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Reiseführer Seychellen:Stichworte

Farbenpracht und Lebensfreude: traumhafte, von der Sonne verwöhnte Inseln, auf denen die Welt noch ziemlich in Ordnung ist

Bevölkerung

Rund 87500 Seychellois, kreolisch Seselwa, leben auf den ca. 115 Inseln, die die Republik Seychellen bilden. Die Besiedlung konzentriert sich auf die beiden Inseln Mahé und Praslin. Hier und auf einigen kleineren Inseln in der Umgebung leben annähernd 90 Prozent der Bevölkerung. Auf Mahé ist die Bevölkerungsdichte mit etwa 460 Einwohnern pro Quadratkilometer am größten. Die Seychellen haben eine sehr junge Bevölkerung: Fast ein Viertel der Einwohner sind gegenwärtig jünger als 14 Jahre, das Durchschnittsalter beträgt 28,2 Jahre.

Coco de Mer

Eine botanische Rarität ist die Coco de Mer, die nur auf Praslin und Curieuse gedeiht (ein paar Exemplare stehen allerdings auch im Botanischen Garten von Victoria). Ihren Namen erhielt sie bereits vor der Entdeckung der Seychellen. Da man die Inseln nicht kannte, hielt man die an anderen Küsten angeschwemmten Nüsse für Früchte eines riesigen Unterwasserbaumes. An der Coco de Mer ist alles groß: Der Samen, aus dem sie wächst, gilt als der größte in der Botanik, der Stamm ragt selbst aus dem dichtesten Wald heraus, und die Nuss bringt gute 20 kg auf die Waage. Die Blätter sind großflächig und ihre Stiele so lang, damit sie mit anderen Pflanzen besser um das spärliche Licht konkurrieren können. Legendenhaft ist die Art, wie sich die Coco de Mer nach Meinung der Einheimischen fortpflanzt. Die männliche Pflanze besitzt einen phallusartigen Fortsatz, das passende Gegenstück soll in der Frucht am weiblichen Baum sein. In stürmischen Nächten, so die Meinung der Seychellois, gelingt den Bäumen die Fortpflanzung, ein Vorgang, den aber noch niemand je beobachtet hat. Botaniker haben eine profanere Erklärung: Die ausgereiften Nüsse fallen zu Boden, und nach etwa einem Jahr bildet sich ein Keimling, der Wurzeln schlägt und im Laufe von vielen Jahren zum Baum emporwächst. Ein Vierteljahrhundert dauert es, bis der junge Baum erstmals selbst Früchte trägt. Seine Lebenserwartung beträgt vermutlich 200 bis 400 Jahre. Jahrhundertelang galt die Nuss der Coco de Mer als Symbol für Reichtum und Wohlstand. Heute ist sie ein beliebtes, wenngleich voluminöses Mitbringsel von den Seychellen; rund 2000 Stück werden pro Jahr an Touristen verkauft.

Esmeralda & Co.

Nirgendwo auf der Erde gibt es so viele Riesenschildkröten wie auf den Seychellen. Esmeralda ist die älteste unter ihnen und trotz des Namens ein Männchen. Er hat ein Gewicht von 298 kg. Schätzungen geben ihm ein Lebensalter von 120-150 Jahren. Die behäbigen Tiere sind Relikte aus einer vergangenen Erdepoche. Der Mensch hätte ihrer Existenz beinahe ein Ende bereitet, denn als die ersten Seefahrer auf die Seychellen kamen, dienten die Tiere als praktische Fleischlieferanten. Nicht selten hatten die Schiffe, wenn sie wieder davonsegelten, Dutzende lebender Tiere an Bord, die dann auf der Fahrt über die Weltmeere bei Bedarf geschlachtet wurden. Die Folge war eine drastische Dezimierung des Bestands. Erst eine Schutzerklärung der Regierung und die internationale Ächtung des Genusses von Schildkröten bzw. Schildkrötensuppe machte dem Abschlachten der Tiere ein Ende. Außerdem wurden die Eiablage- und Brutplätze der Tiere für Menschen gesperrt. Seitdem ist die Zahl der Schildkröten wieder deutlich angestiegen. Heute gibt es auf den Seychellen geschätzte 170000 Riesenschildkröten. Die meisten Tiere leben auf dem Aldabra-Atoll, aber auch auf fast allen anderen Inseln der Seychellen sind sie zu finden.

Fauna

Auf Bird Island lernen Sie nicht nur Esmeralda kennen, sondern - wie auf anderen Inseln auch - viele exotische Vögel: z. B. Ruß- und Feenseeschwalben. Auf La Digue können Sie den selten gewordenen Paradiesschnäpper treffen, im Aldabra-Atoll die Weißkehlralle oder den Aldabra-Drongo, einen Singvogel. Dazu kommen zahlreiche Möwen- und Schwalbenarten und für die Tropen typische Vögel, z. B. der Weißschwanz- oder der Rotschwanztropikvogel. Die stolzen Bindenfregattvögel sind mit einer Flügelspannweite von bis zu 2 m die mächtigsten Seevögel. Auf der Insel Frégate gibt es eine zoologische Rarität, die Seychellen-Schamadrossel. Von dem unscheinbaren schwarz-weißen Vogel gibt es heute wieder etwa 80 Exemplare, obwohl er noch vor wenigen Jahren vom Aussterben bedroht war. Possierliche Tierchen sind die Eidechsen, Salamander und Geckos. Letztere sind besonders beliebt, weil sie sehr gern Ungeziefer fressen.

Flora

Einst waren fast alle Inseln von dichtem Urwald bedeckt. Heute ist die Vegetation durch den Menschen geprägt. An ihrer Üppigkeit hat sie gleichwohl kaum etwas eingebüßt. Die größte Vielfalt erlebt man auf der Hauptinsel Mahé. Allerdings sind gerade hier die Spuren des zu sorglosen Umgangs mit der Natur sichtbar: Wo sich einst Mangroven- und Edelholzwälder ausdehnten, dominieren heute artenarme bzw. mit ursprünglich habitatfremden Pflanzen durchsetzte Sekundärwälder. Sie bestehen meist aus Kokospalmen und aus den importierten Arten Eukalyptus und Albizzia sowie aus Zierpflanzen wie Hibiskus oder Bougainvillea. Nur noch in höheren Lagen trifft man auf ursprüngliche Nebelwälder.

Auf den Seychellen gibt es viele Pflanzen, die es anderswo auf der Erde nicht mehr oder nur noch in geringer Zahl gibt. Manche davon waren nicht immer dort heimisch, etliche Arten wurden als Samen oder Setzlinge von anderen Inseln hierher gebracht. Zu den botanischen Raritäten gehören z. B. der bwa fer (Eisenholzbaum), von dem es nur noch wenige Exemplare gibt, oder der Quallenbaum, dessen Blüten quallenähnlich aussehen. Nur auf den Seychellen beheimatet ist auch die Seychellenvanillenorchidee mit großen, weißen Blüten. Zahlreich vertreten sind Palmen. Da gibt es z. B. die Palmiste: Aus ihrem weichen Ende am oberen Stamm wird der feine "Millionärssalat" gemacht. Wirtschaftlich am bedeutendsten sind die Kokospalme, die von der Wurzel bis zum Palmblatt verarbeitet wird, und der Zimtbaum, den der französische Gouverneur Pierre Poivre 1772 aus Ceylon (heute Sri Lanka) importierte. Die Rinde des Baumes wird zum Gewürz zermahlen oder zu kleinen Stangen geformt. Nachdem der Anbau lange Jahre unrentabel war, lohnt er sich heute wieder. Weitere wichtige Gewürzpflanzen sind Gewürznelke, Vanille, Zitronelle und Patschuli.

Geografie

Der Archipel der Seychellen erstreckt sich, wenn man die 200-Meilen-Zone hinzuzählt, über eine Fläche von nicht weniger als 1 Mio. km2 . Die eigentliche Landfläche nimmt jedoch nur 455 km2 ein. Topografisch gesehen gehören die Seychellen zum afrikanischen Kontinent; die zu den Inneren Seychellen (Inner Islands) zählenden Inseln sind ein versprengtes Überbleibsel des erdgeschichtlichen Urkontinents Gondwana. Zu den Inner Islands mit einer Fläche von rund 31000 km2 zählen 32 Inseln, die fast alle aus Granit bestehen. Im Gebiet der Äußeren Seychellen (Outer Islands) gibt es auf einer Fläche von rund 400000 km2 vorwiegend Koralleninseln, z.B. die Amiranten oder das Aldabra-Atoll. Die Entfernung zwischen der Hauptinsel Mahé und dem afrikanischen Festland beträgt etwa 1600 km. Zwischen Frankfurt/M. und Mahé liegen 7565 km Luftlinie.

Klima

Die jahreszeitlichen Temperaturunterschiede halten sich in Grenzen. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 26,6 Grad, heißer als 32 Grad wird es nur selten. Angenehm und trocken sind die Monate Mai bis Oktober mit manchmal starkem Südostmonsun. Heißer und feuchter sind die Monate Dezember bis März, wenn der Monsun aus Nordwesten kommt. Durch die große Ausdehnung des Archipels ist mit regional unterschiedlichen Klimabedingungen zu rechnen. Die Wassertemperatur liegt das ganze Jahr über stabil bei 26-30 Grad, die Sonnenscheindauer beträgt im Schnitt 6-8 Stunden täglich.

Kreolisch

Kreolsprachen entstanden vor allem in den überseeischen Gebieten europäischer Kolonialmächte, wo sich die dort gesprochenen Sprachen und Dialekte mit jenen vermischten, die die Kolonisatoren mitbrachten. Das auf den Seychellen gesprochene Kreolisch heißt Seselwa und erinnert in Phonetik und Syntax an das Französische. Es ist heute Amtssprache und wird in den Schulen als offizielle Unterrichtssprache benutzt.

Nationalparks

Unter Naturschutz stehen u. a. die Inseln Aride, Cousin und Curieuse sowie der Morne-Seychellois-Nationalpark auf Mahé. Schutz als Weltnaturerbe genießen das Vallée de Mai auf Praslin sowie das Aldabra-Atoll; geschützt sind auch Teile der die Inseln umgebenden Meeresflächen. Rücksichtnahme vorausgesetzt, ist Baden gestattet. Hier zwei der interessantesten Meeresnationalparks:

Baie Ternay an der Westspitze von Mahé umfasst 80 ha. Bemerkenswert sind diverse Seegräser (z. B. Turbinia). Das Korallenriff regeneriert sich langsam wieder. Taucher haben es in früheren Jahren beschädigt. Die Karettschildkröten bevorzugen die Baie Ternay als Laichplatz.

Der Curieuse-Nationalpark vor Praslin umfasst 1470 ha. Er besteht zu vier Fünfteln aus Land- und zu einem Fünftel aus Wasserfläche. Zum Park gehören die Insel Curieuse sowie der Kanal, der die Insel von der Anse Boudin trennt. Als schutzwürdig gelten hier die Coco de Mer sowie der Mangrovenwald der Turtle Bay.

Politik

Man möchte fast meinen, die Seychellois leben im Paradies: kostenloser Schulbesuch bis zum Studium, freie Arzt- und Krankenhausbehandlung, eine staatlich garantierte Rente und sonst noch einige soziale Leistungen mehr. Das sind für die Bevölkerung die durchaus positiven Folgen einer Politik, die sich jahrzehntelang eine nach sozialistischem Vorbild geprägte Regierung leistete. Dass sie diese Wohltaten nur einführen konnte, war jedoch nur mithilfe tatkräftiger Unterstützung vor allem durch andere sozialistische Staaten wie zum Beispiel der damaligen Sowjetunion und der DDR möglich. Diese massive Entwicklungshilfe machte die Seychellen im Vergleich zu ihren Nachbarn auf dem afrikanischen Kontinent zu einem wohlhabenden Sozialstaat. Bald war man es gewohnt, Träume zu verwirklichen, die in anderen Ländern kaum möglich waren.

Der Niedergang der Sowjetunion und die Auflösung der DDR und der damit verbundene Wegfall der Subventionen konnte durch gestiegene Einnahmen aus dem Tourismus kaum wettgemacht werden. Die Folge war eine neue Politik, bei der dem damaligen Regierungschef France Albert René notgedrungen nichts anderes übrig blieb, als zum Beispiel einer Privatisierung zuzustimmen, die vor allem die staatliche Lenkung der Wirtschaft zurücknahm. Das alles brachte jedoch nur teilweisen Erfolg, sodass die Seychellen etwa Mitte der 1990er Jahre eine akute Devisenknappheit verzeichneten. Renés Nachfolger James Alix Michel erleichterte ausländische Unternehmensgründungen ebenso wie er einen Freihafen einrichten ließ, der die Seychellen zu einer interessanten Drehscheibe für den Warenhandel machte. Und schließlich erlaubte die Regierung den Bau neuer Hotels sowie von Unterkünften, die heutzutage auch von Privatpersonen in Form von Gästehäusern betrieben werden können. Gleichwohl ist es auch weiterhin das erklärte Ziel der Regierung, möglichst umweltschonenden Tourismus zu fördern.

Religion

Annähernd 90 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum katholischen Glauben; der sonntägliche Kirchgang spielt eine große Rolle. Dennoch pflegen viele Seychellois insgeheim ihre Vorlieben für Aberglauben, Mystik und Zauberei, deren Grundlagen an den westafrikanischen Voodookult erinnern - ein Synkretismus, wie er typisch ist für ehemalige Sklavengebiete. Die Zauberer sind z. B. dann gefragt, wenn jemand herausfinden möchte, warum sich die Freundin so merkwürdig verhält, oder wenn jemand eines plötzlichen Todes gestorben ist.

Wirtschaft

Der wichtigste Wirtschaftszweig ist der Tourismus, mit dem über 70 Prozent der Deviseneinnahmen und rund ein Drittel des Bruttosozialprodukts erwirtschaftet werden. Von Bedeutung sind noch die Fischerei und die Herstellung von Kopra, bis vor ein paar Jahrzehnten das Hauptexportprodukt. Das getrocknete Fruchtfleisch der Kokosnuss wird als Grundstoff in der chemischen Industrie benötigt. Es dient u. a. zur Herstellung von Seife, Shampoo, Waschmittel, Kerzen und Kunstharzlack. Immer noch nehmen Kokosplantagen den größten Anteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche ein und bieten einem Großteil der Bevölkerung Arbeit. Industrie gibt es nur in sehr bescheidenem Umfang, allerdings strebt die Regierung auf neu gewonnenem Gelände auf Mahé die Ansiedlung weiterer Fertigungsbetriebe an. Die wichtigsten Ausfuhrgüter neben Kopra und Dosenfisch sind Gewürze wie Zimt oder Vanille.

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Im Arbeitszimmer des vielgereisten Journalisten, der seit fast 30 Jahren Reportagen, Artikel und Bücher über ferne Länder verfasst, hängt ein Siebdruck von Sir Michael Adams, dem berühmtesten Künstler des landschaftlich so reizvollen Inselstaats im Indischen Ozean: "Wenn ich gestresst bin, schaue ich ein paar Minuten auf dieses Bild und werde ganz ruhig …"

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Quelle: www.marcopolo.de

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