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Reiseführer Lettland:Ausflüge und Touren

Entdecken Sie die wunderbaren Geheimnisse der lettischen Provinz

Von der Rīgaer Bucht um das Kap der zwei Meere

Die „Leuchtturmfahrt“ führt in zwei Tagen 170 km durch eine Region, die 50 Jahre lang kein Fremder zu Gesicht bekam. Kurlands Küste war Sperrgebiet. Vergessen Sie Majoris Ferientrubel, dafür tut sich Ihnen ein verwunschenes Paradies auf: einsame Strände, Dünenketten, Salzluft, die im harzigen Aroma endloser Kiefernwälder zerfließt.

Tukums ist eine alte Stadt. Der seltsame Name stammt vom livischen „tukku mägi“, was so viel wie „ein Haufen Hügel“ heißt: Von einem der Hügel aus wachten schon vor tausend Jahren livische Fürsten über den Bernsteinhandel. Erste Station ist nach 22 km nordwärts Engure, beliebt für seinen Strand und berühmt für den frischen Räucherfisch, den die Fischer hier anbieten. Links der Straße verbirgt sich hinter Moorwald und Salzwiesen der seichte Engures ezers, größter Lagunensee der lettischen Küste und ein Wasservogelreservat europäischen Ranges. Überblicken lässt sich das geschützte Gewässer am besten von einem Beobachtungsturm am Nordufer bei Mešrags. Das alte Dorf mit jahrhundertealter Fischereitradition erreichen Sie nach weiteren 30 km. Es heißt nach einem von der Seefahrt gefürchteten Kap, vor dem heute ein Leuchtturm warnt.

Die Küste wird nun immer einsamer, nur wenige Orte säumen den Weg, Roja etwa. Einst Zentrum des kurländischen Segelschiffbaus, heute ein munteres Hafendorf, das eine Pause lohnt: Ein kleines Museum gibt Einblick in das Leben der Küstenfischer im 19. Jh. Üben Sie sich im Knüpfen von Netzen und lernen Sie einen echten Seemannsknoten (Jūras Zveniecības muzejs | Di-Sa 10 bis 18 Uhr | Selgas 33).

Von Roja ist es nicht mehr weit bis zum ersten Höhepunkt der Tour: Kolkasrags, das legendäre Nordkap Kurzemes. „Strand der zwei Meere“ nennen die Einheimischen die windige Landspitze, weil an ihr Ostsee und Rīgaer Bucht zusammenstoßen, und das mitunter ziemlich turbulent. Am Strand liegen Trümmer eines alten Leuchtturms, der heutige steht seit 1884 vier Kilometer vor der Küste am Ende der Kolka-Sandbank. Ein Signalfeuer am Kap kennt man seit dem 11. Jh., damals freilich entzündet von Strandpiraten, die so Schiffe auf die Untiefe lockten und ausraubten.

Ein weiteres historisches Seezeichen steht vier Kilometer im Landesinneren (!), und ersteigen sollten Sie es schon der phantastischen Sicht wegen: Vom Kopf des roten Leuchtturms Slītere, 59 m über dem Meer, reicht die Sicht bei schönem Wetter bis zur estnischen Insel Saaremaa. Der Turm beherbergt eine Ausstellung des Slītere-Nationalparks, zu dem auch Kolkasrags gehört. In 60 Jahren Isolation schuf die Natur hier eine urwaldartige Wildnis.

Am Kap erinnert eine Sandsteinskulptur an die Liven, die Ureinwohner der baltischen Küste. Ihre letzten Nachfahren leben hier in einigen ethnografisch geschützten Dörfern, deren kulturelles Zentrum Mazirbe ist, 18 km südwestlich von Kolka. Dort steht das livische Kulturhaus mit einem kleinen Museum. Erbaut wurde es 1939 mit Hilfe Estlands und Ungarns, den Verwandten des finno-ugrischen Volkes. Auf der Weiterfahrt in diese Richtung lohnt sich eine Rast in Košrags. In dem Dörfchen stehen noch einige der alten, traditionellen Fischerkaten. Kein einziger Nagel wurde bei ihrem Bau verwendet. Košrags, Pitrags, Sīkrags, Vaide, Mazirbe - die Livendörfer leben, seit der Bann der Sperrzone von ihnen abgefallen ist, nun wieder von der Küstenfischerei. Zum Übernachten gibt's hier einige nette Privatquartiere, in Mazirbe auch eine kleine Pension (6 Zi. | Kalēji | Tel. 63248374 | €).

Rundfahrt durch den Gauja-Nationalpark

Lettlands Lieblingswanderland, das Urstromtal der Gauja und die „Livländische Schweiz“, können Sie auf verschiedene Weise entdecken. Diese Tour führt als Autorundfahrt zu den schönsten Orten des Nationalparks, sie lässt sich an den einzelnen Stationen jeweils mit Wanderrouten kombinieren. Nehmen Sie sich für die etwa 150 km lange Strecke zwei Tage Zeit, die Landschaft hat es in sich. Zudem gibt's jede Menge Aktivangebote von Bungee bis Kanurafting. Als Übernachtungsort bietet sich Cēsis an.

Die Strecke beginnt in der Burgenstadt Sigulda. Im TIC (Pils 4a), im Besucherzentrum des Nationalparks (Baznīcas 3) oder im Infozentrum Makars (Peldu 1) bekommen Sie gutes Kartenmaterial.

Erstes Ziel der Tour ist Līgatne, 20 km nordöstlich, das Sie am besten über die A 2 (Vidzemes šoseja) in Richtung Alūksne erreichen. Līgatne wuchs im 19. Jh. um eine Papiermühle herum. Hier wurden mehrere schöne Wanderwege und Lehrpfade angelegt. Sie können z.B. mit der Fähre die Gauja überqueren und ein Stück in westliche Richtung zu den 200 m langen Glūdu-Felsen (Glūdu klints) spazieren, die ein schönes Echo zurückwerfen. Oder weiter flussabwärts zur Dagnes-Höhle (Dagnes ala). Die kleine, rot schimmernde Höhle, von zahllosen Frühlingshochwassern aus dem Sandstein gespült, liegt versteckt in herrlichem Laubwald an der Mündung des Flüsschens Liepu Strauts in die Gauja.

Die Rundfahrt führt dann von Līgatne am Schlossberg vorbei auf einer unbefestigten, kurvigen Straße durch die Tallandschaft in Richtung Kārli. Nach acht Kilometern zweigt ein Wanderweg nach links ab. Er führt zu einem der schönsten Plätze am Gauja-Ufer, der Felswand mit den Stromschnellen Ķūķu krāces. Eine weitere atemberaubend schöne Stelle erreichen Sie, wenn Sie hinter der Brücke, die kurz darauf die Amata überquert, nach rechts auf einem ausgeschilderten Pfad zum Zvārtas iezis, dem Adlerfelsen, wandern.

Von Kārli ist es nicht mehr weit bis zur Straße nach Cēsis, auf der Sie eine weitere sehenswerte Station der Tour erreichen: die Seeburg von Āraiži. Auf der Insel des Āraiži-Sees entdeckten Archäologen 1864 die Reste eines großen lettgallischen Wehrdorfes, das man in Teilen originalgetreu rekonstruierte. Als anschauliches Abbild der heidnischen Kultur des 9. Jhs. ist die hölzerne „Burg“ in ganz Lettland bekannt und auch für Kinder ein spannendes Erlebnis (April-Nov. tgl. 9-18 Uhr). Malerisch schmiegt sich das Gutsdorf mit Kirche und Holländermühle an den See. Von Āraiži sind es nur noch wenige Autominuten bis Cēsis. Die geschichtsträchtige Stadt lädt zu einem entspannten Bummel ein.

Die Tour setzt nun über auf die andere Seite des Tals. Sie verlassen Cēsis auf der Straße Richtung Limbaži. Auf der Gauja-Brücke bietet sich ein Top-Fotomotiv: Rechts ragen die Sakanāsklippen über dem Flussufer auf.

Nach etwa zwölf Kilometern passieren Sie den Ungurū ezers, den größten See des Nationalparks. Am ehemaligen Gasthaus Maizas krogs zweigt rechts eine schöne Eichenallee zum Gut Ungurmuiža ab. Dort steht das einzige hölzerne Barockschloss Lettlands. Innen sind schöne Wand- und Deckenmalereien erhalten, die besichtigt werden können (Di-So 9-17 Uhr). Das aus dem frühen 18. Jh. stammende zierliche Teehaus im Park erinnert an die damals modische Vorliebe für chinesische Kultur.

Auf der A3 Sigulda-Valmiera, die Sie nach ein paar Kilometern erreichen, biegen Sie nach links ab und kommen kurz darauf nach Straupe, dessen Schlossensemble Lielstraupe (Lielstraupes pils) zu besichtigen lohnt (tgl. 9-19 Uhr). Es entstand im 13. Jh. als Burg des erzbischöflichen Vasallen Fabian von Rosen und verfiel später. Seine Nachfahren bauten es 1727 im Stil des Barock wieder auf. In der prachtvollen Kirche, selten einträchtig mit dem Schloss unter einem Dach, finden im Sommer oft Orgelkonzerte statt. Von Straupe aus sind es noch 25 km bis Sigulda.

Von Daugavpils durch die Latgaler Seenplatte

Schrecken Sie nicht davor zurück, dass der Osten des Landes touristisch noch als Niemandsland gilt. Auf dieser Tour durch ein hügeliges Mosaik aus Wäldern, Wiesen und über 300 Seen entdecken Sie ein wunderbar unverbrauchtes, stilles Land mit eigenem Zeitmaß. An einem Tag ist die etwa 130 km lange Route durch die Latgaler Seenplatte mit dem Auto gut zu schaffen. Von den Etappen und (einfachen) Übernachtungsmöglichkeiten her lohnt sie sich ebenso zum entspannten Radwandern, in diesem Fall planen Sie drei Tage ein.

Die erste Etappe der Tour führt auf der A 6 nach Krāslava entlang der Daugava-Schleifen. Majestätisch windet sich der Strom östlich von Daugavpils durch sein breites Tal, gerahmt von Sandsteinfelsen. Vom ausgeschilderten Markova-Burgberg (Markovas pilskalns) bietet sich der schönste Ausblick auf die grandiose Landschaft des Naturparks Daugavas loki.

In Krāslava biegen Sie links auf die Landstraße P 62 Richtung Aglona ab. Kurz darauf erreichen Sie Kombuļi, wo ein Abzweig zum Sauleskalns lohnt. Der „Sonnenberg“ ist etwas schwer zu finden, achten Sie nach ca. drei Kilometern auf die Bushaltestelle „Sauleskalns“, dort biegen Sie nach rechts ab. Die Jugendherberge südlich des Berges, zu Sowjetzeiten das bedeutendste touristische Zentrum Latgales, existiert nur noch in Resten und ist lediglich genügsamsten Gemütern zuzumuten.

Wieder zurück auf der Straße nach Aglona, passieren Sie nach zehn Kilometern einen kleinen See, an dem (wieder einmal) der Teufel sein Unwesen treiben soll. Wirklich faszinierend am Velnezers, dem Teufelssee, ist seine Eigenart, je nach Lichteinfall seine Farben zu ändern.

Nun naht Aglona. Schon von weitem leuchtet der schneeweiße Doppelturm der berühmten Basilika, eines Wallfahrtsorts der katholischen Welt Osteuropas. Rings um Aglona liegen einige der schönsten Seen Latgales. An einem kommen Sie bald vorbei, wenn Sie durch das stille Land in Richtung Dagda weiterfahren: der buchtenreiche Rušons-See, eine grünblau schimmernde Perle, ihrerseits von einem Kleinod gesäumt: dem Dorf Bērzgale am Südufer mit barockem Holzkirchlein. In Kapiņi biegt links ein Weg nach Bērzgale ab. Gleich mehrere Seen stoßen im Tal bei Dagda zusammen. Den namenstiftenden Dagdas ezers mit seinen zwölf Inseln kann man umwandern.

Die Seerundfahrt führt nun auf der Landstraße in nördliche Richtung. In Ezerniki überrascht ein riesiger Hotelkomplex, der aus Zeiten organisierten Urlaubs stammt und damals sehr beliebt war. Derzeit steht die Ferienstätte großenteils leer, auf den erhofften Investor wartet die Region bislang vergebens (Turistu Centrs Ezernieki | 158 Zi. | Tel. 65655342 | €). Die Seen ringsum sind Teil eines Naturschutzgebiets, der Ežezers selbst mit seinen 69 Inseln zählt zu den schönsten Seen Lettlands.

Nun ist Rēzekne nicht mehr weit. Die Landschaft, in der Dörfer nach ihren Seen heißen, ist wunderbar wellig, Ketten eiszeitlicher Endmoränen prägen das Bild - „Berge“ wie der Lielais liepu kalns, mit 289 m Höhe einer der höchsten Gipfel im Baltikum. Noch einmal glitzert eine Wasserfläche im Licht, der Rāznas-See, an dessen Ufer es mehrere Naturstrände gibt. Gönnen Sie sich eine Erfrischung, schwimmen Sie im klaren Wasser des Rāznas, bevor die Tour durch das Land der Blauen Seen in Rēzekne zu Ende geht.

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Lettland hat alles, um sich dort wohl zu fühlen: Wunderschöne, vielfältige Landschaften - viele wie unberührt, das ganze Land ein großes Freilichtmuseum des Auf und Ab der Ostseegeschichte. Und natürlich Rīga: eine schöne, moderne und vor Dynamik geradezu zitternde Stadt.

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Quelle: www.marcopolo.de