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Reiseführer Peking:Einkaufen

China in Tüten: Am Ende der Reise hat sich aus vielen Einkaufstaschen rasch ein Extrakoffer gefüllt

Pekings reiche Kunsthandwerkstradition wirkt fort. Hinzu kommt ein günstiges Preisniveau, wobei Sie ordentlich feilschen können. Selbst Einkaufsmuffel mussten schon mit einem Koffer mehr zurückreisen.

Pekings Haupteinkaufsstraße, die Wangfujing , lockt vor allem chinesische Hauptstadttouristen. Interessanter für Ausländer sind drei Gassen in der Altstadt: die Dashalan mit ihren Traditionsläden, besonders auch für Seide, die Antiquitätengasse Liulichang und die nette Nanluogu Xiang mit preisgünstigen Designerläden; nicht zu vergessen sind die Einkaufszentren östlich der Innenstadt.

Antikes

Altertümer von vor 1795 dürfen ebenso wenig ausgeführt werden wie neue Kunst, sofern sie als nationales Kulturerbe gilt. Exportfähige Stücke tragen ein rotes Siegel und bedürfen einer schriftlichen Exportgenehmigung. Wer im staatlichen oder lizenzierten privaten Antiquitätenhandel kauft, erhält beides meist automatisch. Beim Erwerb von anderer Seite ist nie sicher, ob eine nachträgliche Exportgenehmigung erreicht werden kann. Alle, die gern feilschen und entweder Kenner sind oder das Risiko, übers Ohr gehauen zu werden, nicht scheuen, finden jedoch bei den privaten Antiquitätenhändlern, vor allem aber auf den Antik- und Flohmärkten (Beijing Antique City, Panjiayuan-Markt) ein reiches Betätigungsfeld. Achtung: Der Markt ist mit Fälschungen überschwemmt. Sind Sie kein ausgesprochener Kunstkenner, verlangen Sie am besten von vornherein Repliken. Oder wenden Sie sich dem aktuellen Kunstschaffen zu! Nirgends in China ist die Kunstszene lebendiger als in der Hauptstadt.

Sonstige Einkaufen

Jedes bessere Kaufhaus, jedes Schreibwarengeschäft und viele Kunstgewerbeläden verkaufen Dinge der klassischen Gelehrtenkultur, die von Kugelschreiber und Computer noch nicht verdrängt wurden: Pinsel von dünn bis dick, Tusche in Form schwarzer Blöcke, die auf Reibsteinen mit Wasser angerieben wird, ein saugfähiges Papier (xuanzhi) sowie Pinselständer (zum Ablegen bei Gebrauch), Pinseldosen (zur Aufbewahrung) und Wasserkännchen. Ebenso wichtig wie diese Utensilien sind die Siegelstempel, deren Abdruck (vorwiegend der Name des Besitzers) in Ostasien das gleiche dokumentarische Gewicht hat wie eine persönliche Unterschrift. Der Wert des Stempels hängt in erster Linie vom Stein ab. Das Eingravieren der Zeichen – meist in archaischer Siegelschrift – ist dagegen billig. Vielerorts kann man sich als Ausländer einen chinesischen Namen geben und als Andenken seinen persönlichen Stempel anfertigen lassen. Dazu gehört dann noch ein Porzellandöschen mit roter Stempelfarbe.

In der Antiquitätenstraße Liulichang gibt es mehrere Läden für Gelehrtenbedarf. Die edelsten Stücke führt Rongbao Zhai zu teils astronomischen Preisen.

Schmuck

In China genießt sie seit je höchste Wertschätzung. Schon die Insignien der Shang-Könige vor über 3000 Jahren wurden daraus gefertigt. Konfuzius sah in der Jade seine moralische Weltsicht verkörpert. „Glatt und glänzend, gleicht sie der Güte; hart und dicht, gleicht sie der Verstandeskraft; klar geschnitten, doch nicht schneidend, gleicht sie der Gerechtigkeit; von klarem Klang, gleicht sie der Musik; ihre Makel nicht verbergend, gleicht sie der Wahrhaftigkeit; von schönem Äußeren, gleicht sie der Vertrauenswürdigkeit“, soll er befunden haben. Mineralogisch gesehen handelt es sich meist um Nephrit. Für Schmuck wird auch das härtere und kostbarere Jadeit verwendet. Grün bis Weiß sind die Grundfarben, zuweilen aber machen gerade die Verfärbungen den Reiz eines Stücks aus. Eine gute Adresse ist das Erdgeschoss von Block A der Beijing Antique City. Jade aus neuerer Produktion ist auch in den meisten Kunsthandwerksläden sowie im Hongqiao-Markt (rückwärtiger Flügel, Erdgeschoss) erhältlich.

Mode

Attraktive Angebote gibt es zuhauf. Am besten ist der Yashow-Markt, vor allem, wenn man billig einzukaufen wünscht – aber Achtung: kräftiges Feilschen nicht vergessen! Hier kann man auch Stoffe kaufen und sie sich schneidern lassen. Ein ähnliches Sortiment findet sich im Xiushui-Markt. Achten Sie bei Billigware unbedingt auf Fertigungsfehler wie schiefe Nähte. Lassen Sie schneidern, räumen Sie für die Arbeit mindestens zwei Tage und zwei Anproben ein.

Soll es etwas Besseres und Originelleres sein, achten Sie auf die Ware chinesischer Designer, z. B. in der Youyi Shopping City , dem zum Lufthansa Center gehörenden Kaufhaus, oder, deutlich billiger, in den Kleiderläden der Nanluogu Xiang und der Dashalan – dort beispielsweise Xiangyihao Nr. 1, mit dem schmiedeeisernen Gitter . Ruifuxiang in Haus Nr. 5 mit der Neobarock-Fassade, erbaut 1893 , das einst größte Seidengeschäft der Stadt, führt heute auch andere Kleidung.

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Kunsthandwerk & Design

Die Auswahl ist groß und die Fülle der Formen, Farben und Materialien erstaunlich. Neben Nippes ist auch schöner Schmuck zu entdecken, z. B. Armreifen aus Cloisonné, sowie hübsch gestaltete Gebrauchsgegenstände. Neben dem Panjiayuan-Markt ist das Kunsthandwerkskaufhaus Nr. 1 Wangfujing 200 eine ergiebige Adresse. Boyi Xuan West-Liulichang 101-1 führt Scherenschnitte, ein so typisches wie leichtes Souvenir.

Die Antiquitätenläden führen manch schönes Stück vom Ende der Kaiserzeit. Wunderschönes neues Seladon im Song-Stil, teils auch in modernen Formen, gibt es in der Ost-Liulichang 28 . Porzellan aus Jingdezhen (Chinas Meißen) finden Sie in der Wangfujing Porcelain City Wangfujing 277 Zugang durchs Schmucktor der Imbissgasse, dann links die breite Freitreppe . Eine große Porzellanabteilung verbirgt sich unterm Laitai-Pflanzenmarkt neben der Lady’s Street (Zetian Lu). Für modernes Porzellan empfehlenswert: der rückwärtige Flügel des Hongqiao-Markts mit Sunny Ceramics auf Etage 4 und weiteren Läden im 1. Untergeschoss.

Kein moderner Schirm kann es mit der Ästhetik eines klassisch-chinesischen Ölpapierschirms aufnehmen. Darauf spezialisiert hat sich Ruoshui Tang Guloudong Dajie 144 .

Möbel & Einrichtung

Erstes Ziel auf der Suche nach Reproduktionen der schlicht-eleganten Ming-Möbel kann der Panjiayuan-Markt sein, auf dem die Möbelhändler feste Gebäude haben. 500 m südlich davon steht das lang gestreckte Gebäude der Tianya Antique City , zu der ebenfalls eine Möbelabteilung gehört. Richtig spannend wird es aber erst am Stadtrand, wo sich die Gaobeidian Classical Furniture Old Street Taxi ab U-Bahn 1: Sihui Dong mit Ausstellungshallen und Tischlereien über einen ganzen Kilometer erstreckt. Man fertigt auch nach Auftrag.

Seit dem 19. Jh. werden in Peking Teppiche geknüpft. Führend ist die Teppichfabrik Nr. 1 mit ihrem Hui An Carpet Shopping Center Anding Lu 20 nördlich der 3. Ringstraße . Ebenfalls lohnend: der Yashow-Markt.

Musik & Video

Tonbandkassetten und CDs mit alter und neuer chinesischer sowie westlicher Musik findet man in großer Auswahl in der 4. Etage des Foreign Languages Bookstore Wangfujing 235 .

Delikatessen

Große Auswahl aus allen Anbaugebieten Chinas. Verkostung bietet Ten Fu z. B. im Kellergeschoss des Beijing apm Wangfujing 14 .

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Dr. Hans-Wilm Schütte kennt Peking seit 1980. Seitdem vergeht kaum ein Jahr, in dem der Wahlhamburger nicht nachschaut, was es Neues gibt. Als studierter Sinologe mit Chinesischkenntnissen in Wort und Schrift erschließt er sich Dimensionen der klassischen Kultur wie auch des modernen China, die anderen verborgen bleiben, und vermittelt sein Wissen an Universitäten und bei Reiseleitungen.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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