bedeckt München

Reiseführer New York:Auftakt

Entdecken Sie New York!

New York, das ist die Hauptstadt des amerikanischen Traums. Wer diese riesige, quirlige, nervenkitzelnde Stadt und ihren Einfluss auf den Rest der Welt begreifen will, muss selbst hinfahren und dort aufwachen – in dem ewigen Rumoren und Gehupe, Sirenengeheul und Gekreische. Das New-York-Gefühl muss man einfach selbst erleben. Hautnah.

Die vibrierende Betriebsamkeit ist nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 längst zurückgekehrt. New York ist wieder, ganz unverhohlen, die Hauptstadt des Kommerzes – hektisch, laut, herausfordernd, groß und mächtig. Fast zu mächtig, wenn man beobachtet, was für drastische Auswirkungen die Finanzkrise der Wall Street von 2008 in der ganzen Welt ausgelöst hat. Außerdem ist die Metropole nach wie vor die Welthauptstadt des Entertainments: Jeden Abend gibt es Filmpremieren und Musicalshows, Ballettaufführungen, Theatergalas, Rock- und Popkonzerte, Jazzsessions, Opern der Extraklasse und den frischen Wind der vom Zeitgeist durchwehten Clubs. Das Publikum ist bunt, begeisterungsfähig, kompetent und vor allem kritisch. Wer es hier schafft, schafft es überall – sang schon Frank Sinatra in seinem Welthit „New York, New York“.

Besonders Downtown Manhattan (also alles südlich der 14. Straße) lebt auf. Die Restaurant- und Barszene ist hier spannender als in Midtown oder im nördlichen Manhattan. Neue angesagte Hotels, hippe Nachtclubs und jüngst gebaute, mutige Architektur wie das Cooper-Union-Gebäude und das New Museum locken New Yorker wie Touristen in den Süden. Neben altem Gemäuer liegen elegante Bars, Historisches steht neben modernem Glamour – diese Gegensätze sind es, die die Besucher wie magisch anziehen. Sehr geholfen hat dabei auch das von Filmstar Robert de Niro 2003 gestartete TriBeCa Filmfestival. Jedes Jahr im Mai fliegen Filmemacher aus aller Welt ein – darunter natürlich auch viele Hollywoodgrößen – und bringen die neuesten Produktionen mit. Ein Besuchermagnet für Cineasten, Celebrity-Jäger und alle, die auf Glanz, Glamour und rote Teppiche stehen.

Im Trubel der Nacht wirkt Manhattan, als sei es eine einzige große Party. Ein Eindruck, der bereits am Tag beginnt. In den U-Bahnen etwa spielen Musiker, die gute Chancen haben, die Stars von morgen zu werden. Skater verwandeln Plätze in die Arena sportlicher Stunts. Stand-up-comedians können einem an jeder Straßenecke begegnen. „Das Theater findet auf den Straßen, vor den Bühnen statt, Filme laufen ohne Eintrittsgeld, es riecht nach Mensch auf Schritt und Tritt“, beschrieb der Schriftsteller Ludwig Fels seine New-York-Eindrücke.

Als Medienzentrum der USA vergrößert die Stadt alles, was sie an kulturellem Output produziert. Hier sind die wichtigsten Fernsehsender, die großen Nachrichtenmagazine und die Tageszeitung, die als die beste der Welt gilt, die New York Times. Alle bedeutenden Buchverlage sind in der Stadt ansässig und operieren ebenso wie Plattenfirmen von hier aus mit dem Weltmarkt im Blick. Die Stadt zieht kreative Menschen an wie keine andere: Schauspieler, Maler, Schriftsteller, Designer ebenso wie Softwareentwickler. Seit Jahrhunderten bezieht New York aus dem ständigen Wechsel von Boom und Pleiten einen großen Teil seiner Energie.

Rund 8 Mio. Einwohner leben heute in der einstmals größten Stadt der Welt, die im Lauf der Geschichte längst von anderen Megacitys überflügelt wurde. 24 Mio. Einwohner hat die Metropolitan Area insgesamt, die die angrenzenden Gebiete wie Long Island, Westchester County, New Jersey und Connecticut einschließt. Viele arbeiten im Zentrum – in Manhattan.

Dazu kommen die Touristen, die auf den Straßen im Sog des hohen Fußgängertempos förmlich mitgerissen werden. Das Tempo ist wohl mit einer der Gründe, weshalb New York selten ein Ort geschichtsträchtiger Politik war. Vor den Attentaten des 11. September 2001 fand das letzte historisch bedeutende Ereignis im April 1776 statt, als Staatsgründer George Washington im Unabhängigkeitskrieg gegen die britischen Kolonialherren sein Hauptquartier an den Hudson verlegte. New York wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum UNO-Hauptsitz. Die amerikanische Politik hatte die Stadt nach 9/11 eine Zeit lang immer im Blick, und die UN-Zentrale stand in der Debatte um den Golfkrieg im Mittelpunkt des Weltinteresses. Dennoch sieht es so aus, als würde New York seine Bedeutung auch weiterhin nicht aus der Politik ziehen., dafür scheint Washington, D.C. zuständig zu sein.

Bürgermeister Bloomberg hatte die Stadt in seiner Amtszeit (2002-2013) in eine umweltverträgliche Metropole verwandelt. Das zeigt sich am deutlichsten am Times Square – nun eine Fußgängerzone. Es grünt im verkehrsreichen Manhattan. Verkehrsinseln werden zu kleinen Ausruh-Oasen mit Bistrotischen, Stühlen und Sonnenschirmen umfunktioniert, überall werden Fahrradwege angelegt, eine ehemalige Hochbahntrasse mit Holzliegestühlen versehen. Entlang der gesamten Länge der Insel Manhattan erstreckt sich ein Park am Hudson River, in Brooklyn wird die Uferlinie unter der Brooklyn Bridge meilenweit begrünt und begehbar gemacht: Strand, Bootsfahrten und Spielplätze inklusive. Sogar das Empire State Building wird einer jahrelangen Renovierung unterworfen, damit Energie optimaler genutzt werden kann. Im dicht gedrängten Verkehr beschleunigen neue Busfahrspuren das ökologischere Fortbewegungsmittel, scharf kritisiert von der Autolobby. Dazwischen drängeln klingelnde Fahrradrikschas, die Sie schnell, sicher und umweltfreundlich an Ihr Ziel bringen können. Manchmal ist es aber am einfachsten, Sie gehen zu Fuß.

New York ist schon lange mehr als jede andere amerikanische Metropole eine Fußgängerstadt. Die Straßen sind übersichtlich gerastert und nummeriert. Viele Sehenswürdigkeiten liegen nahe beieinander. Man findet sich schnell zurecht. Musste man noch vor wenigen Jahren befürchten, unvermittelt in einer düsteren Ecke zu landen, wenn man sich treiben ließ, so ist das Risiko heute nicht höher als in einer deutschen Großstadt. Aufmerksamkeit schadet dennoch nicht.

New York ist die Stadt der großen Gegensätze. Die Winter sind trocken und frostkalt, die Sommer mehr als 30 Grad heiß und sehr, sehr schwül. Das ausgedehnte Grün des Central Park trifft auf das wuchtige, unendliche Grau von Beton. Kirchen, die anderswo alles überragen, werden hier von den Wolkenkratzern förmlich umzingelt. In diesem Milieu fächert sich zwischen Klein und Groß, Arm und Reich, Alt und Neu eine unglaubliche Vielfalt. Jede Rasse und jede Nation ist vertreten, viele haben ihrer Heimat aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen den Rücken gekehrt. Angetrieben von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, haben sie ein Stück Heimat mitgebracht. So leben hier viele globale Traditionen weiter, ob die Küche aus Äthiopien, die Sambatänze aus Brasilien, die festlichen Paraden der Italiener oder die Drachentänze der Chinesen.

Die Mixtur verändert sich permanent. Im 19. Jh. beeinflussten Einwanderer aus Irland, Deutschland, Österreich und Russland das englisch geprägte Bild und assimilierten sich. Anfang des 20. Jhs. kamen Italiener und Polen hinzu. Während der Zeit des Nationalsozialismus' wurde New York rettender Hafen für verfolgte Juden aus Europa. Wie in einem Schmelztiegel formte sich daraus eine vielschichtige Einheit. Die Mischung ist dabei so speziell, nirgendwo sonst in den USA findet man Vergleichbares. Deshalb empfinden sich die New Yorker als etwas Besonderes, kulturell wach, wirtschaftlich auf der Höhe, neugierig, tolerant und manchmal arrogant. Genau genommen gelten diese Feststellungen vor allem für die weißen New Yorker, die die Stadt dominieren, obwohl sie keine 50 Prozent der Bevölkerung mehr ausmachen. Mit den Einwanderungswellen der letzten Jahrzehnte sind Millionen von Mittel- und Südamerikanern hergezogen, Hunderttausende von Chinesen, Koreanern und Vietnamesen; dazu viele Afroamerikaner aus den Südstaaten. Der Zuzug war so groß, dass die Stadt ihren wirkungsvollsten Mechanismus fast verloren hat: das Verschmelzen, Vermischen und Integrieren vieler Verschiedenartigkeiten. Das verändert ihren Charakter, was David Dinkins, der erste schwarze Bürgermeister New Yorks, 1989 so beschrieb: „New York ist kein Schmelztiegel mehr. Es ist ein Mosaik, in dem alle Teile gleich viel wert sind.“

Doch das Mosaik hat Risse. Die Zugewanderten sind oft arm und auch nicht selten illegal im Land, während die Bezahlung der Wall-Street-Schaffenden nach der Krise erneut in schwindelnde Höhen schoss. Manche Broker verloren zwar ihren Job während des wirtschaftlichen Disasters, aber die die blieben, konnten in kürzester Zeit wieder enorme Gelder einstecken. Manche Risse zeigen sich bereits, wenn man die fünf Stadtteile, die boroughs, betrachtet. Alle könnten einzeln ganze Städte sein – wie dies bis 1898 auch der Fall war, als Greater New York durch den Zusammenschluss von Manhattan, Brooklyn, Queens, Staten Island und der Bronx entstand. Brooklyn wird zunehmend interessanter durch seine Museen, die Architektur, den riesigen Prospect Park, Designerläden und raffinierte Restaurants. Williamsburg im nördlichen Brooklyn hat sich zu einem angesagten Ausgehviertel gemausert. Junge Künstler, Designer und andere Kreative schufen ein Netzwerk aus Galerien, Restaurants und kleinen Läden, die einen Besuch lohnen. Queens, Staten Island und die Bronx sind für den Reisenden weniger reizvoll. Es sind Wohngebiete mit lokalem Flair. Für Besucher ist Manhattan – zwischen Freiheitsstatue und Harlem – das eigentliche Ziel. Hier schlägt das Herz der Metropole.

Weiter zu Kapitel 2

Während eines Urlaubs in New York bot der Chef einer Fotoagentur unserer Autorin Alrun Steinrueck einen Job an – und das ist jetzt 14 Jahre her! Auf den Touren durch die Stadt spürt die Journalistin und Korrespondentin der ansteckenden Energie des Big Apple bei Kunst- und Kulturevents nach, geht neue Restaurants ausprobieren und düst mit dem Fahrrad am Wasser entlang und durch die Parks.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

Zur SZ-Startseite