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Reiseführer Niederlande:Essen & Trinken

Vom bodenständigen stamppot und pannenkoeken bis zur indonesischen Reistafel: eine Multikultiküche für Entdeckungsfreudige

MARCO POLO Autorin Elsbeth Gugger

Manche bestreuen ihr Brot mit hagelslag, feinen Schokowürmchen. Kinder lieben auch die farbigen muisjes, Zuckerstreusel mit Anisgeschmack, auf ihrem Brot. Zur obligaten Kaffeepause am Vormittag gibts Gebäck - zumindest einen bescheidenen Keks. Mittags, zum lunch in der Kantine oder daheim, verzehren die Niederländer abermals ein broodje. Oft ersetzen sie den Käse durch anderen Belag, zum Beispiel eine panierte, in Öl gebackene kroket aus Fleisch, Kartoffeln und Béchamelsauce. In jedem Fall gehört ein Glas Milch dazu!

Nach Feierabend treffen sie sich zum Aperitif (borrel) in einem Café. Natürlich gehören auch hier die entsprechenden hapjes (Snacks) dazu. Am beliebtesten sind die bitterballen, die runde Version vom kroket, und vlammetjes, kleine Frühlingsrollen, die in eine scharfe Sauce getunkt werden. Immer öfter stehen aber auch garnalenkroket, Kroketten mit Garnelen, auf der Karte oder Käsewürfel mit Senf. Meistens handelt es sich dabei um Maasdammer, die holländische Version des Emmentalers. Möglicherweise serviert man Ihnen aber auch Gouda - heute ein Sammelbegriff für zarten, leicht salzigen Käse aus roher Milch. Es gibt zahlreiche Varianten, die zum Teil mit Petersilie, Pfeffer, Knoblauch oder Gewürznelken angereichert werden. Edamer, der aus teilentrahmter Milch produziert wird und etwas würziger als Gouda schmeckt, konsumieren die Niederländer vor allem zu Hause.

Pünktlich um 18 Uhr steht schließlich das Abendessen (avondeten) auf dem Tisch. Trotz aller multikulturellen Einflüsse, an denen die Niederlande reich sind, besteht der klassische hollandse pot noch heute vor allem aus Kartoffeln, Gemüse und Fleisch. Dabei ist, was in vielen Ländern nicht einmal die kleinen Kinder dürfen, in Holland die normalste Sache der Welt: das Zermanschen des Essens. 62 Prozent aller Niederländer üben sich tagtäglich in dieser Disziplin, wie eine Studie zutage gefördert hat.

Zwischen den Mahlzeiten sind die Holländer ausgesprochene Naschkatzen. Am liebsten kauen sie dropjes, Lakritze in allen Formen und Farben, die in den verschiedensten Geschmacksrichtungen von Pfefferminz über Lorbeer bis hin zu Salmiak verkauft werden.

Wenn die dropjes-Tüte leer ist, holen sie sich im nächsten Imbiss patat met - so lautet die einfache Bestellung für eine Portion Pommes frites mit Mayonnaise. Man kann die goldbraunen Fritten aber auch mit Erdnusssauce, Senf, Ketchup, Currysauce oder mit Zwiebeln bekommen. Pommesbuden sind in den Niederlanden so verbreitet wie Pizzerias in Italien. Vielerorts werden Sie auf eine Filiale von Febo stoßen, der bekanntesten Snackbarkette. Die meisten dieser Lokale bieten eine reichhaltige Fastfoodkarte an. Bei Febo kann man sich außerdem warme Fertigsnacks wie Hamburger oder Würstchen aus dem Automaten holen.

Trotz der im Alltag nicht gerade anspruchsvollen Esskultur kann man in den Niederlanden äußerst lecker essen. Etwa in den zahlreichen eetcafés, einfacheren Restaurants, die oft schmackhafte Menüs um 15 Euro anbieten. Ein Erbe der kolonialen Vergangenheit sind die vielen indonesischen Restaurants, die besonders zahlreich in Den Haag und Amsterdam anzutreffen sind und mit exotischen Köstlichkeiten wie Reistafeln aufwarten. Daneben gibts in den meisten Orten natürlich auch eine reiche Auswahl aus der internationalen Küche, von chinesisch bis italienisch und von thailändisch bis japanisch.

Nachmittags und abends sitzen die Niederländer gerne in einem bruine café, wie diese typischen "braunen" Kneipen heißen. Sie haben meistens eine von Brauntönen dominierte Einrichtung mit hölzerner Wandtäfelung. Wundern Sie sich nicht über die als Tischtuch dienenden Teppiche.

Neben Kaffee und Tee ist Bier das beliebteste Getränk. Die meisten Kneipen verfügen über ein reichhaltiges Sortiment. Heineken, der Gerstensaft des einheimischen Biermultis, fehlt fast nirgendwo; ähnlich verbreitet sind Grolsch und Brand. Wenn die Holländer Lust auf eine besondere Bierspezialität haben, bestellen sie belgisches Bier.

Das Schnapsbrennen hat eine ähnlich lange Tradition wie das Bierbrauen. Das Wort genever (Wacholderschnaps) taucht in alten Schriften erstmals 1608 auf. Wenn Sie einen echten Korn möchten, bestellen Sie ein Glas korenwijn. Bekannt ist auch der friesische berenburger, ein Kräuterschnaps. Die Schnapsgläser werden randvoll eingeschenkt, mit einem sogenannten kopje. Man beugt sich zum Glas hinunter und schlürft den ersten Schluck. Falls die Reste der Geneverflasche nicht mehr für ein volles Glas mit kopje reichen, müssen Sie dieses möglichst schnell austrinken. Der Wirt wird Ihnen aus der neuen Flasche gratis ein zweites Glas nachschenken - so will es ein alter Brauch.

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Elsbeth Gugger ist in Bern geboren und lebt seit 1992 in Amsterdam. Als Niederlande-Korrespondentin für Schweizer Medien reist sie kreuz und quer durchs Land, besucht Ausstellungen oder berichtet über die Prozesse an den internationalen Gerichten in Den Haag. Sie wohnt im östlichen Hafengebiet, einem nautischen Hotspot mit alten Lagerschuppen, die in Wohnungen umfunktioniert wurden.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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