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Reiseführer New York:Stichworte

Wolkenkratzer, Inselhopping, Musicals und diese einzigartige Atmosphäre: Der Big Apple hat sein ganz eigenes Lebensgefühl

Big Apple

Der Ausdruck entstammt der Jazzszene vor dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem Biss in den „großen Apfel“ wurden die begehrten Auftritte in New York bezeichnet: Sie waren nicht nur die besser bezahlten Konzerte, sie waren auch für viele Musiker ein Karrieresprungbrett. Das traditionsreiche Etikett wurde in den 1970er-Jahren von den Tourismuswerbern erfolgreich als Spitzname der Stadt adaptiert und etabliert.

Doorman

Uniformierte Türsteher gehören besonders in der Upper East und der Upper West Side zum Straßenbild. Die schätzungsweise 100 000 Privatportiers New Yorks sind ein Statussymbol – die bei Teenagern beliebte amerikanische TV Serie „Gossip Girl“ beschreibt diese Welt der Privilegien mit explizitem Hinweis auf die „Elite Manhattans“. In den riesigen Apartmenthäusern – oft voller Eigentumswohnungen mit hoher Quadratmeterzahl – hilft der Doorman mit den Einkaufstüten, zeichnet für ankommende Pakete ab und ruft ein Taxi herbei. Alles natürlich eilfertig und mit großer Aufmerksamkeit. Besucher werden hier abgefangen und telefonisch in den Wohnungen angekündigt. Und: Der Job ist gut bezahlt und daher begehrt.

Downtown

Während sich dieser Begriff in anderen Teilen Amerikas als eher ungenaue Bezeichnung für das Stadtzentrum durchgesetzt hat, hat er in New York noch eine sehr präzise Bedeutung, die man beim Blick auf den Stadtplan sofort erkennt: Downtown ist die südliche Hälfte von Manhattan (und gilt als Synonym für ambitionierte und kreative junge New Yorker). Im Gegensatz dazu ist Uptown der nördliche Teil westlich und östlich vom Central Park. Der dort gepflegte mondäne Wohnstil zeigt sich in Wohnungen mit Bibliotheken, Dienstbotenzimmern mit eigenen Aufgängen, 10 m langen Esszimmern, dicken Wänden, hohen Decken und offenen Kaminen. Dies alles und das zugehörige Geld haben das Image des Uptown-Bewohners geprägt: Er galt und gilt als Angehöriger des Establishments. Das bedeutet, alles was hip, kreativ und angesagt sein will, bevorzugt eine Adresse in TriBeCa oder dem East und West Village.

Grünes New York

Eine begrünte, mit Liegestühlen ausgestattete ehemalige Hochbahntrasse, auf der sogar Wildblumen wachsen, lädt zum Entspannen: Die High Line www.thehighline.org in Chelsea symbolisiert das neue grüne New York wohl am besten. Straßen und Plätze werden in Manhattan verkehrsberuhigt, der Times Square ist nun eine Fußgängerzone, bunte Fahrradwege wurden angelegt und an der Westseite Manhattans entsteht der Hudson River Park, der sich von der Südspitze bis zur George Washington Bridge im Norden erstreckt. Er bietet Wiesen, Tennisplätze und Paddelvergnügen. 46 Wochenmärkte gibt es inzwischen in New York, und die extrem erfolgreiche Naturkostkette Whole Foods bietet ihr leckeres und gesundes Essen in riesigen Filialen an – beispielsweise am Union Square. Öko ist schick! New York endeckt die Vorteile von gesundem Essen, grüner Umgebung – und dabei auch ein wenig Gelassenheit.

Höhenrausch

Die ersten Wolkenkratzer entstanden Ende des 19. Jhs. Der Mangel an Grundstücken allein reicht nicht, um die Begeisterung für sie zu erklären. Tatsächlich ging es um mehr: um eine Form der Selbstbestätigung und die Demonstration von Selbstvertrauen. Vom World Building von 1890 über den Metropolitan Life Tower (1909), das Woolworth Building (1913), das Chrysler Building (1930, 319 m) bis zum Empire State Building (bis zur Spitze des Blitzableiters 443 m), das 1931 eingeweiht wurde, erstreckte sich eine Zeitspanne monumentalen Denkens: New Yorks höchste Wolkenkratzer waren gleichzeitig auch die höchsten Gebäude der Welt. Der dekorative Stil des Art déco – brillant umgesetzt im Chrysler Building – wurde abgelöst vom Bauhausstil Ludwieg Mies van der Rohes (Lever House und Seagram Building). Glas, Einfachheit und Funktionalität ersetzten die Schnörkel. Die beiden Türme des World Trade Center, die am 11. September 2001 zusammenbrachen, als Terroristen zwei Passagierflugzeuge in die Gebäude steuerten, standen bei ihrer Fertigstellung 1971 und 1973 in dieser Tradition: Weltrekord mit 419,7 m. Danach ebbte der Höhenrausch ab. Jetzt wird an Stelle des World Trade Center das One World Trade Center entstehen. 541 m hoch, soll es an die Toten des Anschlags vom 11. September erinnern und zeigen: Terrorismus kann die Freiheit nicht bezwingen.

Die neue Architektur der Stadt ist moderater: Das 2009 eröffnete Gebäude der Cooper Union Universität sieht aus, als ginge ein Riss durch das Haus auf Stelzen. Der Beekman Tower, ein 2011 eingeweihtes Apartmenthaus von Frank Gehry neben der Brooklyn Bridge, ist mit 76 Stockwerken das größte Wohnhaus der Stadt. Das elegante Stahlgebäude wirkt dank seiner wellenartigen Fassade, als bewege es sich. Kritiker sprechen anerkennend von einer neuen Ära der Architektur.

Inselhopping

New York City besteht aus einer ganzen Reihe von Inseln – das vergisst man leicht. Manhattan selbst ist eine, die Freiheitstatue steht auf Liberty Island und die ankommenden Immigranten wurden bis 1954 auf Ellis Island empfangen. Die Uferlinie der Stadt ist 930 km lang, das entspricht ungefähr der Strecke Flensburg – München. Eine Fähre bringt Gäste von der Südspitze Manhattans zur Besichtigung nach Governors Island mit seinen Wiesen fürs Picknick und alten Militärgebäuden. Neben der Fähre nach Staten Island folgen Kajakfahrer und Segler ihrem Kurs. An den Wassertaxi-Stationen in Brooklyn, Queens und Manhattan spucken gelbe Boote Menschen aus, die zur Arbeit oder zum Shoppen gehen.

Mit der Seilbahn auf Höhe der 60. Straße schwebt man nach Roosevelt Island im East River. Die Insel selbst ist nicht sehr interessant, aber der Blick von der Seilbahn lohnt sich. Nach Randall Island wiederum laufen Sie zu Fuß über die Brücke an der 103. Straße, mit der U-Bahn und dem Bus geht's ins Seglerparadies City Island. Und ganz frisch aufgemöbelt zieht Coney Island im Süden Brooklyns wieder viele Besucher an: Achterbahn und Strand, Aquarium und russisches Essen locken auf die Halbinsel am Meer. Auf der breiten Promenade am Strand schlendern Menschen aus allen Teilen der Welt und freuen sich über New Yorks Inselleben.

Musicals & Theater

New York ist eine Hochburg dieser ureigenen US-Bühnenkunst. Einerseits zieht es Jahr für Jahr 10 Mio. Besucher in die weltweit beworbenen Singspiele, andererseits kaschiert der Erfolg aber auch, dass die große Zeit der lokalen Komponisten und Autoren eine Weile zurückliegt. Viele Musicalproduktionen sind entweder Importe aus London oder Wiederaufnahmen von Klassikern.

Das Risiko eine neue Musical- oder Theaterproduktion am Broadway zu starten ist groß. Potenzielle Geldgeber scheuen die hohen Investitionen in Entwicklung und Werbung, der wechselnde Geschmack der Zuschauer macht das Kalkulieren schwierig und die Ansprüche der filmverwöhnten Besucher sind hoch – das alles hat die Messlatte für ein erfolgreiches Stück immer höher gehängt. Das u.a. von U2-Sänger Bono und seinem Gitarristen The Edge entwickelte Musical „Spider-Man“ ist ein gutes Beispiel. Nach monatelanger Produktion, Unfällen, Schwächen am Drehbuch und der Entlassung der Regisseurin wurde das teuerste Musical aller Zeiten noch vor dem Start zum Flop erklärt – Erfolg ungewiss.

Manchmal lohnt es sich, nach einem mit weniger Geld und Glamour behafteten, dafür aber meist mit mehr Phantasie und Mut zum Schrägen und Außergewöhnlichen realisierten Stück am Off-Off-Braodway zu schauen. Die Einteilung in „Broadway“, „Off-Broadway“ und „Off-Off-Broadway“ hat übrigens nichts damit zu tun, wie nah das Theater an der berühmten Straße liegt, sondern es beschreibt die Größe des Hauses: Ab 500 Theatersitzen ist es am Broadway, ab 100 Sitzen Off-Broadway und darunter ist es ein Off-Off-Broadway-Theater.

Rooftop Bars

Die Stadt von oben: Bars öffnen auf den Dächern der New Yorker Hochhäuser. Manhattan ist eng, hektisch und hat anspruchsvolle Besucher – da bot es sich an, die Not zur Tugend zu machen und auf die Dachterrassen zu bitten, denn Wolkenkratzer mit solch architektonischen Schmankerln gibt es ja genug. Oft sind es Hotels, die ihre Gästen die Gelegenheit bieten, in luftiger Höhe den Cocktail zu sich zu nehmen. Salon de Ning auf dem Peninsula Hotel, Press auf dem Ink48 Hotel, Le Bain auf dem Standard Hotel und 230 Fifth an der Fifth Avenue sind die beeindruckendsten rooftop bars mit der besten Aussicht. Im Lichtermeer der Stahl- und Betongiganten können jetzt das Außergewöhnliche suchende New Yorker und Touristen ein Stück näher am Himmel an ihrem Martini nippen.

Singleleben

New York ist die Stadt der Singles. Schon in der TV-Serie „Sex and the City“ überlegen die Freundinnen ständig, wer sich zum „Daten“ eignet und wie Frauen an die besten Männer für ein kleines Abenteuer oder für eine feste Beziehung kommen. Die Balance zwischen genug Unabhängigkeit und nicht zu viel Einschränkung, zwischen dem idealen Partnervorstellung und der realen Person, die vor einem sitzt, lässt sich nicht einfach finden. Das ist nicht nur in New York so. Aber hier ist der Ehrgeiz größer und auch die Auswahl. Rund 60 Prozent aller New Yorker, so sagt die Statistik, suchen nach einem Partner. Davon profitiert eine ganze Industrie an Online Agenturen, Speed Dating Services und Beratungsfirmen – vom Psychotherapeuten, bei dem fast alle New Yorker irgendwann einmal auf der Couch liegen, ganz zu schweigen. Doch was macht die Suche nach der Liebe so schwer? New Yorker wollen immer das Beste, haben wenig Zeit für eine Beziehung und sind vielleicht auch etwas neurotisch. Die Karriere geht im Zweifel vor und die Intimität kann auf der Strecke bleiben.

Sommerfrische

Aus der vitalen, aber lauten Metropole zieht es die New Yorker in den Sommermonaten aufs Land. Östlich der Großstadt liegen 100 Kilometer feinster Sandstrand: Long Island mit den legendären Hamptons sowie die vorgelagerte Insel Fire Island laden zum Entspannen ein. Hier geht die Ostküsten-Schickeria in den Wellen des Atlantik baden. Wo sich früher Walfänger und Schmuggler ihr Revier teilten, schlemmen heute Hollywoodschönheiten und New Yorker Künstlerstars Hummer und Muscheln.

Long Island ist geformt wie ein Krokodil mit aufgerissenem Maul. Im Unterkiefer liegen die Hamptons. Diese Gruppe schmucker, alter Dörfer liegt wie an einer Perlenschnur aufgereiht entlang des Meeres: South Hampton, Bridgehampton, East Hampton und Amagansett und am östlichen Ende schliesst Montauk die Reihe mit einem Leuchtturm ab. Zauberhafte Dörfer mit weißen Holzhäusern, schmalen Straßen, kleinen Boutiquen und Cafés – aber, wie sollte es auch anders sein: Die Hotelpreise und Häusermieten sind hoch.

Vor der südlichen Küste Long Islands liegt die schmale Insel Fire Island. Mit dem Boot setzt man über. Autos gibt es hier nicht, Handkarren und Tagesrucksäcke helfen Proviant, Handtücher und Lesestoff über Holzstege an den Strand zu transportieren. Rehe laufen einem fast über die Füße, Vögel zwitschern ausgelassen, denn auf dieser Insel wird der Naturschutz großgeschrieben.

Stadtviertel im Wandel

Die Bewohner New Yorks sind oft auf der Flucht. Nicht vor dem Gesetz oder dem Steuerprüfer sondern vor den steigenden Mieten, den neuen Immigranten mit lauter Musik oder den Bars und Lounges, die die Nacht zum Tag machen. Das war schon immer so: In gaben sich Schriftsteller und Künstler die Klinke in die Hand, bis die kleinen Straßen und hübschen Häuschen als lukrative Mieteinnahme entdeckt wurden. So verschwanden die Kreativen und machten den „Erfolgreichen“ Platz. In wiederum gibt es nur noch wenig sogenannte Italian-Americans, denn mit seinen billigen Arbeitskräften und vielfältigen Shops und Restaurants platzt mittlerweile aus allen Nähten – so wächst es gen Norden und frisst langsam das traditionelle Ialienerviertel. Die wiederum war historisch immer ein Arbeiterviertel, jüdische Familien aus Osteuropa kamen hierher, um ihren amerikanischen Traum zu verwirklichen. Jetzt ist der Stadtteil voller Boutiquen, edlen Restaurants, hippen Bars und kleinen Galerien. Das Nachtleben zieht Besucher aus allen Teilen New Yorks hierher. Und im angesagten Stadtviertel werden gerade ganz aktuell die Lofts teurer. Junge Bewohner schauen sich daher in anderen Teilen Brooklyns nach Alternativen um; besonders und profitieren jetzt vom Zustrom der ambitionierten Jugend.

Weiter zu Kapitel 3

Während eines Urlaubs in New York bot der Chef einer Fotoagentur unserer Autorin Alrun Steinrueck einen Job an – und das ist jetzt 14 Jahre her! Auf den Touren durch die Stadt spürt die Journalistin und Korrespondentin der ansteckenden Energie des Big Apple bei Kunst- und Kulturevents nach, geht neue Restaurants ausprobieren und düst mit dem Fahrrad am Wasser entlang und durch die Parks.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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