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Reiseführer Kroatische Küste - Istrien:Auftakt

Entdecken Sie die Kroatische Küste!

Wie vorwitzige Finger ragen kleine Halbinseln, auf denen sich romantische Hafenstädtchen um eine Kirche scharen, aus der buchtenreichen Küste hervor. Eine Loggia, ein Campanile, vornehme Palazzi, der geflügelte Löwe am Stadttor oder Uhrturm - Piran, Rovinj, Lovran, Cres und Krk sind kleine Kopien des großen Venedig, das diese Küste so lange beherrschte. Kaum verwunderlich, dass Istrien und der Kvarner-Golf von italienischem Lebensgefühl geprägt sind - mit all den lieb gewordenen Gewohnheiten wie dem Espresso, den Eisdielen, dem abendlichen Spaziergang Corso, den die Slowenen und Kroaten korzo schreiben, was nicht ganz so luftig, sondern etwas bodenständiger aussieht. Das ist es, was Istrien und den Kvarner-Golf deutlich von der westlichen Adria-Küste unterscheidet: Das slawische Element erdet die italienische Leichtigkeit. Das betrifft die Kultur, die Sprache, das Brauchtum und das Essen.

Spürbar wird das vor allem abseits der Küste, im Inneren Istriens wie auch der Inseln. Die Städte sind gut befestigt und wehrhaft, viele wurden auf Hügeln erbaut, wo sie besser zu verteidigen waren. Es werden mittelalterliche Bräuche gepflegt wie etwa die Bürgermeisterwahl in Hum, bei der die Bewohner den Amtsträger mittels Kerben in einem Stück Holz bestimmen. In Kirchen und Klöstern aufbewahrte Steintafeln und Dokumente erinnern an die Frühzeit des Christentums, in der slawische Kirchen- und Rechtsdokumente in eigens dafür entwickelten Glagolica-Lettern niedergelegt wurden.

Die Küche ist gehaltvoll: Die italienische Minestrone wird als maneštra mit Rauchfleisch und Hülsenfrüchten angereichert. Lamm garen Köchinnen zwischen Koper und Pag mit Kartoffeln und Gemüse in einer schweren Eisenpfanne, der peka, über offener Glut, und selbst aus Meeresfrüchten wird eine Art Eintopf gekocht. Auch die konoba, ein rustikales Kellerlokal, ist ein Erbe des ländlichen Kulturkreises. Am deutlichsten haben romanische und slawische Elemente in der Sprache zusammengefunden. Der istrische Dialekt klingt nach beidem, italienisch und slowenisch-kroatisch.

Landschaftlich bietet die Region eine große Vielfalt: Sie kann sehr herb sein, von wasserarmen Hochebenen gezeichnet, wie das weiße Istrien im Osten, oder von dichten Eichenwäldern, wie das westlich anschließende, graue Istrien. Die üppige Fruchtbarkeit ist den Küsten vorbehalten: dem roten Istrien, in dessen eisenhaltiger terra rossa Olivenbäume und Weinstöcke wurzeln, und dem Kvarner-Golf, dessen mildes Klima Edelkastanien, Steineichen, Pinien, Oleander, Lorbeer und sogar Exoten wie Palmen, Bougainvillea und Hibiskus gedeihen lässt. Auch die Inseln zeigen zwei Gesichter - allerdings verhält es sich auf Lošinj, Krk und Rab umgekehrt: Die Ostküste ist karg, das Land im Inneren aber fruchtbar und üppig bewachsen.

Römische Tempel, Frankopanenfestungen, venezianische Loggien, habsburgische Theater - Istrien und der Kvarner-Golf haben viele Herrscher kommen und gehen sehen. Rom, Byzanz, Venedig, Österreich-Ungarn und schließlich Jugoslawien haben sich in Architektur und Kunst verewigt. Das römische Amphitheater in Pula, die byzantinische Basilika in Poreč, der venezianische Prätorenpalast in Koper, Lovrans Jugendstilvillen sowie zahllose Schätze in den Museen bieten Kulturreisenden Einblicke in die reiche Geschichte. Reminiszenzen an das sozialistische Jugoslawien prägen die Neubauviertel der Städte und die Hotellerie, die in den 1970er-Jahren einen Bauboom erlebte. Nach und nach wurden diese Hotels entkernt, renoviert und vom sozialistischen Einheitsstaub befreit. So ist eine Ferienlandschaft mit Hotelanlagen und Campingplätzen entstanden, die höchste Ansprüche an Komfort und Design zufriedenstellt, dabei aber zugleich in einem für Natur und Umwelt verträglichen Rahmen bleibt.

Sowohl Slowenien als auch das 2013 der EU beigetretene Kroatien sind schwer von der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise betroffen. Vor allem Kroatien, das immer noch von der jahrelangen Misswirtschaft und Korruption der Regierungen gezeichnet ist, die das politische Geschehen nach der Unabhängigkeit bestimmten, tut sich schwer damit, Anschluss an Mitteleuropa zu finden. Feriengäste merken davon kaum etwas, denn erstens stehen die Küstenregionen dank des boomenden Tourismus deutlich besser da als das Binnenland und zweitens tun die Gastgeber alles dafür, ihre Probleme zu verbergen. Wegen der hohen Lebenshaltungskosten - das Niveau liegt nicht weit unter jenem in Mitteleuropa - müssen viele in Zweitjobs dazuverdienen. Andererseits steigt die Arbeitslosigkeit, sodass manch einer nur dank der Unterstützung durch Verwandte überleben kann. Solidarität und gegenseitige Verantwortung sind auch in der modernen Gesellschaft ein wichtiges Gut. Wenn Tante, Neffe, Enkel Hilfe brauchen, hält die ganze Großfamilie zusammen.

Die meisten Reisenden besuchen Istrien und den Kvarner-Golf, um hier ihren Sommerurlaub zu verbringen. Sie erwarten Sonne, Meer und Strand, wobei Letzterer nicht unbedingt das Klischee bedient, denn die Küste ist felsig. Kies- und Sandstrände gibt es zwar, aber sie sind deutlich in der Unterzahl. Vor allem die kroatische Küste lädt zum Entdecken ein - ob Sie nun mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu einer idyllischen Bucht aufbrechen oder die Inseln mit dem Boot umrunden, um an paradiesischen Fleckchen Anker zu werfen und zu baden. Die Gumpen und Kanäle zwischen Felsplatten, wo sich Krebse und Fischchen tummeln, bescheren Kindern jeden Alters einen Abenteuerspielplatz. Unterwasserabenteuer für Schnorchler und Taucher verspricht das saubere, glasklare Meer mit seinen Felswänden, Höhlen und Tunnels, in denen eine für die Adria erstaunliche Artenvielfalt lebt. Unter Wracktauchern gelten die Gewässer vor Istrien als Geheimtipp; vor der Westküste sind unzählige Schiffe versunken.

Segeln, Kajakfahren, Wind- und Kitesurfen - Aktivitäten auf dem Wasser sind nur eine der vielen Möglichkeiten, die Region sportlich zu erforschen. In den letzten Jahren ist ein wahrer Fahrradboom über Istrien hereingebrochen, teils befördert durch die radbegeisterten Einheimischen, teils durch Kenner und Genussradler, die an der abwechslungsreichen Topografie und dem reichen Kultur- und Gastroangebot Gefallen finden. Radwege wurden ausgebaut, interessante Rundtouren zusammengestellt, sowohl für Tourenräder wie für Mountainbikes. Selbst entlang einer aufgelassenen Bahntrasse, Tunnels und Viadukte inklusive, können Sie durch Istrien radeln und auf dem Weg immer wieder einkehren - in urigen konobe ebenso wie in eleganten Restaurants. Der Ruf der nordkroatischen Küche ist vorzüglich. Regionale und saisonale Spezialitäten veredeln die traditionellen Gerichte, allen voran die istrischen Trüffeln, die sich in Geschmack und Qualität mit jenen von Alba messen können.

Auch in puncto Nachtleben hat die Region aufgeholt: Fackeln erleuchten die Nacht; dezente Musik untermalt das Plätschern und Gurgeln des Meers an den Felsen, auf bequemen Sitzkissen lagern sonnengebräunte Urlauber und Einheimische unter dem glitzernden Sternenhimmel und nippen an edlen Drinks. Ein langer Sommertag im istrischen Rovinj endet mit einem entspannten Abend im Valentino mit Blick auf die Lichterketten von Yachten und Hotels. In Poreč lauscht man den Blue Notes einer Jazzcombo im Lapidarij, in Rijeka wippen die Schicken und Schönen zu den Techno-Beats des Club Boa, und auf Pags Kultstrand Zrće scratchen DJs die Jugend in Ekstase. Istrien und der Kvarner-Golf sind in - das Provinzielle der sozialistischen Ära haben sie längst hinter sich gelassen. Überzeugen Sie sich selbst!

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Die Ethnologin und Reisebuchautorin Daniela Schetar reizten zunächst fremde Kulturen. Doch als sie erstmals wieder in ihre Heimat Istrien zurückkam und den Duft der Macchia einsog, waren sie wieder da: die Begeisterung für die venezianischen Städtchen, die Faszination der kargen Felsrücken der Insel Cres, die Liebe zu Landschaften und Menschen am Schnittpunkt kroatischer, slowenischer und italienischer Kultur.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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