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Reiseführer Mailand - Lombardei:Erlebnistouren

Jeder Zipfel dieser Erde hat seine eigene Schönheit. Wenn Sie Lust haben, die einzigartigen Besonderheiten dieser Region zu entdecken, wenn Sie tolle Tipps für lohnende Stopps, atemberaubende Orte, ausgewählte Restaurants oder typische Aktivitäten bekommen wollen, dann sind diese maßgeschneiderten Erlebnistouren genau das Richtige für Sie. Machen Sie sich auf den Weg und folgen Sie den Spuren der MARCO POLO Autoren.

Mailand perfekt im Überblick

09:00

Unter dem Eingangsbogen der prachtvollen Einkaufspassage Galleria Vittorio Emanuele II sitzen Sie bei Cappuccino und duftendem cornetto im legendären Camparino in Galleria, den weitläufigen Domplatz im Blick.

09:45

Durch die Galleria spazieren Sie nun auf die Piazza della Scala mit dem weltberühmten Teatro alla Scala . Hier befinden sich auch das prächtige Rathaus Palazzo Marino und die Kunstsammlungen Gallerie d'Italia, die Sie sich aber besser für einen anderen Tag vornehmen. Vor der Oper nehmen Sie nun links die Via Santa Margherita, die Sie zur stimmungsvollen mittelalterlichen Piazza Mercanti führt. Von der Piazza Cordusio geht es ein kleines Stück die Via Dante hinauf, dann links in die Via Meravigli, die in der Verlängerung zum Corso Magenta wird. Bis zum "Abendmahl" im Refektorium neben der eindrucksvollen Kirche Santa Maria delle Grazie ist es etwa 1 km, vorbei an stattlichen Palazzi und an der Traditionskonditorei Pasticceria Marchesi, z.B. für ein zweites süßes Frühstück. Für Abbildungen vom "Abendmahl" gibt es nur eine Adresse, die Papierhandlung Ruffini 50 m links vom Kircheneingang. Eine Entdeckung auf der gegenüberliegenden Seite des Corso Magenta ist die Vigna di Leonardo : Leonardo da Vinci soll hier im zauberhaften Garten der ebenso zauberhaften Casa degli Antellani einen Weingarten besessen haben.

12:30

Nach der Besichtigung geht es gegenüber über die Via Bernardino Zenale und die Via San Vittore vorbei am Wissenschaftsmuseum zu Mailands sakralem Herzen, der uralten Basilica di Sant'Ambrogio , die Sie heute nur von außen bewundern können, da sie in den Mittagsstunden geschlossen ist. Die Uni liegt um die Ecke, entsprechend studentisch-lebendig ist die Umgebung voller netter Imbissbars für den Mittagssnack.

13:30

Durch die Via Terraggio, über den Corso Magenta hinweg und weiter über den Piazzale Cadorna mit Claes Oldenburgs riesiger Pop-Art-Skulptur - eine Nadel mit Faden - haben Sie in einer Viertelstunde die gewaltige Burganlage Castello Sforzesco erreicht. Wer die Füße noch eine bisschen schonen will, nimmt stattdessen an der Ecke Viale Carducci/Piazza Sant'Ambrogio den 50er-Bus und steigt nach vier Haltestellen an der Piazza Cairoli vor der Burg aus. Hinter der Burg erstreckt sich der schöne Parco Sempione - zum Spazierengehen, aber auch mit ein paar Sehenswürdigkeiten: Hält man sich südwestlich, gelangt man zum Triennale Design Museum, einem Muss in der Designstadt - selbst in dessen Café, ideal für die nächste Pause, sitzen Sie auf Designerstühlen. Für den besten Überblick auf die Stadt geht es anschließend per Aufzug auf den Aussichtsturm Torre Branca neben dem Museum.

16:15

Wenn Sie den Park auf der östlichen Seite des Kastells verlassen, gelangen Sie nach Brera. Mit der bedeutenden Gemäldesammlung Pinacoteca di Brera und der Kunstakademie einst das Künstlerviertel, ist es heute mit Wohnstraßen voller Flair, mit Cafés, Läden und Kunstgalerien eines der angenehmsten Innenstadtviertel. Die Traditionsbar Jamaica erinnert mit ihren Fotos an die Boheme von einst.

18:15

Der frühe Abend gilt dem berühmten Modeviertel Quadrilatero della Moda . Sie erreichen es in wenigen Schritten über die Via Brera, Via Verdi und Via Manzoni. Nach dem Streifzug über Via Monte Napoleone und Via della Spiga ist es Zeit für den Aperitif - Höhepunkt im Tagesablauf der Stadt. Ihn nehmen Sie glamourös in der Bar Martini im Flagshipstore von Dolce & Gabbana am Corso Venezia 15 ein. Anschließend empfehlen sich nicht nur für einen lauen Sommerabend die Lokale, die malerisch an den Navigli genannten Kanälen liegen. Sie erreichen sie mit der Metro 1 bis Cardona, dann Metro 2 bis Porta Genova.

Stadtgeschichte, kulinarische Köstlichkeiten und ein ­marmorner "Stinkefinger"

Von der Piazza del Duomo biegen Sie in die lebhafte Einkaufsstraße Via Torino ein, die das frühere Adelsviertel der Stadt durchschneidet. Im Zweiten Weltkrieg sind hier viele Paläste zerstört worden. Zum Glück haben die Bomben die Kirche Santa Maria presso San Satiro verschont. Bilderschänder hatten im 15. Jh. ein Marienfresko mit Steinen beworfen. Daraufhin sollen sich auf dem Antlitz der Madonna deutliche Blutspuren gezeigt haben. Herzog Gian Galeazzo Sforza ordnete den Bau einer Kirche für das Bild an. Im kleinen Inneren hat Bramante mit Hilfe eines optischen Tricks eine virtuelle Apsis für das Wunderbild der verletzten Maria geschaffen, die staunen macht.

Die Via Torino bietet mit vielen Schaufenstern Einblicke in die Konsumwelt; aber auch andere Einblicke sind möglich: Gleich links hinter San Satiro geht die Via Unione (ehemals Contrada dei Nobili) ab, deren noble Vergangenheit nur noch bei der Hausnummer 5 im Palazzo Erba-Odescalchi mit seinem arkadengesäumten Hof zu erahnen ist. Gegenüber in der Via Unione 6 entdeckt man einen alten, weiß gekachelten Milchladen aus den 1950er-Jahren, die Vecchia Latteria mit vegetarischer Küche; beliebt ist die saftige parmigiana, der Käse-Auberginen-Auflauf.

Apropos gutes Essen: In den Gassen nordwestlich der Via Torino tut sich ein regelrechtes Delikatessenviertel auf. Gehen Sie, nun wieder auf der Via Torino, nur ein paar Schritte zurück Richtung Domplatz, duften zur Rechten in der Via Speronari 6 die knusprigen Focacce der Bäckerei Princi , mit Gemüse, Käse und Kräutern gewürzte, ofenfrische Teigstücke. Wunderbare Delikatessenläden - Schlaraffenland und Augenschmaus zugleich - finden sich jenseits der Via Torino in der von eleganten Libertyfassaden flankierten Via Spadari . Das beginnt bei Nr. 4 mit der Pescheria Spadari, einem Fischladen samt Imbiss. Bunte Macarons schmücken die Auslagen von Ladurée (Nr. 6), alle nur erdenklichen getrockneten Früchte und Nüsse importiert seit über 100 Jahren Noberasco (Nr. 8) und auf der gegenüberliegenden Straßenseite (Nr. 9) erstrecken sich die Schaufenster von Peck, seit 1883 der Feinkostladen der Mailänder, mit Restaurant und Café.

Über die Piazza Pio XI nähern Sie sich nun der Pinacoteca Ambrosiana, in deren Rücken die Kirche San Sepolcro steht. Gegenüber steht ein deplatziert wirkender Betonturm mit einem Balkon neben den zarten Formen eines Rokokohauses. Hier gab Benito Mussolini am 23. März 1919 die Gründung der "Fasci Italiani di Combattimento" bekannt - die Geburtsstunde der faschistischen Bewegung. Der faschistische "Redeturm", die Torre Litoria, diente dem Duce für seine öffentlichen Auftritte.

Von der Piazza San Sepolcro schlagen Sie nun die Via Bollo ein hin zur Kreuzung Cinque Vie ("Fünf Straßen"). Links über die Via Santa Maria Podone erreichen Sie so die Piazza Borromeo , einst das Viertel der mächtigen Adelsfamilie mit ihrer Hauskirche Santa Maria Podone und gegenüber dem umgebauten mittelalterlichen Palazzo Borromeo, heute noch Wohnsitz der Nachfahren. Carlo Borromeo reformierte zum Ausgang des Tridentiner Konzils radikal die Mailänder Diözese, hielt sich die spanische Inquisition vom Hals, ersetzte sie durch eine eigene, "mildere" und spendete in den Pestjahren 1576/77 tat- und wunderkräftig Hilfe. Sein Vetter Federico gründete die Pinacoteca und die Biblioteca Ambrosiana.

Von der Via Borromei (sehr eng, Vorsicht Autoverkehr) sollten Sie über die Via Santa Maria alla Porta hinweg einen Schlenker über die Piazza degli Affari machen: Hier provoziert seit 2010 ein riesiger "Stinkefinger" aus Marmor vor der wuchtigen Mailänder Börse: die Skulptur L.O.V.E. ("Il Dito") des Künstlers Maurizio Cattelan. Im Rücken der Börse erreichen Sie über die Via delle Orsole die Via Meravigli, die in westliche Richtung zum Corso Magenta wird. Auf dem erstreckt sich rechtsseitig der riesige Palazzo Litta , eine Adelsresidenz von 1648 in üppigen Barock- und Rokokoformen. Heute residiert hier die Kultur- und Denkmalpflege der Region Lombardei; auch das Theater des Palazzo wird noch bespielt ( www.teatrolitta.it ).

An der nächsten Straßenkreuzung mit der Via Carducci tut sich links die Jugendstil- Bar Magenta auf, einst ein legendärer Treffpunkt der Mailänder - die Stühle auf dem Bürgersteig laden zum Erholen und Gucken ein. Ein paar Schritte weiter, schon gegenüber von Santa Maria delle Grazie, geht es dann in den ehemaligen Klosterkomplex Santa Maria della Stella , der im 17. Jh. zum städtischen Waisenhaus für Mädchen wurde, die man stelline, Sternchen, nannte. Noch bis 1971 wurde er in dieser Funktion genutzt. In Hausnummer 57 erzählt das Museo Martinitt e Stelline anhand alter Dokumente, Fotos, Werkstätten und Biografien die Geschichte der Waisenbetreuung (martinitt waren die Jungen). Der berühmteste Waise ist Leonardo del Vecchio, Gründer von Luxottica, der größten Brillenfabrik der Welt. Heute beherbergt die Klosteranlage ein Hotel, Restaurants und zeitgenössische Ausstellungen.

Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts

Los gehts in der Via Palestro bei den Giardini Pubblici Indro Montanelli . Unter der Habsburger Regentschaft wurde Ende des 18. Jhs. dieser erste öffentliche Stadtpark angelegt und unter Napoleon wurde aus dem Adelspalais Villa Belgioioso 1802 dessen Mailänder Residenz, die Villa Reale, die heute das Museum für moderne Kunst beherbergt. Trauen Sie sich hinein in die bezaubernden Giardini di Villa Reale , auch wenn der Park vornehmlich Kindern vorbehalten ist. Im Kontrast zu dieser heilen Welt steht das Graffito auf der Wand des Padiglione d'Arte Contemporanea (PAC): Der berühmte Street-Art-Künstler Blu zeigt die Stadt als Kokainbabylon. Weiter auf der Via Palestro gelangen Sie zur Piazza Cavour. Hier erhebt sich als eines der ersten nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen modernen Hochhäuser das Centro Svizzero di Milano mit dem empfehlenswerten Bistrot und Loungelokal Swiss Corner.

An der Piazza Cavour nehmen Sie die Zweite rechts, die Via Turati. An ihrer Kreuzung mit der Via della Moscova, Largo Donegani bzw. Piazza Stati Uniti genannt, konzentrieren sich ein paar eindrucksvolle Gebäude: Die eine Ecke nimmt die Ca' Brutta ein, das "Hässliche Haus", eine wuchtige Wohnanlage von 1922 von Giovanni Muzio, bedeutender Architekt der Novecento-Moderne, der auch das Triennale Design Museum entwarf. Auf der anderen Platzseite kontrastieren dazu zwei Bürokomplexe von schnörkelloser Modernität: die Palazzi Montecatini von Giò Ponti, Gründer der berühmten Architektur- und Designzeitschrift "Domus". Der eine stammt von 1935-1938, der andere von 1951; Letzterer ist Sitz des US-amerikanischen Generalkonsulats.

Beim Bummel über die schöne Via della Moscova sehen Sie beim Blick in die rechten Seitenstraßen die neue Skyline der Porta Nuova schon zum Greifen nah. In Hausnummer 28 ist die elegante Medienbibliothek Mediateca Santa Teresa in der Barockkirche Santa Teresa untergebracht. An der Kreuzung mit der Via Solferino erhebt sich der stattliche Liberty- Palazzo del Corriere della Sera von 1903, Sitz der namhaften Mailänder Tageszeitung. Man könnte nun den Redakteuren in die Mittagspause folgen, z.B. in die Via San Marco (eine Querstraße zurück) zur winzigen, urigen Latteria San Marco zu dampfenden Suppen und Schmorbraten. Wenn Sie dort keinen Platz finden, werden Sie nicht hungrig bleiben: Zahlreiche kleine Bistrots oder auch feine Traditionslokale finden Sie an der Querstrasse Via Montebello oder in der parallelen Via Solferino, etwa das moderne Pisacco.

So gestärkt geht es über die Via Marsala bis zur weiten, bühnenartigen Piazza 25 Aprile mit dem Stadttor Porta Garibaldi von 1828. Zur Rechten lockt die gastronomische Erlebniswelt Eataly Milano Smeraldo und weiter geradeaus am Corso Como 10 die kreative Erlebniswelt des gleichnamigen 10 Corso Como . Die kurze Bummelmeile Corso Como, abends auch ein Nightlifetreff, führt direkt auf die Torre Unicredit zu, mit ihrer 231 m hohen Spitze Italiens höchster Wolkenkratzer. Zu der Porta Nuovagenannten Hochhausgruppe von 2012 gehören außerdem zwei vertikal begrünte Wohntürme sowie das gläserne Verwaltungsgebäude der Region Lombardei. Verbindungsscharnier ist die nach einer berühmten Mailänder Architektin benannte Piazza Gae Aulenti , auf der man sich abends zu spontanen Tanzevents trifft. Unter dem Platz verbirgt sich ein Supermarkt und hinter dem Neubauensemble geht es in den Kiez des Stadtteils Isola - ein ganz anderes, alternatives Szenario.

Uralte Kirchen und junge Szene

Die Besichtigung der Basilika von Basilica di Sant'Ambrogio gehört zu den eindringlichsten Erlebnissen, die ein Mailandbesuch bietet. Sie können die Kirche dann durch den Nebenausgang hinter der Statue von Papst Pius IX. im rechten Seitenschiff verlassen und kommen über einen kleinen Weg (links Gebäude der katholischen Universität) in die Via Lanzone und weiter in die Via Caminadella: In einem lauschigen Innenhof bietet eine romantische kleine Konditorei zu Mittag köstliche Gemüsetorten: Caminadella Dolci .

Nun erreichen Sie die lebhafte Piazza della Resistenza Partigiana - an der Ecke zum Corso Genova bietet die alteingesessene Bar und Konditorei Cucchi köstliche, mit Mandelcreme gefüllte Brioches. Vom Corso Genova biegt nach ein paar Metern rechts die Via Calocero ab. Sollten Sie zur Aperitifzeit unterwegs sein, empfiehlt sich links in der Via Torti 23 die lockere Art Bar Le Biciclette. Die Via Calocero führt weiter zur Kirche San Vincenzo in Prato , einer wiederaufgebauten romanischen Basilika aus dem 9. Jh., die im 19. Jh. sogar als Chemiefabrik genutzt wurde.

Sie gehen hinter der Kirche über die Via Ariberto und die Via Marco d'Oggiono über den Corso Genova (mit vielen interessanten Geschäften und links einem überdachten Lebensmittelmarkt) hinaus. Rechts liegt in der Via Conca del Naviglio das kleine Hafenbecken Conca del Naviglio , wo Marmor für den Dombau verladen wurde. Durch die Via Scaldasole erreichen Sie den Corso di Porta Ticinese und die Kirche Basilica di Sant'Eustorgio . Rechts an ihr vorbei gelangt man in den besonders gepflegten Parco delle Basiliche (offiziell Parco Papa Giovanni Paolo II). Hier sitzt man auf Bänken unter Rosenlauben mit Blick auf die Rückseite von San Lorenzo Maggiore , wobei man gut den unregelmäßigen Kapellenkranz sehen kann, der sich in Jahrhunderten um den Kirchbau gelegt hat. Erkunden Sie anschließend das Innere der Basilika.

Die Piazza vor der Kirche am Corso Porta Ticinese ist heute ein Treffpunkt der Jugend- und Alternativszene. Abends öffnen in der Umgebung viele Kneipen. Sie gehen nun durch die Via Mora , eine Straße mit interessanten Läden wie Mimma Gini mit schönen handgewebten Stoffen, Gardenia, ein zauberhafter Blumenladen mit Kaffeeausschank oder dem Vintageladen Vintage Cavalli e Nastri. Weiter über die Via Orazio und Via Lanzone kommen Sie nach Basilica di Sant'Ambrogio zurück.

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Bettina Dürr pendelt seit bald drei Jahrzehnten zwischen Norditalien und Düsseldorf. Sie schreibt Reiseführer und kulinarische Sachbücher und übersetzt Kinder- und Jugendliteratur. Gelegentlich organisiert sie für kleine Gruppen Kurzreisen zu ausgewählten Themen. So kommt sie fast automatisch viel in Norditalien herum. Richtig Ferien machen kann sie kaum noch – eine Art Berufsdeformation.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de