bedeckt München 18°

Reiseführer Peking:Erlebnistouren

Städte haben viele Facetten. Wenn Sie Lust haben, diese verschiedenen Gesichter mit all ihren einzigartigen Besonderheiten zu entdecken, wenn Sie jenseits bekannter Pfade geführt oder zu grünen Oasen, ausgewählten Restaurants oder typischen Aktivitäten geleitet werden wollen, dann sind diese maßgeschneiderten Erlebnistouren genau das Richtige für Sie. Machen Sie sich auf den Weg und folgen Sie den Spuren der MARCO POLO Autoren.

Peking perfekt im Überblick

08:00

Nachdem Sie mit einem guten Hotelfrühstück ein Fundament für den Tag gelegt haben, schauen Sie sich kurz auf dem Tian'anmen-Platz um, dann geht's durch das Tor Tian'an Men zum Kaiserpalast . Der Trick: Spätestens zur Toröffnung um 8.30 Uhr da sein, damit Sie die Thronhallen ohne Gedränge erleben. Hier gibt es endlos viel zu entdecken, wie versteckte Nebentrakte oder neu präsentierte Teile der kaiserlichen Kunstsammlungen. Verlassen Sie den Palast gegen 11.30 Uhr am Nordausgang, und gehen Sie nach rechts zur Haltestelle der Touristenbuslinie 2. Auf dem Schild steht "Qianmen - Qianmen". Fahren Sie vier Stationen bis zur Wangfujing-Fußgängerzone.

12:00

Im Einkaufszentrum Beijing APM, Dongan Department Store haben Sie die Qual der Wahl aus rund fünf Dutzend gastronomischen Angeboten. Ein schönes Kontrastprogramm zum schicken Shoppingpalast: das Shunyifu im 5. Stock, mit guter, günstiger Pekinger Volksküche.

13:00

Gehen Sie die "Goldfischgasse" Jinyu Hutong entlang. An den Hotels finden Sie leicht ein Taxi, damit geht's zum Today Art Museum mit aktueller chinesischer Kunst - immer ein spannendes Erlebnis.

15:00

Zeit für eine Erholungspause! Gleich hinterm Museum beginnt eine Fußgängerstraße mit Galerien und Cafés. Idag Cafe ist eine gute Wahl, was Kaffee, Gebäck und Ambiente angeht. Um 15.30 Uhr brechen Sie auf zum nächsten Ziel: Gehen Sie die Baiziwan Lu vom Museum aus 480 m nach links, weiter unter der Hochstraße hindurch (Zebrastreifen), dann links bis zur Haltestelle von Bus 57. Den verlassen Sie an der 5. Haltestelle und fahren ab Station Guangqumennei mit der U-Bahn-Linie 7 vier Haltestellen bis Hufangqiao. Ab Ausgang A gehen Sie die Straße 120 m weiter nach Westen.

16:20

Rechtsab geht's in die Weiran Hutong . Hier ist noch untouristische Altstadt mit niedrigen Häusern, manche davon sogar noch mit alten Dachziegeln. Nach 640 m stoßen Sie auf die Antiquitätengasse Liulichang , in der es viel Schönes und Ungewöhnliches zu entdecken gibt. Bummeln Sie ostwärts bis zur Hauptstraße, die Sie dann überqueren (Fußgängerbrücke). Folgen Sie der Hauptstraße ein Stückchen nach Norden, steigen Sie in den Bus 66, und fahren Sie zwei Haltestellen (bis Endstation). Gehen Sie die Straße ein Stückchen zurück und dann nach rechts durch die schmale Gasse Langfang Ertiao, die zur Fußgängerzone der Qianmen Dajie führt. (Der Langfang Ertiao droht Abriss, eventuell wird ein Umweg fällig.)

18:00

Der zweite kulinarische Höhepunkt des Tages! Quanjude ist ein alteingesessenes Haus mit Renommee. Speisen Sie nicht vorn im Billigsektor, sondern gehen Sie durch die Tordurchfahrt in den großen Gastraum abseits der Straße. Um 19.20 Uhr heißt es: bezahlen und aufbrechen. Nordwärts geht's durch das fünffache Schmucktor, dann links ab und über die nächste Querstraße.

19:45

Der Abend beginnt: Teehausvarieté! Das ist im Lao She Teahouse immer kurzweilig und unterhaltsam, auch wenn Sie kein Chinesisch verstehen. Das Programm gibt's immerhin auf Englisch.

21:30

Auf zu Teil 2 des Pekinger Nachtlebens! Gehen Sie zurück, biegen Sie aber nicht nach rechts zum Schmucktor ab, sondern gehen Sie ein bisschen weiter, um mit der Buslinie 82 zehn Stationen bis Gulou zu fahren. Dort beginnt mit der lebendigen "Schrägen Tabakspfeifengasse" Yandai Xiejie das Erlebnis der Houhai-Gegend . Umrunden Sie den Vorderen See, und legen Sie einen Stopp ein im East Shore Live Jazz Café. Dort können Sie zum Chillen aufs Dach steigen.

22:45

Ein Taxi zum Massagesalon Long Island Spa nehmen, dann entspannen und sich die Waden kneten lassen - oder nach Belieben auch den ganzen Körper. Herrlich nach einem langen Tag!

Antikes, Kurioses, Alltägliches

09:30

Gehen Sie von der U-Bahn-Station Heping Men (Ausgang D2) durch die Nan Xinhua Jie nach Süden und rechts in die Liulichang, die Gasse der Antiquitätenhändler. Auch wenn Sie entschlossen sind, keinen Pinsel, keinen Jadereif, kein Schnupftabakfläschchen und kein Lackdöschen zu kaufen, dürfen Sie doch nicht die traditionsreiche Kunsthandlung Rongbao Zhai versäumen (prächtig: die riesigen Reibsteine und die goldverzierten Tuscheblöcke). Nachdem die Stadtverwaltung die letzten Straßenhändler vertrieben hat, ist es ruhiger geworden, aber die Papierhandlungen führen wunderschöne Bögen, mit denen Sie das nächste Geburtstagsgeschenk einpacken können, macht garantiert Furore!

Kehren Sie zurück und überqueren Sie die Hauptstraße auf der Fußgängerbrücke. Von dort geht es direkt in die Teestube der Kunsthandlung Jigu Ge . Probieren Sie mal den in Europa eher selten verkauften Wulong-(Oolong-)Tee und knabbern Sie dazu Sonnenblumen- und Melonenkerne! Nebenan, im Laden in Haus Nr. 132 , gibt es Schattenspielfiguren, ein dekoratives und fluggepäcktaugliches Mitbringsel. Links in Nr. 71 können Sie bei Bogu Zhai , einem Teeladen mit Verkostung, aromatische Teeblätter für zu Hause kaufen.

11:15

Biegen Sie am Ende der Straße nach rechts ab und gleich wieder links. Hier endet die Welt der Antiquitätenhändler. Die Gasse vor Ihnen, an sich ein Wohnsträßchen, macht gerade einen Strukturwandel durch: von alt auf schick. Einige schmale, mehrgeschossige Häuser tragen Putzfassaden mit Ziergiebeln, Balustern und neobarocken Säulen - Architekturmode von vor über 100 Jahren. Die neue Zeit zeigt sich hier und da an modernen Ladenfronten und englischen Aufschriften, typisch bei der Soloist Coffee Company in Nr. 39, die ihre Bohnen selbst röstet. Hier genießen Sie feinste Arabicasorten in professioneller Zubereitung.

Die Gasse endet abrupt an einer breiten Straßenschneise. Gehen Sie rechts und an der nächsten Kreuzung wieder links. Vor Ihnen liegt die Dashalan, die quirligste Altpekinger Einkaufsgasse. Gleich rechts ragt eine hohe Fassade auf: Das Daguan Lou , wo 1905 der erste chinesische Film gezeigt wurde, gibt sich als Geburtsort des chinesischen Kinos aus. Das Gebäude, ein Nachbau, birgt eine kleine Ausstellung. Schräg gegenüber steht die Fassade eines Kaufhauses aus der Zeit um den Ersten Weltkrieg. Chinesisch-englische Aufschriften bewarben damals zum Beispiel "New clothes in all latest fashions".

Die imposante Fassade gegenüber gehört zu einem Schuhgeschäft, aber nicht zu irgendeinem: Neiliansheng ("Zur fortgesetzten Palastkarriere") wurde 1835 gegründet und belieferte die hohen Beamten. Seine wunderbar bestickten Seidenpumps wären ein edles Mitbringsel. Fast noch berühmter ist die Firma hinter der nächsten Prunkfassade, etwa 60 m weiter: die altrenommierte Apotheke Tongrentang . Drinnen fährt eine Rolltreppe hinauf zu den traditionellen Arzneimitteln wie Unsterblichkeitspilzen und wild gewachsenen Ginsengwurzeln. Für einige der raren Naturarzneien werden fünfstellige Yuan-Preise verlangt. Noch ein berühmter Laden folgt, diesmal linker Hand: An seiner barock geschwungenen, historischen Fassade erkennen Sie Ruifuxiang , einst Pekings feinstes Seidengeschäft. Den prächtigsten Auftritt aber hat der mit überbordender schmiedeeiserner Ornamentik verzierte Kleiderladen Xiangyihao . Er wurde 1896 mit dem Kapital eines leitenden Eunuchen als Seidengeschäft gegründet.

Nun öffnet sich der Blick auf die breite Nord-Süd-Achse Pekings. Die Qianmen Dajie, "Große Straße des Vorderen Tors", erhielt um 2008 eine durchgehend neue Randbebauung und wurde Fußgängerzone. Zeit für einen herzhaften Imbiss! Gehen Sie gleich gegenüber von der Einmündung in das altetablierte Duyi Chu - ein Spezialist für Shaomai-Teigtaschen (auf Englisch erscheinen sie hier als "Siu Mai"). Es gibt sie mit verschiedenen Füllungen, auch vegetarisch.

12:30

Ihr Weg führt nun nordwärts auf den Geschützturm des Vorderen Tors ( Qianmen ) des Stadttors Qianmen zu. Seine weißen Balkone und Gesimsbänder verdankt es einer Umgestaltung durch den deutschen Architekten Curt Rothkegel - im Jahr 1915! Vor dem Stadttor überspannt ein Schmucktor die Straße, eine Neukonstruktion nach historischem Vorbild. Zum Abschluss gehen Sie auf den Tian'anmen-Platz (Zugang durch Fußgängertunnel) und zum dortigen nördlichen Torturm des Stadttors. Oben sehen Sie sich die historischen Fotos an und überblicken die Gegend, die Sie soeben durchstreift haben.

Zwischen Trommelturm und Prinzenschloss

10:00

Vom Ausgang A1 der U-Bahn-Station Shichahai gehen Sie geradeaus zum Kanal. Dort steht rechts von Ihnen der dreihöfige, aufwendig rekonstruierte Tempel des Feuergotts . Mit dem musste man sich früher gut stellen, denn im Herd wirkt er segensreich, aber wenn er zürnt, brennt das Haus.

Den "Vorderen See" Qianhai , den südlichen der drei Shichahai-Seen, haben Sie vorm Tempel schon erspäht. Folgen Sie seinem Ufer nach links bis zum Südende. Dort ist meistens viel los. Leute spielen Schach, musizieren, lassen Drachen steigen oder machen Gymnastik.

Die Lotus Lane am Westufer war über Jahre eine angesagte Restaurantzeile mit geräumigen Terrassen am Seeufer. Dann mussten alle Etablissements schließen. Warum, weiß nur die Stadtverwaltung. Ihr scheint der Kulturmix der als Houhai-Gegend bekannten, etwas chaotischen Gegend nicht geheuer zu sein. Schauen Sie, ob etwas Neues entsteht. Schräg voraus ragen überm anderen Ufer zwei große alte Gebäude auf: der Trommelturm rechts, dahinter der Glockenturm. Kurz vorm Ende der Lotus Lane gibt's Tretboote zu mieten. Sie bezahlen zwar für eine ganze Stunde, aber 30 bis 40 Minuten sollten genügen, um Peking von der Wasserseite her zu bewundern.

Am Nordende der Lotus Lane biegen Sie links ab. Jenseits der nächsten Einmündung reihen sich rechts Garküchen und Erfrischungsstände. Halten Sie Ausschau nach den schlicht-grauen Keramikbecherchen mit gekühltem Trinkjoghurt (suannai) - köstlich! Weiter geht's zur Residenz des Prinzen Gong . Ob bei Sonne oder bei Regen: Die Wandelgänge und Pavillons des herrlichen Gartens mit Teich und Felsgebirge bieten reichlich Gelegenheit, sich hinzusetzen und die vielfältige Szenerie zu genießen.

12:00

Anschließend streifen Sie durch das ruhige Gassenviertel abseits der von Bars und Kneipen bevölkerten Ufer. Es atmet noch Altpekinger Atmosphäre. Wo Sie dann auf den Houhai , den "Hinteren See" stoßen, geht's gleich rechts ins David zu einer Pizza oder einem Toast - schließlich ist Ausländisches in dieser Gegend angesagt!

Weiter geht's entlang dem Ufer zur Brücke Yinding Qiao, die eigens für den Autoverkehr verbreitert wurde, aber ihre historische Anmutung wahrt. Jenseits der Uferstraße ins nächste Gässchen rechts, landen Sie in der "Schrägen Tabakspfeifengasse" Yandai Xiejie . Beachten Sie links (Hausnr. 37) das Eingangstor eines alten, nicht mehr existierenden Tempels. Noch mehr werden die Läden Ihr Interesse wecken: Hier erhalten Sie schöne Faltfächer, witzigen Nippes und sogar Tabakspfeifen.

13:00

Durch ein hübsches, neu errichtetes Schmucktor führt das Gässchen nun auf Pekings große Nord-Süd-Achse. Nach links fällt der Blick auf die mächtige Südfront des Trommelturm . Dessen Eingang ist auf der Rückseite. Steigen Sie die engen, steilen Stiegen hinauf, und genießen Sie den Rundblick auf die Seen und das Gassenviertel. Nachdem Sie auch den Glockenturm mit der Riesenglocke bestiegen haben, ist höchste Zeit für eine genussvolle Rast im nahen Dessert Café 11. Anschließend kehren Sie zurück zur U-Bahn-Station Shichahai .

CBD am Abend

18:00

Stärken Sie sich für diese Tour mit einem Abendessen bei Annie's , dem beliebtesten Italiener der Stadt - in der warmen Jahreszeit am besten auf der Dachterrasse mit Blick auf die Hochhaustürme des CBD

Weiter geht's 400 m ostwärts zum superschicken Konsumtempel Parkview Green . Hier gibt's viel zu bestaunen: die Architektur, die Kunstinstallationen drinnen und draußen und natürlich die Warenwelt (darunter das amerikanische Elektroauto Tesla). Kleine Erfrischung gefällig? Schauen Sie sich im Untergeschoss neben dem Lokal element fresh doch die Safttheke Originalfresh an. Rund 40 kreative Mixgetränke stehen dort zur Auswahl, darunter Antioxidantiensäfte und Schlankmacher-Smoothies. Oder fotografieren Sie die Liste einfach ab - als kleine Anregung für zu Hause.

20:00

Durch den breiten Nordeingang reingekommen, verlassen Sie das Einkaufszentrum über den Südausgang und werfen draußen einen Blick auf den tiefer gelegenen Skulpturenhof. 250 m weiter südwärts (andere Straßenseite) stehen Sie schon unterm riesigen LED-Schirm von The Place - ein irres Erlebnis. Für eine Rast bei einem Espresso ist Costa Coffee die beste Wahl.

Weiter geht's unter dem LED-Schirm ostwärts, dann über die Straße und zum ovalen Central Park . Hier sind Sie schon mitten im CBD. Anstatt geradeaus den Tunnel zu durchqueren, wählen Sie einen der Pfade über den grünen (künstlichen) Hügel. Knapp 500 m weiter ragt eins der spektakulärsten Gebäude des Globus vor Ihnen auf: die Zentrale des chinesischen Staatsfernsehens CCTV , entworfen vom Holländer Rem Koolhaas. Der sechsfach geknickte, schleifenförmige Riesenbau, Spitzname: Boxershorts, ist 234 m hoch, die Konstruktion verschlang Unmengen Stahl. Obendrauf ist ein Hubschrauberlandeplatz. Rechts davon geht's noch viel höher in den Himmel: Pekings 2018 fertiggestellter Superwolkenkratzer China Zun misst stolze 528 m und ist damit das höchste Gebäude in Peking.

21:00

Gehen Sie nun rechts und entlang der vielspurigen, autobahnähnlichen 3. Ringstraße südwärts, die übernächste wieder rechts (Guanghua Lu) und die nächste links. Hier schaut Pekings Summit Wing des China World auf Sie herab. Fahren Sie hoch zur Bar Atmosphere, und genießen Sie zum krönenden Abschluss der Tour bei einem Cocktail den Panoramablick auf das Lichtermeer aus gut 300 m Höhe.

Weiter zu Kapitel 18

Dr. Hans-Wilm Schütte kennt Peking seit 1980. Seitdem vergeht kaum ein Jahr, in dem der Wahlhamburger nicht nachschaut, was es Neues gibt. Als studierter Sinologe mit Chinesischkenntnissen in Wort und Schrift erschließt er sich Dimensionen der klassischen Kultur wie auch des modernen China, die anderen verborgen bleiben, und vermittelt sein Wissen an Universitäten und bei Reiseleitungen.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

Zur SZ-Startseite