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Reiseführer Peru - Bolivien:Auftakt

Entdecken Sie Peru/Bolivien!

Schauplatz Bolivien, in einem Dorf am Titicacasee: Cocablätter schimmern matt im Kerzenlicht. Davor sitzt der kallawaya, der Schamane, und liest aus ihnen das Orakel. "Sieh", erklärt der alte Mann leise, "sie verheißen dir Gutes …" Rund 1000 km weiter in Peru: Ein Bus voller Touristen fährt von der Ruinenstätte Machu Picchu hinunter ins Tal - Kurve um Kurve. Ein kleiner Junge ist jedes Mal schneller. Er kürzt die Serpentinen stets über einen steilen Pfad ab und erwartet den Bus in jeder Geraden mit einem gellenden Schrei auf Quechua: "Auf Wiedersehen!" Um unten dann mit geöffneter Hand herumzugehen …

Rund drei Zugstunden weiter südöstlich: In der ehemaligen Inka-Festung Sacsayhuamán nahe der alten Inkametropole Cuzco proben Peruaner rituelle Tänze, wie sie einst zum Sonnenwendfest Inti Raymi vor dem obersten Inka zelebriert wurden. Wenn das Fest über die Bühne geht, werden sie dazu prächtige Kostüme mit Federkopfschmuck tragen. An Stelle des obersten Inka, der früher dem Fest vorsaß, werden sich Touristen das farbenprächtige Spektakel ansehen. Oder Juanita. Die tiefgefrorene Jungfrau ruht in einem gläsernen Schausarg in der peruanischen Kolonialstadt Arequipa. Das Mädchen starb vor ein paar Hundert Jahren auf der Spitze eines Vulkans als Opfer für die Götter - genau wie die drei Inkakinder, die Archäologen 1999 im Eis des Vulkans Llullaillaco fanden. Bei den Untersuchungen fand man keine Spuren von Gewaltanwendung. Offensichtlich waren die Kinder sich dessen bewusst, dass sie geopfert würden. Kinder galten bei den Inka als Mittler zwischen Göttern und Menschen. Tauchen Sie ein in die lebendige Welt einer uns zutiefst fremden Kultur! So unverständlich uns der Opfertod der Kinder erscheint, so beschämend der Almosenlauf des Jungen von Machu Picchu und so inszeniert das Touristenspektakel zu Inti Raymi - so viel erzählen sie von der Geschichte, vom Glauben, den Traditionen, der Mentalität der Menschen in diesen Ländern.

Peru und Bolivien sind wie geschaffen für Abenteurer, für Bildungsreisende und Naturfans. Aber auch Gourmets und Sportbegeisterte kommen in beiden Andennationen voll auf ihre Kosten. Ob auf eigene Faust, mit einer lokalen Reiseagentur oder im Rahmen einer länderübergreifenden Studienreise - es erwartet Sie eine Fülle an Eindrücken, die Ihnen die Reise unvergesslich machen wird. Die höchste Großstadt der Welt (La Paz), der größte Hochlandsee (der Titicacasee), die legendäre ehemalige Inkametropole Cuzco und die verwunschene Bergfestung Machu Picchu sind nur die bekanntesten Highlights. Nach einem Besuch der ehemaligen Chimú-Metropole Chan Chan, der Moche-Pyramiden von Túcume, der Linien von Nazca oder des Tempels Chavín bei Huaraz wird auch Sie das Entdeckerfieber erfassen, das bis heute unter den Archäologen grassiert. Immer wieder finden sie Neues: unberührte Inkastädte, geheimnisvolle Zeichen oder, bei Caral, die älteste Stadt Amerikas.

Dabei sind weite Teile Perus alles andere als eine von der Natur reich beschenkte Region: Die Küste ist eine Wüste, der die Menschen nur mittels künstlicher Bewässerung Grün entlocken. Und die Anden, die beide Länder mit mächtigen Kordilleren und eisgekrönten Gipfeln durchziehen, wirken während der Trockenzeit vielfach wie verbrannte Erde: kahl und braun. Nur in den Tälern zum Amazonastiefland hin und in den Regenwäldern östlich der Anden wuchert üppiges Grün. In den ländlichen Gebieten wird der Boden immer noch wie zur Zeit der Inka in comunidades beackert, wie die traditionellen Dorfgemeinschaften heißen. Im Hochland, auf 3500-4500 m, sind einige dieser comunidades noch wie vor Jahrhunderten mit Steinmauern begrenzt. Dort schreiten die Dorfobersten die Mauern noch mit ihrem Stab ab und lehren die Dorfjungen, das Land zu bebauen, Fremden zu misstrauen und die Geister zu fürchten.

Wenn Sie Peru und Bolivien entdecken, machen Sie sich auf archaische Bilder und auf die Konfrontation mit der Not gefasst: Menschen hausen im eisigen Hochland in Hütten, Kinder leiden unter Unterernährung und betteln in zerlumpten Kleidern Touristen an. Rückständigkeit und Armut sind in beiden Ländern - in Bolivien noch stärker als in Peru - erschreckend, ein Erbe selbstsüchtiger Regierungen von der Kolonialzeit bis heute. Auch den Eliten beider Länder ist das eigene Wohlergehen oftmals wichtiger als die Bildung und Gesundheit ärmerer Mitbürger.

In Bolivien, dem Land Südamerikas mit dem höchsten Anteil an indigener Bevölkerung, war die Hoffnung auf ein menschenwürdigeres Leben der Ärmeren 2006 mit dem Regierungsanstritt von Evo Morales gestiegen. Armuts- und Korruptionsbekämpfung blieben seine wichtigsten Ziele auch nach seiner Wiederwahl, die er mit 64 Prozent aller Stimmen erreichte. Seine größten Kontrahenten aber bleiben die Städte, allen voran das wohlhabende Santa Cruz. Bei den Regional- und Kommunalwahlen im April 2010 sah er nur drei der zehn wichtigsten Städte auf seiner Seite. Eines aber hat Morales jetzt schon bewirkt: Indigen sein fühlt sich endlich gut an in den Anden. Selbstbewusster denn je werden alte Traditionen gepflegt, und das wirkt sich zur Freude der Besucher auf die Vielfalt des Kunstgewerbes aus, seien es Textilien oder Schmuck.

Bei den sozialen Extremen kann Reisen in Peru und Bolivien ein Wechselbad der Gefühle sein, ein Abenteuer zwischen Faszination und Kulturschock. Wie in anderen Ländern der Dritten Welt, in denen sich zwischen Arm und Reich eine große Kluft auftut, sollte man soziale Brennpunkte meiden. Immerhin hat eine intensive Tourismusförderung inzwischen dafür gesorgt, dass Urlauber selbst im entlegensten Winkel des Landes nicht mehr als Eindringlinge angesehen werden.

Peru ist fast viermal so groß wie Deutschland, Bolivien gut dreimal. Wer nicht tagelang mit dem Bus unterwegs sein will, überwindet die Distanzen oft besser mit dem Flugzeug. Meist sind es Flüge von einem klimatischen Extrem ins andere. Spätestens auf dem 4000 m hohen Altiplano wird Ihr Körper Sie dazu auffordern, das Reisetempo zu drosseln. Nur wenige Kilometer östlich wartet das andere Extrem: die dampfend heiße und schwüle Welt des Amazonas-Dschungels. Der weltberühmte Nationalpark Manu in Peru z. B. liegt zwar nur einen Luftsprung von Cuzco entfernt, aber eben 3000 m tiefer. Und noch ein Rat: Wenn Sie die Hauptstadt Lima genießen wollen, reisen Sie in den ersten Monaten des Jahres, nicht im europäischen Sommer. Denn dann herrscht dort Winter, und die Stadt erinnert an London im November. Es wäre schade, wenn Sie die historischen Gebäude nicht in voller Pracht sehen könnten.

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Peru und Bolivien sind stark im Kommen, glaubt Frank Herrmann. Nach über 20 Jahren in Lateinamerika, in denen der Tourismusexperte und Journalist Reisen veranstaltet, Entwicklungsorganisationen beraten und Reiseführer geschrieben hat, sieht er ein großes touristisches Potenzial. Denn die Vielfalt an Kulturen, Landschaften, Fauna, Flora und archäologischen Stätten ist kaum zu toppen.

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Quelle: www.marcopolo.de