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Reiseführer Plattensee:Essen & Trinken

Die Spezialität ist der Balaton-Zander: Am Plattensee dominiert ungarische Hausmannskost, ergänzt um Pizza, Pasta und Fast Food

Zum klassischen Repertoire der Balaton-Restaurants gehören vor allem typisch ungarische Gerichte wie pörkölt (Gulasch), das zumeist als Rindergulasch auf den Tisch kommt, oder paprikás, Gerichte mit Paprika. Besonders verbreitet ist das Paprikahuhn (paprikás csirke). Beliebt ist auch Gulaschsuppe (gulyás), die traditionell im Kessel über offenem Feuer zubereitet wird. Kurzgebratenes kommt nur selten in guter Qualität auf den Tisch. Paniertes Fleisch gehört dagegen zu den beliebtesten Gerichten auf dem Tisch.

Zu den Favoriten im Sommer gehören Gerichte vom Grill. In der Regel sind die Spieße und Grillteller nicht schlecht. Ob das Restaurant an der Fleischqualität gespart hat, weiß der Gast nach dem ersten Besuch - und kann es sich gegebenenfalls künftig woanders schmecken lassen.

Fisch steht auf fast jeder Speisekarte, spielt aber - anders als an den großen Seen in Deutschland, Österreich oder Italien - keine Hauptrolle. Die Auswahl beschränkt sich fast immer auf den (recht teuren) Balaton-Zander (fogas) und gelegentlich Wels. Der Fisch wird meist gegrillt oder paniert und dann gebraten. Auch wenn einige Restaurants noch halászcsárda heißen - Fischrestaurants, die diese Bezeichnung verdienen, gibt es am Balaton so gut wie gar nicht.

Wie es um die Qualität eines Restaurants steht, ist zudem nur schwer einzuschätzen. Köche werden meist nur für die Dauer einer Saison engagiert. Wer in der nächsten Saison am Herd steht - das ist die Frage. Außerdem orientiert sich das Angebot an der Nachfrage, und noch dominieren am Balaton Besucher, denen der Sinn nach umfangreichen Speisekarten und großen, preiswerten Portionen steht. Darüber bleibt eine kreativere, leichtere Küche allzu häufig auf der Strecke.

Es hat sich aber einiges getan. Auf den Speisekarten sind nicht nur Salate selbstverständlich geworden. Ungarns Köche haben auch ein kulinarisches Kapital entdeckt, das Feinschmeckern im Ausland längst ein Begriff ist: das Fleisch des Mangalitzaschweins. Dieses Tier, auch Wollschwein genannt, ist eine in Ungarn heimische Rasse, die vom Aussterben bedroht war. Sein Fleisch ist nicht zuletzt deshalb so schmackhaft, weil die Schweine ganz natürlich - im Freien und mit viel Auslauf - gehalten werden. Spanier machen aus den Borstentieren den berühmten, teuren Serranoschinken.

Eine weitere ungarntypische Tierrasse ist das Steppen- oder Graurind. Auch das Fleisch von diesem Tier erlebte in jüngster Zeit eine Küchenkarriere. Unterstützt wird die Entwicklung dadurch, dass sich engagierte Persönlichkeiten wie z. B. der Badacsonyer Weingutsbesitzer Huba Szeremley für diese besonderen Tiere starkmachen. Szeremley betreibt in der Puszta einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Steppenrindern und Mangalitzaschweinen.

Internationale Küche besteht aus Pizzerien und Fast-Food-Ketten. Fast alle Restaurants weisen darauf hin, dass sie auch vegetarisch kochen. Normalerweise beschränkt sich das Angebot jedoch auf Gebackenes (Blumenkohl, Champignons und Käse).

Restaurants werden als étterem, Gaststätten als vendeglő, ein Imbiss als büfé und eine Konditorei als cukrászda bezeichnet. Eine csárda ist ein rustikales Gasthaus. In einem eszpresszó gibt es Getränke und belegte Brötchen. Erstklassige, wirklich niveauvolle Restaurants mit elegantem Ambiente sind selten und am ehesten noch in Hotels der Viersternekategorie zu finden. Ein Restaurant der Preiskategorie €€ unterscheidet sich darum von einem der Kategorie €€€ in der Regel nur durch ein paar Euro weniger pro Person. Es rangiert jedoch nicht in einer wesentlich anderen Klasse, was Qualität und Ausstattung angeht.

Badacsony, das nach Tokaj bekannteste Weinbaugebiet Ungarns, liegt am Nordufer des Sees. Die wichtigsten Sorten dieser Region sind der Olaszrizling (Welschriesling), der Zöldszilváni (Grüner Silvaner), der Muskotály (Muskateller), der Graue Mönch und der Blaustengler. Die Halbinsel Tihany gehört zur Weinregion Balatonfüred-Csopak. Sie ist das einzige traditionelle Rotweingebiet des Balaton-Oberlands. Das Zentrum des Anbaugebiets Dél-Balaton am Südufer erstreckt sich von Balatonboglár bis Fonyód. Rund um den See gibt es zahlreiche Weinkeller, die zu Weinproben und Verkostungen einladen.

Die größeren Restaurants vom Typ csárda und andere sind in der Regel ganzjährig geöffnet. Das gilt auch für die meisten Cafés und Konditoreien, die ja auch von den Bewohnern der Gegend genutzt werden. Kleinere Lokale, Imbisse, Büdchen, Gärten etc. schließen dagegen oft schon sehr bald nach Ende der Saison im September ihre Pforten.

Restaurants sind in der Regel täglich geöffnet und schließen zwischen 22 und 23 Uhr.

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Nils Kern lebt als Journalist, Autor von Reiseführern und Übersetzer in Polen. Ungarn und den Plattensee erkundet er seit nunmehr fast 20 Jahren auf zahlreichen längeren Reisen wie auch im Rahmen einiger Kurztrips - und lernte es im Wandel dieser Jahre kennen. Er mag besonders die herrliche Ruhe des Balaton im September und die Gastlichkeit der "Zimmerfrei"-Privatvermieter.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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