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Reiseführer Schweden:Essen & Trinken

Köttbullar, Krebse und Knäckebrot - die schwedische Küche überzeugt mit guten Produkten und einfachen Gerichten

Einige schwedische Köche gehören gar zu den Besten ihrer Zunft. In den letzten Jahren haben sie gleich mehrfach einen der vordersten Plätze bei den internationalen Kochweltmeisterschaften belegt. Der Erfolg schlägt sich vor allem in der Stockholmer Restaurantszene nieder. In der Hauptstadt gibt es eine Handvoll Häuser, die mit mindestens einem Michelinstern ausgezeichnet worden sind. Natürlich sind dort auch die Preise entsprechend. Vorsicht ist dagegen bei den vielen kvarterskrog, den preisgünstigeren Gaststätten, und deren Angebot dagens rätt angesagt. Diese Tagesgerichte kosten zwar inklusive Salat, Brot und Kaffee oftmals keine 8 Euro, aber leider ist die Qualität nicht immer die beste. In den meisten Gaststätten stellen Sie sich die Mahlzeiten aber wie in einer Kantine selbst zusammen - so können Sie sich zuvor ein Bild machen.

Zur schwedischen Esskultur gehören auch die gatukök genannten Straßenküchen. Die dort servierten Hot Dogs und Würstchen mit Kartoffelbrei sind sicher nicht jedermanns Sache, doch wer nicht wenigstens einmal an einer dieser Imbissbuden gegessen hat, hat nicht die komplette schwedische Küche kennengelernt.

Gefragt nach ihrem Lieblingsessen, lautet die Standardantwort vieler Schweden husmanskost. Diese traditionellen Gerichte unterscheiden sich von Region zu Region. Oft gehört Hering dazu und die eine oder andere Art von bullar, Frikadellen aus Fisch (fiskbullar) oder Fleisch (köttbullar). Besonders die vielen Sorten sill - Hering, auf lauter unterschiedliche Arten angemacht - zeigen, dass auch aus wenigen Zutaten kreative Küche entstehen kann. Überhaupt wird Fisch viel häufiger serviert als in Kontinentaleuropa. Am beliebtesten ist neben Hering weiterhin Dorsch. Häufig stehen auch Rentier oder Elch auf der Speisekarte.

Viele der traditionellen Gerichte sind an eine bestimmte Jahreszeit gebunden. Im August lädt ganz Schweden zu kräftskiva ein, dem alljährlichen Flusskrebsessen.

Eine weitere Esstradition ist das julbord, ein üppiges Buffet mit Pasteten, Käse, Fisch und Fleisch, das nur um die Weihnachtszeit herum aufgebaut wird. Während des restlichen Jahres wird zum smörgåsbord gebeten, einem Buffet mit ebenfalls jeder Menge schwedischer Zutaten: Hering, Lachs und anderer Fisch in diversen Varianten, Beeren und Pilze, Krabben, Schinken, Pasteten, Käse, frische Früchte und und und. Die Buffets gibt es auf Betriebs- oder Privatfeiern in Restaurants, oder sie werden daheim aufgebaut.

Zum Essen wird in Schweden tagsüber meist Limonade (läsk), Milch (mjölk) oder Leichtbier (lättöl) getrunken, abends Bier mit normalem oder erhöhtem Alkoholgehalt (öl bzw. starköl) oder Wein (vin). Getränke mit einem Alkoholgehalt von über 3,5 Prozent können nur in den staatlichen Systembolaget-Geschäften gekauft werden. Die haben zwar eingeschränkte Öffnungszeiten, dafür aber ein hervorragendes Angebot.

Weil der Alkohol in Schweden viel Geld kostet, ist es vor allem bei jüngeren Leuten üblich, dass zu Partys und zu Abendessen jeder Gast seine Getränke selber mitbringt. Leitungswasser gibt es in den meisten Restaurants und Kneipen gratis. Es kann bedenkenlos getrunken werden. Nur rauchen dürfen Sie dort nicht. In allen Restaurants und Bars herrscht Rauchverbot.

Das Frühstück ist mit Brot und Marmelade oder Käse eher kontinental ausgerichtet, ein Schluck Sauermilch (filmjölk) darf allerdings nie fehlen. Das Mittagessen (lunch) wird bereits relativ früh ab 11.30 Uhr eingenommen. Auch das Abendessen, das in Schweden verwirrenderweise middag heißt, wird schon gegen 18 Uhr serviert. Als Beilage kommt stets Brot auf den Tisch, das meist mit Zimt gewürzt oder mit Sirup gesüßt wurde. Das berühmte Knäckebrot schmeckt hingegen vor allem nach Korn.

Die Schweden naschen gern. Zum Tee und Kaffee gibt es häufig Zimtschnecken (kanelbullar) oder Wienerbrot. In Kiosken und Supermärkten stapeln sich auf langen Regalen Bonbons, Weingummis und andere Süßigkeiten. Die sogenannten godis werden grammweise verkauft. Und damit sie nicht im Übermaß genossen werden, haben viele Familien einen godisdag eingeführt. Nur an diesem Wochentag bekommen die Kinder ihre heiß geliebten Süßigkeiten.

Egal ob Frühstück, Snack, Mittagessen oder Nachspeise - Beeren spielen eine wichtige Rolle. Besonders im Spätsommer lassen sich die Köstlichkeiten aus Moltebeeren, Preiselbeeren oder Himbeeren genießen. Viele Schweden fahren in den letzten warmen Wochen an einen nur ihnen bekannten "Geheimort" in einem nahen Wald, um die Hausbestände an Blaubeeren wieder aufzufüllen. Während die teuren Moltebeeren vornehmlich bei Desserts zur Anwendung kommen, isst man die günstigeren Preiselbeeren auch zu Fleisch oder Gemüse. Aus vielen Beerensorten werden zudem - für besondere Gelegenheiten - hausgemachte Weine hergestellt.

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Der Schweizer Journalist berichtet seit rund 25 Jahren in Radio und Presse über die Entwicklung in Nordeuropa. Auf seinen vielen Reisen hat der Bahn- und Fahrradfan Schweden besser kennen- und schätzen gelernt als die meisten Einheimischen. Einen großen Teil des Jahres lebt er in Falun, doch die langen Sommertage verbringt er mit seiner Familie am liebsten am malerischen Arboga-Fluss.

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Quelle: www.marcopolo.de