner bekommen. Bauchige Stupas - in Sri Lanka Dagoba genannt - erheben sich aus der weiten Ebene und erinnern an den schwierigen Weg vom Samsara zum Nirvana. Filigran gearbeitete Buddhastatuen verströmen eine innere Ruhe und Gelassenheit, die nicht nur gläubige Betrachter berührt. Mit ihren leuchtenden Farben begeistern die barbusigen Wolkenmädchen von Sigiriya schon seit über 1500 Jahren die Besucher. Einen völlig anderen, weniger kontemplativen Eindruck hinterlassen die kunterbunten Tempel der Hindus. Ihre steil aufragenden Tortürme sind über und über mit plastischen Darstellungen verziert und wirken wie ein Bilderbuch in 3-D-Format. Hier tummeln sich Götter und Göttinnen neben Dämonen und Fabeltieren aus der reichen hinduistischen Mythenwelt. Wunderschöne Beispiele gibt es etwa in Colombo und Matale, aber auch zuhauf in den wieder zugänglichen Städten Jaffna und Trincomalee.

Doch ausgerechnet auf dieser von der Natur üppig ausgestatteten Insel, mit den vielen Tempeln und Heiligtümern friedfertiger Weltanschauungen gesegnet, ausgerechnet hier war oft genug die Hölle los. Über ein Vierteljahrhundert - zwischen 1983 und 2009 - hat ein blutiger Bürgerkrieg Zehntausende von Menschenleben gefordert und die Gesellschaft zutiefst gespalten. Der Konflikt zwischen der singhalesischen Mehrheit und radikalen Mitgliedern der tamilischen Minderheit hing wie eine bleierne Wolke über dem Land. Der ethnische Konflikt mag auch etwas mit der singhalesischen Gründungslegende zu tun haben: Vijaya, ein Königssohn aus Nordindien und Enkel eines Löwen (sinha auf Singhalesisch), landete mit 700 Kriegern auf der Insel und wurde zum Stammvater der Singhalesen (Löwenmenschen). Im 3. Jh. v. Chr. bekehrte ein Sohn des großen indischen Kaisers Ashoka den König von Anuradhapura zum Buddhismus. Seither bestimmt die Religion des Erleuchteten den Alltag - und mit ihren Festen auch den Jahresrhythmus der Bevölkerungsmehrheit. Doch genauso lange wie ihre Brüder sind auch die hinduistischen Tamilen auf der Insel ansässig. Meist lebten sie friedlich nebeneinander und inspirierten ihre jeweilige Kultur, auch wenn es immer wieder zu politischen Machtkämpfen und Kriegen kam. Während der britischen Kolonialherrschaft wurden jedoch die Tamilen bevorzugt, bis nach der Unabhängigkeit 1948 die singhalesische Elite den Spieß umdrehte. Hass staute sich auf, der nach heftigen Unruhen 1983 in einen langen Bürgerkrieg mündete.

Heute präsentieren sich die Sri Lanker mehr denn je als wunderbare Gastgeber, die ihren Besuchern mit Freude ihre Heimat zeigen und mit einem singhalesischen Ayubowan und tamilischen Vanakkam herzlich willkommen heißen.

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"Nicht einmal so groß wie Bayern bietet Sri Lanka eine fantastische Vielfalt. Und stets ist ein Strand nicht weit", meint der Studienreiseleiter und Reisejournalist. Seit 1999 bereist der am Bodensee geborene Wahlberliner die Tropeninsel und beschreibt ihre wunderbare Mischung aus Wildlife, uralter Hochkultur, Traumstränden und herrlicher Bergwelt.

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Quelle: www.marcopolo.de