Süddeutsche Zeitung

Reiseführer Peloponnes:Auftakt

Entdecken Sie den Peloponnes!

Die "Insel des Pelops" ist zweieinhalbmal größer als Kreta. Hier findet fast jeder sein Urlaubsglück. Ein weit über 100 km langer Sandstrand säumt die ganze Westküste, idyllische Badebuchten verstecken sich vor Bergen so hoch wie die Alpen. Die Geschichte ist allgegenwärtig, von den Tempeln im antiken Olympia bis hin zu venezianischen Burgen direkt am Meer. Grüne Täler und wilde Schluchten laden zum Wandern ein, schöne Städtchen zum Shoppen und Flanieren. Orangen- und Olivenhaine bedecken weite Ebenen, duftende Pinienwälder säumen vogelreiche Seen und Lagunen. Und im Winter fährt man in den Bergen Ski!

Eine Reise über den Peloponnes ist eine Reise durch 100 verschiedene Landschaften, die zudem von Jahreszeit zu Jahreszeit ihr Aussehen ändern. Die mehr als 2000 m hohen Gebirge sind oft noch Anfang Mai schneebedeckt, wenn an den Küsten bereits das Badeleben beginnt. Hügel und Berge umschließen immer wieder neue Hochtäler und fruchtbare Ebenen, die wie in sich abgeschlossene Welten wirken und oft eine jahrtausendealte, an Tempel- und Palastresten noch sichtbare Geschichte haben. Lange Sandstrände, einsame Dünenstreifen und eindrucksvolle Steilküsten säumen das Ionische Meer und die Ägäis. Auch entlang des Korinthischen Golfs wird an vielen, überwiegend schmalen und kieseligen Stränden gebadet. Hier wird die Landschaft zum Teil des Erlebnisses, weil vielerorts Orangen- und Olivenhaine bis unmittelbar ans Wasser reichen, Hunderte kleiner Buchten die Ufer gliedern und gegenüber fast immer das griechische Festland mit seinen hohen Bergen vor Augen liegt. Da wird auch Fernweh wach, denn durch den Golf streben Frachter, Yachten und Kreuzfahrtschiffe auf den Kanal von Korinth zu oder aufs offene Mittelmeer hinaus.

Der bis zu 250 km lange und ähnlich breite Peloponnes ist weitgehend ländlich geprägt. In der Argolís, der Region um Nauplia und Mykene, bilden Millionen von Orangen- und Zitronenbäumen eine vitaminreiche Vegetation. Messenien im Südwesten gleicht in weiten Teilen einem unendlichen Olivenhain. In den breiten Küstenebenen im Nordwesten werden Tomaten und Erdnüsse angebaut. Überall im Flachland wachsen Trauben für Wein, Korinthen und Sultaninen. Künstliche Bewässerung macht vielerorts die Landwirtschaft lohnend, sodass - anders als in dem meisten anderen Regionen Griechenlands - auch die jungen Leute in ihren Heimatdörfern bleiben.

Das prägt auch das Leben in den Dörfern und Kleinstädten. Die traditionellen Kaffeehäuser sind an jedem Vormittag und frühen Abend gut besucht. Für die Jugend gibt es selbst in kleinen Orten moderne Cafés und Bars, in denen sie sich getrennt von den Alten bei eisgekühltem café frappé und internationalem Sound treffen. Alte Leute ziehen morgens noch immer mit Maultier und drei Ziegen vom Dorf aufs Feld und mittags zurück, während ihre Enkel vielleicht in Patras oder Trípoli studieren oder in den Küstenhotels Geld verdienen. Nicht alle jungen Männer, die man in den Dörfern sieht, sind Griechen: Hunderttausende Albaner und andere Osteuropäer, Schwarzafrikaner und Pakistaner verdingen sich auf dem Peloponnes als Land- oder Bauarbeiter.

Nur drei Städte auf dem von mehr als 1 Mio. Menschen besiedelten Peloponnes haben mehr als 30000 Bewohner: Kalamáta im Süden, Patras, die mit 164000 Ew. größte Stadt des Peloponnes, und Korinth an der Nordküste. Schwerindustrie oder umweltbelastende Betriebe gibt es praktisch nirgends, nur bei Megalópolis verpestet ein Braunkohlekraftwerk die Luft.

Patras und Korinth sind die beiden wichtigsten Eingangstore: Patras als Hafen für die Italienfähren, Korinth als die Stadt am Kanal, über den eine Eisenbahn- und vier Straßenbrücken ins 80 km entfernte Athen führen. Der Kanal durchschneidet seit 1893 den nur 5600 m schmalen Isthmus, der bis dahin den Peloponnes als Landbrücke mit dem griechischen Festland verband. Der Kanal hat den Peloponnes zur Insel gemacht. Als solche empfanden ihn freilich schon die Menschen der Antike: Sein Name bedeutet Insel des Pelops. Mythologie und Geschichte sind auf dem Peloponnes allgegenwärtig.

Auch die bedeutendste Burg des frühen Griechenlands, Mykene, liegt auf dem Peloponnes. Die mykenische Kultur prägte ganz Hellas zwischen 1580 und 1100 v. Chr. Viele der mythischen Figuren, die wir aus den Tragödien der drei großen Athener Theaterdichter Aischylos, Euripides und Sophokles kennen, waren Herrscher in Mykene. Als Nachkommen des Pelops, dessen Geschlecht wegen eines Königsmords in Olympia unter einem bösen Fluch stand, wurden sie zu Figuren antiker Kriminalgeschichten: z. B. Atreus, der die Kinder des Thyestes schlachtete, um sie ihm anschließend zum Versöhnungsmahl vorzusetzen. Einige antike Tragödien werden in der Nähe Mykenes im Sommer im antiken Theater von Epidauros aufgeführt. Solch ein Theaterabend unterm Sternenhimmel wird zum unvergesslichen Erlebnis. Immer wieder schweift der Blick über Orchestra und Bühne weit in die wie Seelenbalsam wirkende Landschaft hinaus und dazu hören Sie als Begleitmusik die unermüdlichen Zikaden.

Die Geschichte des Peloponnes war von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt. Jahrhundertelang bestimmte der Gegensatz zwischen dem aristokratischen Sparta und dem demokratischen Athen die Geschicke des klassischen Hellas. Die Habgier Venedigs sorgte 1204 dafür, dass das Byzantinische Reich zerfiel. Die folgenden zweieinhalb Jahrhunderte standen im Zeichen byzantinischer Rückeroberung des Peloponnes. Nach dem Fall Konstantinopels 1453 und der Eroberung Griechenlands durch die Türken wurde das Osmanische Reich zum neuen Widersacher Venedigs auf der Insel des Pelops. Von Venedig und Byzanz zeugen noch zahlreiche Bauwerke. Neben vereinzelten Burgen, Kirchen und Klöstern sind es zwei Stadtensembles, deren Besuch Höhepunkte jeder Peloponnesrundreise sind: Mistrás und Monemvassía.

Die originellsten Ferienunterkünfte des Peloponnes stehen aber in der Máni auf dem mittleren seiner drei großen Finger. Die Máni, vom 2400 m hohen Taigéttosgebirge gegen den übrigen Peloponnes abgeriegelt, gilt als steinigste und wasserärmste Region Griechenlands. Rau wie die Landschaft waren hier bis vor Kurzem auch die Sitten. Die Manioten hielten alle Türken aus ihrer Heimat fern; sie waren wesentlich an der Befreiung Griechenlands beteiligt. Aber auch untereinander lagen sie häufig im Streit. Von ihren turmartigen Familienburgen aus beschossen sich Nachbarn über nur wenige Meter Entfernung wegen nichtiger Anlässe. Heute kann man als Urlauber in manchen von ihnen wohnen.

Nauplia ist zusammen mit seinem Nachbarort Toló eines der beiden traditionellen Ferienzentren auf dem Peloponnes. Das zweite ist der Süden der argolischen Halbinsel mit Portohéli und Ermióni, da Fähren diese Region mit dem Hafen von Piräus verbinden. Die Öffnung des Militärflughafens von Áraxos bei Patras hat dem äußersten Nordwesten des Peloponnes im ersten Jahrzehnt unseres Jahrtausends Aufschwung verliehen. Loutrá Killínis ist hier das Zentrum des internationalen Pauschaltourismus gehobenen Niveaus. Jetzt wird gerade der Südwesten des Peloponnes im Gebiet um die Kleinstadt Pílos zu einer neuen Destination ausgebaut, in die schon mehrere große Luxushotels und zwei Golfplätze locken. Zielflughafen dafür ist Kalamáta. Dass es dorthin jetzt viele Charterflüge gibt, kommt auch Studienreisenden und Individualurlaubern und vielen kleinen Hotels bis hin auf die Máni zugute. Die Schönheit der Küsten verlockt viele, nur die berühmtesten Stätten im Landesinnern zu besuchen. Das aber ist ein Fehler! Die ganze Schönheit dieser südgriechischen Landschaft entdecken nur jene, die auch die Dörfer in den Bergen, unbekannte Kirchen, Klöster und Ausgrabungen abseits der Hauptrouten ansteuern.

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