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Reiseführer Nordseeküste Schleswig-Holstein:Bloss nicht

Damit Sie an der Küste keinen Krach kriegen …

Platt sprechen

Wenn Sie es nicht beherrschen, es nur von der Volksbühne oder aus der Bierwerbung kennen, versuchen Sie es gar nicht erst. Eine Ausnahme ist der Gruß Moin, bei dem Sie wenig falsch machen können. Alle anderen Versuche, Platt zu sprechen, werden von den Einheimischen eher als „platte“ Anbiederung belächelt. Verstehen Sie etwas nicht, fragen Sie: Die Küstenbewohner sind stolz auf ihre Sprache und erklären Ihnen gern die Bedeutung der seit Generationen gesprochenen Wörter.

Umrühren

Die Sahnehaube gehört dazu. Sie ziert nicht nur den Pharisäer und die Tote Tante, sie hält auch die Wärme des köstlichen Getränks. Grob fahrlässig wäre es, mit dem Löffel in diese Haube zu stechen, zu rühren, bis sie sich aufgelöst hat. Nein – trinken Sie mit Haube! Die kühle Sahne an der Oberlippe, auf der Zunge den heißen Kaffee oder die Schokolade inklusive der Prozente, das ist der Genuss. Für den befürchteten Sahnebart gibt es die Serviette!

Die Heimatflagge hissen

In zahlreichen Dörfern an der Küste gibt es eine Berliner oder eine Hamburger Straße. Von den Einheimischen benannt nach den Menschen aus der Stadt, die hier einst zum Spottpreis alte, baufällige Reetdachhäuser kauften und die dann, um zu zeigen, woher sie kommen, die Flagge ihres Bundeslands im Wind wehen lassen. Ähnliche landsmannschaftliche Bekenntnisse flattern gelegentlich in Form von Wimpeln an Strandkörben. Freunde machen Sie sich damit nicht!

Rasen

Sie verführen zum Tritt aufs Gaspedal, die schnurgeraden, glatt asphaltierten Wege durch die Köge. So gibt es während der Saison und an den Wochenenden hier und da einen Kennzeichenkrieg: NF und HEI gegen den Rest der Welt oder umgekehrt, je nachdem, wer sich hinter dem Steuer im Recht glaubt. Dem Rest der Welt sei gesagt, auch in Dörfern und auf einsamen Strecken wird geblitzt. Und es gibt die Rache der Fahrer mit den heimischen Kennzeichen. Sie lassen den Raser und Drängler schmoren, fahren schön langsam und zwar mittig auf der schmalen Straße.

Schwarzsitzen im Strandkorb

Sie fragen sich: Warum soll ich zahlen? Die Schlange an der Bude des Vermieters ist lang. Sie wollen doch nur ein paar Minuten verschnaufen. Außerdem sind viele Körbe leer, und es merkt doch keiner. Sie wagen es, drehen den Korb aus dem Wind in die Sonne und genießen. Sie können sicher sein: In der Saison werden Sie ertappt. Entweder kassiert der Mann mit der weißen Mütze. Oder der ehrliche Gast, der gezahlt hat, steht auf einmal vor Ihnen …

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Der gebürtige Hamburger (55) lebt im Städtchen Burg am Nord-Ostsee-Kanal, wo er sein Geld als freiberuflicher Autor – u. a. auch für die MARCO POLO Bände „Sylt“ und „Föhr/Amrum“ – und als Lektor verdient. In seiner Freizeit ist er gern im Marschland der Westküste – quasi direkt vor seiner Haustür – unterwegs und engagiert sich für den Schutz des Weltnaturerbes Wattenmeer.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de