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Reiseführer Mailand - Lombardei:Sehenswertes

Mailand ist keine Stadt, die sich auf den ersten Blick erschließt – sie will entdeckt werden

Aber Sie können auch von allem ein wenig mitnehmen, denn die Wege sind kurz in Mailand. Von der Scala, einem der besten Opernhäuser der Welt, sind es nur wenige Schritte zur Via Monte Napoleone, wo die Edellabels ihre Geschäfte haben, oder zur Galleria Vittorio Emanuele, dem schönsten Schaufenster der Stadt. Ihr anderer Ausgang führt Sie zum Domplatz, dem historischen und aktuellen Zentrum der Stadt. Mailand können Sie sich erlaufen: Die meisten Ziele sind vom Dom aus in weniger als einer halben Stunde zu Fuß zu erreichen, auch das Kreativenviertel um die Via Tortona im Südwesten oder der Corso Como nördlich, wo nachts das Leben tobt.

Die Wege führen Sie vorbei an alter Substanz und modernen Bauten, wo Zeit und Kriege Lücken geschlagen haben – und sicher auch an etlichen Baustellen. Mailand steht nicht still: Die Stadt entwickelt sich fort, so wie sie das seit zwei Jahrtausenden tut, etwa mit den neuen Hochhäusern am Bahnhof Porta Garibaldi, dem Ausbau von Milano City-Life beim alten Messegelände oder mit der Baustelle im Nordwesten der Stadt für die Weltausstellung Expo 2015.

In konzentrischen Ringen breitete sich Mailand im Lauf der Stadtentwicklung aus, ausgehend vom heutigen Domplatz. Unter den Römern wuchs die Stadt, im 4. Jh. war sie mit 250 000 Ew. eine der größten Städte Europas. Mit krummen Gassen und verstreuten Bauten legte sich dann das Mittelalter über die römische Rechtwinkligkeit. Unter der Herrschaft der Visconti und der Sforza wuchs ein Mauerring, der noch heute gut auf dem Stadtplan nachzuvollziehen ist. Dieser sogenannte cerchio dei navigli, der Sant’Ambrogio, San Lorenzo und die Ca’ Granda streift, war bis vor wenigen Jahrzehnten von navigli, Kanälen, umflossen. Heute fährt ihn der Bus 94 entlang.

Unter spanischer Herrschaft entstand später der nächste Kreis: die cinta dei bastioni spagnoli, der spanische Befestigungsgürtel, der an der Porta Romana noch teilweise sichtbar ist. Die Tramlinie 9 folgt ihm vom Hauptbahnhof ab und führt an den meisten Toranlagen von der Porta Volta bis zur Porta Genova vorbei.

Innerhalb dieser Jahrhundertringe finden Sie eine Stadt, die durch Fremdherrschaft, Zerstörungen und Wiederaufbau ganz anders wirkt als andere italienische Städte. Man sieht ihr an, dass die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs fast die ganze Innenstadt in Schutt und Asche legten. Mailand ist keine Stadt, die sich auf den ersten Blick erschließt. Sie will entdeckt werden. Wer neugierige Blicke wagt, wird fast immer belohnt: Die Stadt hat ungezählte schöne Innenhöfe, die sich hinter – oft zufällig geöffneten – Portalen verbergen.

Ein wenig Vorbereitung erfordern hingegen Mailands Museen: An die 40 Stück sind es, und sie bieten Zugang zu Kunst, wissenschaftlichen Forschungen und zur Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Leonardo da Vincis „Abendmahl“, das im Sommer oft eine Anmeldung Wochen vor dem Besuch erfordert, die Museen im Castello Sforzesco mit Michelangelos Pietà Rondanini, die Gemäldesammlungen der Pinacoteca Ambrosiana und der Pinacoteca di Brera sind Höhepunkte nicht nur einer Mailand-, sondern einer ganzen Italienreise. In einem Stadtbesuch ist das eigentlich gar nicht zu schaffen – nehmen Sie sich deshalb nicht zu viel vor!

Einige Museen haben montags und an Feiertagen geschlossen. Dafür gibt es im Sommer tageweise Öffnungszeiten bis spät in den Abend. Oft organisieren die Museen, die zahlreichen Kulturstiftungen und sonstige Einrichtungen sehenswerte Ausstellungen, von denen viele gratis besucht werden können. Dazu informieren die Tagespresse und (auf Englisch und Italienisch) „Milanomese – Top Events“, das man von www.visitamilano.it als PDF herunterladen kann. Die meisten Kirchen und Klöster sind täglich von 7 bis 12 und von 15 bis 19 Uhr geöffnet.

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Bettina Dürr pendelt seit bald drei Jahrzehnten zwischen Norditalien und Düsseldorf. Sie schreibt Reiseführer und kulinarische Sachbücher und übersetzt Kinder- und Jugendliteratur. Gelegentlich organisiert sie für kleine Gruppen Kurzreisen zu ausgewählten Themen. So kommt sie fast automatisch viel in Norditalien herum. Richtig Ferien machen kann sie kaum noch – eine Art Berufsdeformation.

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Quelle: www.marcopolo.de