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Reiseführer Peking:Essen & Trinken

Hauptstadt der Gourmets: Hier gibt es die authentische Pekingente, und auch die internationale Küche kann begeistern

Vor allem die neue Hauptstadtbourgeoisie liebt es gut und teuer. Auch dank der vielen in Peking arbeitenden Ausländer nimmt das Gaststättenangebot an Vielfalt und Qualität ständig zu. Dabei braucht man für kulinarischen Genuss nur selten wirklich tief in die Tasche zu greifen.

Was bestellt man? Pekingente (kaoya) in Peking ist natürlich besonders authentisch. Meist wird nur die Haut serviert. Bestellen Sie ausdrücklich den ganzen Vogel, sofern Sie genügend Esskumpane zusammenbringen, denn auch aus dem ansehnlichen „Rest“ werden köstliche Gerichte zubereitet. Ebenfalls typisch nordchinesisch ist mongolischer Lammfleisch-Feuertopf (shuan yangrou), ein geselliges Winteressen und ideal für die kalte Jahreszeit.

Zum Feuertopf wird kein Reis gereicht, ebenso wenig wie zur Pekingente. An seine Stelle treten in Nordchina traditionell Teigwaren. Teigtaschen und Nudelsuppe zählen zur Volksküche. Um sie kennenzulernen, begibt man sich in die einfachen Lokale.

Feuertopf nimmt eine Mittelstellung ein, Pekingente dagegen zählt zur Festtagsküche. Noch darüber rangiert die Pekinger Palastküche, von der Hunderte von Rezepten den Niedergang des Kaiserreichs überlebten. Nur eine Küche kann der Palastküche das Wasser reichen, was die Kunstfertigkeit im Umgang mit den Zutaten angeht: die vegetarische. Ihre Fisch- und Fleischimitationen sind oft verblüffend.

Die wichtigste Regel beim Speisen à la chinoise lautet: zu mehreren ausgehen. Je größer die Gruppe, desto besser, da sich alle alles teilen. Dieser Regel sollte man umso mehr Beachtung schenken, je höher Lokal und Menü rangieren. Auch wenn heute manche Restaurants vernünftige Zweipersonenmenüs anbieten, sollte man besser zu viert essen gehen; richtig üppig wird es aber erst ab acht Tischgenossen. Wichtig ist, dass einer beim Bestellen für den ganzen Tisch die Regie übernimmt und dann auch kommissarisch für alle die Rechnung begleicht. Einzelesser halten sich an die Volksküche.

In Peking ist natürlich nordchinesische Küche erste Wahl. Jedoch sind auch die Küchen anderer Landesteile gut vertreten. Während es die Cuisine der Küstenregionen in Peking mangels Meeresnähe nicht ganz mit den Shanghaier oder Kantoner Vorbildern aufnehmen kann, lässt sich die scharfe Sichuan-Küche in Peking hervorragend genießen. Falls Sie noch nicht mit Essstäbchen umgehen können: Nur Mut! Jeder, der einen Bleistift halten kann, wird es rasch lernen. Führen Sie dabei die Schale zum Mund – so, wie es die Chinesen tun. Die Esssitten sind ungezwungen. Nur hörbares Naseschnauben bei Tisch ist verpönt.

Anders als in Südchina wird zum Essen gewöhnlich kein Tee gereicht. Das Standardgetränk, das hervorragend zu nordchinesischer wie auch zur Sichuan-Küche passt, ist vielmehr das leichte chinesische Bier (pijiu). Beim Wein (putaojiu) hat die Auswahl an anständigen trockenen Tischweinen stark zugenommen, doch erhält man Weißwein in Lokalen selten vernünftig gekühlt. Ansonsten sind Limonade (qishui) und Cola (kele) überall zu haben, meist auch Mineralwasser (kuangquanshui).

Abgesehen von Bier vom Fass, das teurer ist als Flaschenbier, werden kalte Getränke stets flaschen- bzw. dosenweise serviert. Dies gilt auch für Schnaps (shaojiu). Ein preisgünstiger Pekinger Klarer ist Erguotou, auch als Flachmann zu haben. Am berühmtesten ist der Maotai, ein hochprozentiger, sehr aromatischer Hirseschnaps aus dem Süden. Noch höher als seine Qualität ist freilich sein übertriebener Preis. Sehr angenehm ist der grüne, leicht süßliche Bambusblattschnaps Zhuyeqing mit seinem feinwürzigen Aroma. Daneben gibt es allerlei exotische Rachenputzer, bei denen auf den Etiketten ganz im Sinn der stets gesundheitsbewussten Chinesen zuweilen sogar der medizinische Nutzen gepriesen wird.

Bekommen Sie unterwegs Durst, so sind im Sommer frische Früchte ideal, die auch verzehrfertig geschält oder aufgeschnitten angeboten werden (z. B. Wassermelonen). Köstlich ist Trinkjoghurt (suannai), der mit dem Strohhalm aus hellgrauen Keramikbecherchen getrunken wird und, meist leicht gekühlt, an vielen Kiosken zu finden ist.

Café

Tee in klassischem Ambiente mit Ming-Möbeln und Kalligrafien, dazu mit Blick ins Grüne bietet das Teehaus Chajia Fu im Houhai-Park, unweit Yangfang Hutong . Im Beihai-Park gewährt das Qing Xiu Teahouse nicht nur Rast und Erfrischung, sondern sommertags auch den Blick auf blühenden Lotos. Mit etwas anderem klassischem Ambiente erfreut das Eatea Tea House gegenüber vom Konfuziustempel – ideal gelegen zum Entspannen auch nach dem Besuch des Lamaklosters Yonghe Gong.

Für eine Rast beim Stöbern in der Antiquitätengasse Liulichang eignet sich eine Teeverkostung bei Bogu Zhai Ost-Liulichang 71 , wo man auch etwas Englisch spricht. Auch in anderen Teehandlungen kann man sich zu einer geruhsamen Verkostung niederlassen.

Kaffeetrinken ist generell nicht billig, aber es gibt immer mehr auch chinesisch geführte Cafés, die mit feinem Konditorwerk und aromatischen Kaffeesorten erfreuen. Eine gute Wahl ist das nahe dem Trommelturm gelegene Dessert Café Jiu Gulou Dajie 141 . Mehr Konditorwaren bietet Comptoirs de France Ritan Beilu 4 . Nach dem Besuch des Himmelsaltars bietet sich der nette Weiduomei Cake Shop Westende der Tiyuguan Lu mit dem Cafe Monet im Obergeschoss an.

Restaurant

Speisen Sie lieber deutsch, italienisch, amerikanisch, thailändisch, französisch, japanisch? Wie sehr sich Peking schon zur Weltstadt gemausert hat, macht sich auch daran bemerkbar, dass internationale Kochkünste in großer Vielfalt angeboten werden, und zwar nicht mehr nur in Luxushotels, sondern auch in gemütlichen, preiswerten privaten Lokalen.

Sonstige Snack Bar

Das Speiseangebot der Stände, die sich allabendlich auf dem Garküchen-Nachtmarkt in der Dong'anmen Dajie reihen, bietet auch für Pekinger nicht alltägliche Diät: gesottene Zikaden, Skorpione, Tintenfisch, Seidenraupen …

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Dr. Hans-Wilm Schütte kennt Peking seit 1980. Seitdem vergeht kaum ein Jahr, in dem der Wahlhamburger nicht nachschaut, was es Neues gibt. Als studierter Sinologe mit Chinesischkenntnissen in Wort und Schrift erschließt er sich Dimensionen der klassischen Kultur wie auch des modernen China, die anderen verborgen bleiben, und vermittelt sein Wissen an Universitäten und bei Reiseleitungen.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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