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Reiseführer Malediven:Auftakt

Entdecken Sie die Malediven!

Da unten liegen sie. Aus dem Flugzeugfenster blickt man staunend auf die fragilen Gebilde der Malediven hinab. Schon der Anflug auf den wie ein Flugzeugträger im Meer liegenden Airport auf der Insel Hulule ist faszinierend. Der Indische Ozean verliert nach und nach sein tiefes Blau, runde, ovale und langgezogene Inseln tauchen auf. Sie wirken wie Farbtupfer auf der Palette eines Malers. Das Meer offenbart fein abgestufte Blautöne - von zartem Blaugrün über Türkis bis zu mächtigem Azurblau. Silbrig glänzende Wellen brechen sich an den Riffkanten, und wenn das Flugzeug in den Landeanflug übergeht, erkennt man schlanke Palmen, die sich im Wind wiegen. Man könnte ins Schwärmen geraten über die zauberhafte Vielgestalt der Inselkette vor dem indischen Subkontinent. Sind Sie reif für die Insel? Dann kommen Sie doch einfach mit!

Wer die Malediven entdeckt und erstmals besiedelt hat, verliert sich im Dunkel der Geschichte. Thor Heyerdahl, der berühmte Meeresforscher und Universalgelehrte, glaubte Reste buddhistischer Heiligtümer entdeckt zu haben, die auf eine Besiedelung zur Zeit der Spätantike, also um 300 n. Chr., hindeuteten. Wer auf den Malediven zu dieser Zeit lebte und woher die Menschen kamen, ist bis heute ungeklärt. Der arabische Weltenbummler Ibn Battuta jedenfalls kam um 1340 auf die Inseln, auf denen es ihm so gut gefiel, dass er dort, schriftlichen Überlieferungen zufolge, für einige Jahre als Rechtsgelehrter wirkte. Andere kamen als Schiffbrüchige, denn zu der Zeit, als es noch keine exakten Seekarten gab, bildete die Inselkette vor dem indischen Subkontinent ein tückisches Hindernis. Manchmal gestatteten die Insulaner den Gestrandeten, ihre Schiffe zu reparieren und weiterzusegeln. Es soll aber andere gegeben haben, die man - aus welchen Gründen auch immer - lieber dabehielt.

Heute wäre mancher sicher froh, würde man ihm ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht auf den Malediven gewähren. Doch das ist nicht so einfach: Zehn Jahre lang müssen sich Ausländer von Visum zu Visum hangeln, bevor sie eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis beantragen können. Und: Wer Bürger der Malediven werden möchte, muss sich zum moslemischen Glauben bekennen. Die Ausübung anderer Religionen ist per Gesetz verboten. Die sunnitischen Moslems der Malediven pflegen allerdings eine gelockerte Form des Islam. Ihnen genügen meist drei statt der eigentlich vorgeschriebenen fünf Gebete am Tag. Leben und leben lassen - es scheint, als hätten die Malediver diese Weisheit verinnerlicht.

Runde Inseln gibt es auf den Malediven, aber auch langgestreckte, sichelförmige, ovale und was die Geometrie der Natur sonst noch hervorbringt. Groß sind die wenigsten, und so kann sich jeder Gast auf "seiner" Insel wie Robinson fühlen. Es ist eine Sache der persönlichen Einstellung zum Begriff "Insel". Der eine mag sie so klein wie möglich, der andere möchte während des Malediven-Urlaubs auch Tennis spielen oder erwartet einen ausreichend dimensionierten Joggingparcours. Die Malediven haben den Vorteil, dass sie allen Wünschen und Idealvorstellungen gerecht werden.

Das Leben der Insulaner selbst aus der Nähe zu beobachten ist schwierig, wenn auch nicht mehr unmöglich. Die Regierung sah Kontakte zwischen Touristen und Einheimischen in der Vergangenheit nicht gern. Offiziell sind nur wenige der etwa 200 bewohnten Inseln für den Besuch freigegeben, für die anderen benötigt man eine Genehmigung. Doch jetzt gibt es z. B. die Insel Guraidhoo im Süd-Male"-Atoll, auf der ein Gästehaus entstanden ist, in dem man den Luxus der Hotelinseln vergeblich sucht. Hier lebt man mit den Einheimischen Tür an Tür und kann direkt an ihrem Leben teilhaben. Ob dies eine Ausnahme bleibt, wird sich zeigen: Vielleicht will die Regierung erst einmal beobachten, wie sich dieser unmittelbare Kontakt entwickelt.

Wenn Sie eine Einheimischeninsel besuchen, sollten Sie auf jeden Fall einen Spaziergang durch die breiten, sandgestreuten Straßen machen, an denen sich die Häuser mit geweißten Fassaden reihen. Sie sind aus einem Korallensand-Zement-Gemisch gebaut und oft von einer Mauer umgeben. Dahinter befindet sich meist ein kleiner Innenhof, in dem an Palmen die typische Malediven-Schaukel aus Sisalseilen hängt. Hier ist der Treffpunkt für die Familie, hier verbringt man die heißesten Stunden des Tages. Jede Palme, jedes Fleckchen Land gehört übrigens dem Staat - privates Eigentum gibt es so gut wie nicht. Die Regierung ist aber großzügig: Will ein Malediver ein Haus bauen, erhält er ein Stück Land, muss jedoch binnen eines Jahres mit dem Bau begonnen haben. Das ist die Ursache dafür, dass man auf vielen Einheimischeninseln nur die Grundmauern eines Hauses sieht. Vielleicht legt der Bauherr aber auch nur eine finanzielle Atempause ein. Die Mittel zum Hausbau erwerben sich viele Malediver durch den Handel mit Kokosnüssen. Der Staat teilt jeder Familie so viele Bäume zu, wie sie für ein einigermaßen sorgenfreies Leben benötigt. Was Allgemeinbildung angeht, nehmen die Malediver in Südasien eine vorbildliche Rolle ein, die Zahl der Analphabeten ist gering. Doch was kommt danach? Wer es sich leisten kann, geht im Ausland auf eine höhere Schule. Sind die Taschen der Eltern weniger gefüllt, bleibt die Polytechnische Schule, eine Art Fachhochschule, auf Male' mit Internat. Berufliche Perspektiven gibt es fast nur im Tourismus oder im Fischfang. Bis heute ist es nicht gelungen, ein weiteres wirtschaftliches Standbein aufzubauen. Es gibt zwar einige verlängerte Werkbänke für die Textilfabriken des nur eine Flugstunde entfernten Sri Lanka, ansonsten ist man froh, wenn der Ernährer der Familie eine Anstellung auf einer Hotelinsel findet.

Bis vor wenigen Jahren war es Männern vorbehalten, auf den Hotelinseln zu arbeiten, jetzt sieht man auch weibliche Wesen hinter der Rezeption. Eine maledivische Form der Emanzipation? Es bleibt unverkennbar, dass Frauen es immer noch schwer haben. Die nach islamischen Grundsätzen geformte Gesellschaft gestattet es Männern, bis zu fünf Ehefrauen gleichzeitig zu haben (was allerdings aus Kostengründen immer weniger möglich ist). Auch weil 2012 der als weltoffen geltende Präsident Mohamed Nasheed abgelöst wurde, wird sich an diesen Verhältnissen so schnell nichts ändern.

Von all dem werden Sie als Besucher in der Regel nicht viel mitbekommen. Umso mehr dafür von der einzigartigen Unterwasserwelt der Malediven. Von dem Meeresforscher Hans Hass stammt die Theorie, dass die Atolle der Malediven auf dem Korallenwachstum auf einem vulkanischen Bergrücken in etwa 2000 m Tiefe basieren. Der viele Jahre dauernde Prozess des Korallenwachstums benötigt drei Voraussetzungen: Licht, frisches Wasser, konstante Wassertemperaturen. Dabei bilden sich kegelförmige Korallenstöcke, deren höchste Stellen allmählich absterben, weil sie nicht mehr genügend frisches Meerwasser erhalten. Dagegen wachsen die Ränder in die Höhe und überragen schließlich das Zentrum, um das herum sich eine Lagune bildet. Atolle wie Inseln sind ständigen Veränderungen unterworfen, deshalb lässt sich die genaue Anzahl auch nicht bestimmen. Umwelteinflüsse spielen eine große Rolle. Da die Inseln maximal drei Meter über den Meeresspiegel hinausragen, sind Stürme gefürchtet. Auch auf Hotelinseln sind die Spuren der Erosion sichtbar: Sand wird weggespült, der dann von anderen Inseln wieder herbeigeholt werden muss, um die Strände zu erhalten. Und der Anstieg des Meeresspiegels gibt Anlass zur Befürchtung, dass den Malediven ein nahes Ende bevorsteht. Das wurde beim Tsunami im Dezember 2004 deutlich, als einige Inseln fast vollständig überflutet wurden.

An diese Probleme sollten Sie denken, wenn Sie dieses Urlaubsparadies vor dem indischen Subkontinent besuchen. Zu fragil ist diese Inselkette, und sie kann in ihrer herrlichen Form nur erhalten werden, wenn jeder das Seine dazu beiträgt. Müllvermeidung wo es nur geht und der sparsame Verbrauch von kostbarem Trinkwasser oder elektrischer Energie sind nur zwei Möglichkeiten, die auch jeder Besucher hat. Und was sollten Sie auf die Malediven mitnehmen? Eigentlich genügen Badehose bzw. Bikini, Shorts und T-Shirts, Flossen, Schnorchel und die Bücher, die Sie schon lange lesen wollten.

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Heiner F. Gstaltmayr lebt als freier Journalist und Reisebuchautor auf der Schwäbischen Alb - wenn er nicht gerade zu Recherchen irgendwo auf der Welt unterwegs ist. Er schreibt vorzugsweise über asiatische Länder, wobei es ihm die Malediven mit ihren goldenen Stränden, den grünen Lagunen und der phantastischen Unterwasserwelt besonders angetan haben - ein perfekter Ort zum Abschalten.

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Quelle: www.marcopolo.de

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